“Da wird gerade richtig, richtig viel Geld verbrannt”

|

Martin Zondler vor seinem Autohaus in Graben-Neudorf

Auch die Autohäuser in der Region ächzen unter der Belastung durch die Corona-Krise

Martin Zondler ist ein Alphatier wie es im Buche steht. Wenn sich der Hüne breitbeinig aufbaut, die Arme überkreuzt und sein Gegenüber taxiert, weiß man das jetzt nicht mit Süßholzgeraspel zu rechnen ist, sondern mit einer handfesten Ansage. Wenn ein solcher Pragmatiker also zu bedenken gibt, dass die Lage ernst ist, dann darf man mit Fug und Recht davon ausgehen, dass dem auch so ist. Martin Zondler ist Chef eines der größten Autohäuser in der Region. In Graben-Neudorf und in Philippsburg warten unzählige Neuwagen und Gebrauchtwagen der Marke Hyundai hier auf ihre Abnehmer. Mitte März gingen hier wie fast überall im Land, Corona sei Dank, die Lichter erst einmal aus. Fast zwei Monate lang musste der Verkauf ruhen, lediglich eine Rumpfmannschaft hielt den Notbetrieb der angeschlossenen Autowerkstatt aufrecht.

Zeit ist Geld, dieses Credo gilt im Autohandel wie sonst kaum irgendwo. Der Verkauf von Autos ist eine Wette gegen die Zeit! Mit jedem Tag, den ein Neuwagen auf dem Hof des Autohauses steht, verliert er beständig an Wert. Bei den Gebrauchten ist das nicht anders: Ein Jahreswagen kann so schnell zum Anderthalb-Jahreswagen werden und binnen Wochen, mehrere tausend Euro an Wert einbüßen. Martin Zondler redet dabei nicht um den heißen Brei herum, sondern knallt die harten Zahlen auf den Tisch. “Wir verkaufen normalerweise jedes Jahr rund 800 Autos, während dem Lockdown fehlten uns so 20.000 Euro Ertrag – pro Woche”

Zwischenzeitlich hat der Verkauf durch die Lockerungen wieder etwas an Fahrt aufgenommen, die Umsätze wie vor “der Zeit davor” werden allerdings bei weitem nicht mehr erreicht. Wie auch? Wer investiert in Zeiten der Unsicherheit schon einen höheren Betrag, wenn sich am Horizont ein Heer aus Fragezeichen formiert. Auch wenn Martin Zondler von Natur aus ein Kämpfer ist, blickt er eher verhalten bis pessimistisch in die Zukunft. “Ich rechne mit sechs bis sieben Millionen Arbeitslosen im kommenden Frühjahr, auf das Niveau wie vor der Krise kommen wir erstmal nicht mehr” ist sich der erfahrene Geschäftsmann sicher.

Von einer Abwrackprämie, wie sie derzeit durch alle Gesellschaftsschichten hindurch diskutiert wird, hält er aber gar nichts. Die brauchen wir nicht, sagt er und verweist auf einen anderen Dorn, der ihm tief im Auge steckt. Anstatt die seiner Auffassung nach, noch nicht wirklich praxistauglichen E-Autos zu pushen, sollte man lieber eine zeitweise die CO2 Abgabe und das 95-Gramm Ziel aussetzen. Damit bezieht sich Martin Zondler auf eine Anfang des Jahres in Kraft getretene EU-Verordnung, nach der Autos nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen, da ansonsten hohe Strafzahlungen drohen. Dies schlägt sich in höheren Neuwagenpreisen nieder, die zusammen mit den Folgen der Corona Krise vielen Autohäusern das Genick brechen dürften ist sich Martin Zondler sicher. “Bei manchen Kollegen ist die Situation wirklich kritisch”, berichtet er und fügt aus eigener Erfahrung der letzten Wochen hinzu: “Da wird gerade richtig viel Geld verbrannt”. Über 150.000 Euro Eigenkapital habe er zwischenzeitlich zuschießen müssen, damit das Autohaus Zondler die Krise übersteht.

Allein schon der höhere Praxis-Aufwand, verursache hohe Extrakosten. Seine Mechaniker müssten alle von Ihnen berührte Teile am Auto desinfizieren und im Anschluss noch das gesamte Wageninnere. Das kostet Zeit, Material, Manpower und dadurch jede Menge Geld, so Martin Zondler. Im Autohaus selbst gilt aktuell die Maskenpflicht, Berater und Verkäufer sind durch Plexiglasscheiben geschützt und mehrere Schilder und Leitspuren sollen die Einhaltung der Abstandsregel erleichtern.

