Bruchsal und sein fremdes Schloss

Bruchsal und sein fremdes Schloss. Alte Aufnahme von 1946 / Bild: Redaktion

Wie das Schloss zur Stadt gehört und doch wieder auch nicht

Eine Meinung von Philipp Martin

Die Gefühle die ich als Bruchsaler für mein Schloss habe, könnten ambivalenter nicht sein. Es ist das Wahrzeichen meiner Stadt, hat die Jahrhunderte überdauert und macht mit seiner Eleganz und seiner Erhabenheit stolz. Dennoch ist das Schloss in meinem Herzen nie ein wirklicher Teil des lebendigen und alltäglichen Bruchsals geworden. Es ist wunderschön anzusehen, jedoch kann ich kaum etwas damit anfangen. Es erinnert mich immer an eine wunderschöne, mit Zuckerguss-Figürchen verzierte Torte die man bestaunt, aber nie auf die Idee käme sie anzuschneiden und zu essen.

Es liegt vielleicht auch daran dass das Schloss etwas abseits vom Zentrum liegt und nicht wirklich an selbiges angebunden ist. Dazwischen liegen zweckmäßige Einrichtungen wie das Finanzamt oder eine Schule, welche wie Isolatoren von der belebten Bruchsaler Innenstadt wirken. Man stelle sich vor die Friedrichstraße und die Schönbornstraße würden zu Fußgängerzonen, das Finanzamt bekäme irgendwo am Rande Bruchsals eine neue Bleibe und Straßencafés und kleine Geschäfte würden den Brückenschlag von Schloss bis zur Innenstadt bewerkstelligen. Wäre das nicht schön?

So aber, wirkt das Schloss unnahbar und fern. Für mich als Bruchsaler gibt es selten einen Grund es aufzusuchen. Klar, ein Spaziergang durch den Schlossgarten ist eine feine Angelegenheit, aber ansonsten will mir einfach kein guter Grund für einen regelmäßigen Besuch einfallen. Wie oft kann man in einem Leben schon das Musikautomaten-Museum oder die Dauerausstellungen zur Geschichte des Schlosses besuchen?

Bruchsal und sein fremdes Schloss / Bild: Redaktion

Auch das Programm und die Veranstaltungen des unter der Verwaltung der “Staatlichen Schlösser und Gärten” stehenden Komplexes, sind mir als Normalbürger zu abgehoben und zu elitär. Die aktuelle Ausstellung im Schloss trägt beispielsweise den Titel: “Die Kunst des Serviettenbrechens”. Auch Cembalo-Konzerte oder Vorträge über barocke Tafelfreuden sind nicht gerade jene Themen die mich regelmäßig anziehen. Klar, im Sommer gibt es auch durchaus massentaugliche Veranstaltungen wie beispielsweise der Auftritt von Amy Mac Donald oder Dieter Thomas Kuhn, doch diese Art von Event hat eher Seltenheitswert und mögliche Lärmemissionen haben zudem bereits zu erheblichen Zweifeln an künftigen Open Airs im Schlossgarten geführt.

Ich würde mir wünschen unser Schloss wäre besser in unseren Bruchsaler Alltag und in unsere Lebenswirklichkeit integriert. Weniger Schickimicki und Etepetete, mehr Angebote für alle. Stellt im Sommer Liegestühle auf, verkauft Cocktails im Torbogen, bietet Wasserspiele für die Kinder an…. veranstaltet schöne Konzerte in allen Geschmacksrichtungen, stellt Open Air Kinos auf die Beine, ersetzt das altbackene Museum durch eine gemütliche Mediathek / Bibliothek und holt endlich den städtischen Weihnachtsmarkt dorthin wo er hingehört – in den Schlosshof.

Macht aus einem sterilen Exponat ein lebendiges Zentrum für alle Bruchsaler – ich bin sicher, die einsamen, altehrwürdigen Mauern würde das sehr freuen.

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