Brusl bummelt in den Frühling

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Ein sorgloser Sonntag in Bruchsal

Ein bisschen schlendern, ein bisschen schnabulieren, ein bisschen kramen, dazu wühlen, guggen, quatschen und dabei den Herrgott einen guten Mann oder eine gute Frau sein lassen. Der Bruchsaler Frühling ist eine gänzlich entspannte und zwanglose Angelegenheit – und genau deswegen funktioniert er vermutlich auch so grandios.

Der erste große verkaufsoffene Sonntag samt Innenstadtfest der Händlerinnen und Händler hat einmal mehr Tausende Menschen nach good old Brusl gezogen. Bei wunderbarem Wetter und – na ja – sagen wir: moderaten Temperaturen, haben sich ganze Heerscharen an Menschen aufgemacht, um Bruchsal an diesem besonderen Sonntag zu sehen, zu erleben und zu genießen. Anlass war einmal mehr der Bruchsaler Frühling, die immer wiederkehrende Veranstaltung des Branchenbundes und der ihm angeschlossenen Geschäftstreibenden.

Das Konzept ist und bleibt recht simpel: Von 13 bis 18 Uhr geöffnete Geschäfte, dazu ein bisschen Autoausstellung entlang der Schlossmeile, Specials und Stände vor den Läden – und natürlich reichlich Leckeres hinter die Kiemen. Mit dieser Veranstaltung, die quasi mit dem Brusler Herbst im Spätjahr ihr Gegenstück hat, hat der Branchenbund das Rad nicht gerade neu erfunden. Aber warum sollte er das auch? Never change a running system – und der Bruchsaler Frühling rennt nach wie vor wie eine Eins, wenn das Wetter stimmt.

Es ist diese Mischung aus Herumschlendern, die Zeit vergessen, gucken, sehen und gesehen werden, quatschen… na ja, eben all das, was uns ländlichen Städtern oder städtischen Ländlern Spaß macht. Vieles geht, nix muss.

Sinn der Show ist es, Bruchsal im Gespräch zu halten, lebendig zu halten, den Menschen immer wieder Impulse zu setzen, ihre Stadt und ihre Angebote im Gedächtnis zu behalten – sie als Teil ihres Lebensraums zu verstehen. Es geht nicht darum, an diesem Sonntag den großen Reibach zu machen. Alle Umsätze sind nett, aber vielmehr dient der Bruchsaler Frühling als Marketingmaßnahme für den städtischen Handel selbst.

Was dieser Sonntag konkret abwirft, das lässt sich nicht in Zahlen fassen. Darauf kommt es auch überhaupt nicht an – darauf verweist der Branchenbund immer wieder. Flagge zeigen, die Hand heben, Stellung beziehen – diese Optionen sollen den angeschlossenen Händlerinnen und Händlern gleich bei mehreren Events über das ganze Jahr hinweg ermöglicht werden. Denn anders als ihre Online-Konkurrenz können sie sich nicht jeden Tag digital in den Vordergrund unserer Aufmerksamkeit drängen.

„Wir sind hier, einkaufen in Bruchsal ist nach wie vor eine schöne Sache“ – das sind die zwei Kernbotschaften und tatsächlich auch immer noch Alleinstellungsmerkmale. Denn können Sie, wenn Sie beispielsweise bei Amazon shoppen gehen, das Ganze mit einem Spaziergang durch die Altstadt kombinieren? Sich irgendwo hinsetzen, einen Kaffee trinken, ein Zigarettchen rauchen, Freunde treffen und den Blick schweifen lassen? Die Antwort kennen wir alle.

Nicht nur die Händlerinnen und Händler des Branchenbundes geben an diesem Sonntag kollektiv Gas – auch das bunte Rahmenprogramm trägt seinen Teil dazu bei. Auf dem Marktplatz und verteilt über die ganze Innenstadt zeigen auch diverse Organisationen und Vereine, wie sehr sie Angebot und Identität der Stadt mit nach vorne bringen wollen.

Die Cheerleader der Rebellas demonstrieren ihr ausgelassenes und schönes Können, die DLRG gibt Einblicke in ihr lebenswichtiges Schaffen, der Bruchsaler Musiker Laurin Siegmund spielt für den guten Zweck, auf der Bühne der Tanzschule Wipper gibt’s die passenden Moves für den Frühling, am Kübelmarkt vergnügen sich die Kids in riesigen, aufblasbaren Hüpfburgen – und vor der HLA diffundiert die Menge wie zähe Bonbonmasse durch die Stände des äußerst beliebten Bruchsaler Flohmarktes.

Und auch wenn die Temperaturen vielleicht nicht ganz so schön und frühlingshaft waren wie noch am Tag zuvor, störte das am Ende doch niemanden. Die Tische der Außengastronomie – alle bis auf den letzten Platz belegt. Dann zieht man eben beim Pizzaessen eine dicke Jacke an. Was soll’s?

Was man dafür bekommt? Na ja, neben guter Pizza den Ausblick auf das, was Brusl ausmacht:
„Ah gugg, kennsch den do noch?“,
„Ja, grüß dich Angelika, unn wie?“,
oder: „Weisch was, nachher geh ma mo do niwwa, des interessiert mich noch…“

‚N scheene Frihling, Brusl!

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