Nicht alle Kunden halten sich an diese Vorgaben, manche ignorieren jede dieser Vorrichtungen und halten so den Betrieb unnötig auf, weiß der Chef nach den Erfahrungen der letzten Tage zu berichten. „Dennoch muss der Kunde ab sofort noch mehr im Fokus stehen, als er ist bisher ohnehin schon bei uns tat.“ Um nur mit einem blauen Auge durch die Krise zu gelangen, müssten jetzt alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. “Ich erwarte das jetzt nicht mehr alle Schlag Feierabend den Hammer fallen lassen, sondern sich richtig reinhängen” stellt Martin Zondler klar. “Guter Kundenservice ist jetzt mehr denn je das A und O, dann schaffen wir es auch da irgendwie durchzuschwimmen”

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Eine Rückkehr zur Normalität nach den Sommerferien, ist noch nicht in Sicht

…Ohne Türme steht es dort, die sind alle beide fort

Nächster Beitrag

5 Gedanken zu „“Da wird gerade richtig, richtig viel Geld verbrannt”“

  1. Muss schmunzeln über das Alphatier. Immerhin hat er ja Hyundai im Haus, die den Kona electric 64 kWh im Programm haben. Und da lässt das Alphatier verlauten „…noch nicht wirklich praxistauglichen E-Autos zu pushen …“
    Ich muss da nicht nur schmunzeln, sondern laut lachen. Der Kona ist das praxistaugliste Fahrzeug was ich seit dem Jahr 2000 fuhr. Dafür lasse ich ausnahmslos alle Verbrenner stehen. Meinen Bericht zu einem Jahr im Kona electric findet man bei Elektroauto-new.net.
    Kleiner Rat: Alphatiere bleiben dies auch, wenn sie bereit sind dazu lernen.

    • Unsere Redaktion fährt einen Ionic, allerdings als Plug-In-Hybrid. Hätten wir keine Wallbox und dazu nur einen puren Stromer, wäre die Praxistauglichkeit tatsächlich für unsere Verhältnisse eher schwierig. Uneinheitliche und recht teure Ladesäulen, dazu eine lange Ladedauer — da muss man schon recht viel planen….

      • Also ich habe nicht nur 1 Jahr Erfahrung auf dem Kona electric, sondern vorher auch 3 Jahre auf einem BMW i3 mit der 18.8 kWh netto Batterie. Ihr müsst ja heftig unterwegs gewesen sein. Ich bin nie auf ein ernsthaftes Problem gestossen. Und klar gehört eine Wallbox dazu. Steckdosen sind für Haushaltsgeräte gedacht. Ich glaube kaum, dass ein BEV oder PHEV als Haushaltsgerät durchgeht.

  2. Und wieder geht es schlussendlich nur ums Geld, ich muss den Kopf schütteln wegen dem letzten Satz. Nun hat man einen neuen Grund um seinen Mitarbeitern zu sagen das man für das gleiche Geld länger arbeiten muss. Ich kann nur jedem raten, lasst euch nicht ausnutzen. Denn wir schon erwähnt sollten wir zusammen halten. Und nicht das die kleinen wieder bestraft werden mit irgendwelchen Methoden

  3. Also ich erkenne hier weder „methoden“, ausnutzung, noch bestrafung.
    wie im text geschrieben, sind/waren die jungs aus der werkstatt so ziemlich die einzigen, die während des lockdowns für umsatz gesorgt haben.
    dass auf deren schultern somit eine recht große last liegt, ok. aber andererseits geht es hier evtl. um den fortbestand des autohauses bzw. sicherung aller arbeitsplätze dort. dafür kann man auch mal länger machen (überstunden werden normalerweise vergütet..).
    viele wären froh, überhaupt einkommen zu haben (gastronomie, hotelgewerbe, tourismus..)!
    was ich jedoch erwartet hätte: arbeitsteilung. die mechaniker schrauben, z.b. die autoverkäufer desinfizieren danach alles. davon war jetzt im interview keine rede, obwohl ja der zusammenhalt gepredigt wurde…

Kommentare sind geschlossen.