Bei Risiken und Nebenwirkungen…

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Wer sich über die Risiken von AstraZeneca aufregt, sollte am besten überhaupt keine Medikamente mehr nehmen

Eine persönliche, gänzlich medizinisch-laienhafte Meinung von Philipp Martin

Wenn die mitunter hysterisch anmutenden Reaktionen auf die verschiedenen Begleiterscheinungen im Kielwasser der Corona-Pandemie irgendetwas bewiesen haben, dann, dass Menschen mit Wahrscheinlichkeiten, kausalen Zusammenhängen, exponentiellen Funktionen und anderen mathematischen Begrifflichkeiten, nicht allzu viel anzufangen wissen. Das kann man ihnen auch gar nicht wirklich zur Last legen, denn die Diskrepanz zwischen Gefühlslage und Faktenlage ist traditionell eher groß. Trotzdem schadet es nicht sich immer wieder bewusst zu machen, dass die eigene Wahrnehmung und die nüchterne Wirklichkeit gelegentlich nicht viele Schnittmengen aufweisen. Subjektivität vs Objektivität – der gute alte Kampf wird eben nie langweilig. Schlussfolgerungen wie “In meiner Bekanntschaft gibt es keinen einzigen Corona-Fall – ergo ist Corona auch kein Problem” fühlen sich zwar subjektiv richtig an, sind aber objektiver Mumpitz. Wie schwer es beispielsweise ist, eine exponentielle Funktion zu verinnerlichen, zeigt doch ein Blick auf den uralten Klassiker mit den Reiskörnern und dem Schachbrett. Lassen wir hier bei kurz die Legende drumherum beiseite und stellen einfach die folgende Frage: Ein normales Schachbrett hat 64 Felder. Angenommen sie legen auf das erste Feld ein Reiskorn, auf das zweite Feld zwei Reiskörner, auf das dritte Feld vier Reiskörner, auf das vierte Feld acht Reiskörner und immer so weiter…also immer die doppelte Menge an Reiskörnern auf das folgende Feld…. Was glauben Sie, wie viele Reiskörner am Ende auf diesem Schachbrett landen? Seien Sie ganz ehrlich! Da schwebt uns doch maximal eine Zahl von ein paar tausend Reiskörnern im Kopf herum, oder etwas nicht?! Nun, nicht ganz. Nach dieser Rechnung lägen auf dem Schachbrett am Ende schlappe 18 Trillionen, 446 Billiarden, 744 Billionen, 39 Milliarden, 484 Millionen, 29 Tausend, 952 Reiskörner…. Wenn Ihnen das unrealistisch vorkommt, keine Sorge, das geht uns allen so. Es ist aber blanke, nackte Mathematik – frei von jeder Emotion und nur an Fakten orientiert. Gott, ich hasse Mathematik… sie mich aber nicht, denn das kann sie gar nicht…no emotions, facts only, baby.

Ähnlich irrational führen viele Menschen sich gerade auf, wenn es um die Beurteilung der Gefahr durch eine Impfung mit AstraZeneca geht. Sieben Menschen haben sich in Deutschland im Nachgang zur Impfung eine Hirnvenenthrombose zugezogen. Sieben von 1,6 Millionen. Keine Frage, das ist eine ernstzunehmende und sehr schwere Komplikationen, die problemlos zum Tod führen kann. Und genau weil dies so schwer wiegt, springen in uns automatisch Alarmglocken an und unser Gehirn verknüpft den Impfstoff mit dem Schlagwort Tod. Wir kategorisieren die Gefahr in der Folge derart hoch, dass uns kaum eine andere Wahl bleibt, als den Impfstoff abzulehnen. Ängste, Bauchgefühl und Intuition sind allerdings keine guten Ratgeber, wenn es um die nüchterne Beurteilung von Wahrscheinlichkeiten und darüber hinaus einer adäquaten Kosten-Nutzen-Abwägung geht. Schließlich muss man sich bewusst machen, dass besagte Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem schweren Verlauf mit covid-19, einschließlich der Möglichkeit einer Hirnvenenthrombose als Komplikation, schützen kann. Das Risiko einen schweren Verlauf mit covid-19 zu erleben ist also ohne die Impfung um Welten größer, als eine Hirnthrombose nach der Gabe von AstraZeneca zu erleiden, darauf machen gerade unzählige Wissenschaftler mit Nachdruck aufmerksam. Leider verhallen ihre Rufe bei manchen im Getöse der eigenen Sorgen… doch jedem das Seine, jeder muss diese Entscheidung selbst für sich treffen. Niemand kann Ihnen diese Abwägung am Ende ersparen, doch wenn Sie eine Wahl treffen, treffen Sie sie bitte aus den richtigen Gründen.

Kommen wir noch einmal kurz zurück auf unser subjektives Empfinden. Wenn wir aufgrund der jüngsten Komplikationen eine Gabe von AstraZeneca ablehnen, müssten wir konsequenterweise auch so ziemlich alle Medikamente aus unserer Hausapotheke werfen. Das reicht von der oft zitierten Antibabypille und ihrem x-fach – im Vergleich zu AstraZeneca erhöhten Thromboserisiko, bis hin zu Klassikern wie Ibuprofen oder den Medikamenten gegen Übelkeit, die das gute alte Dimenhydrinat enthalten. Wer sich z.b. den Beipackzettel von Ibuprofen vornimmt, der liest ermutigende Abschnitte wie: “……. Bei älteren Patienten treten häufiger Nebenwirkungen nach Anwendung von NSAR (nichtsteroidales Antirheumatikum /Anmerkung der Redaktion) auf, insbesondere Blutungen und Durchbrüche im Magen-Darm-Trakt, die tödlich verlaufen können…” oder aber auch “…Blutungen, Geschwüre oder Perforationen im Magen-Darm-Trakt, auch mit tödlichem Ausgang, wurden während der Behandlung mit allen NSAR berichtet….”. Was meinen Sie, das klingt doch unterm Strich ziemlich uncool? Als wäre das nicht genug, steht dann da auch noch “….entzündungshemmende Mittel/Schmerzmittel wie Ibuprofen können mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzanfall oder Schlaganfall einhergehen….” Im Falle von Dimenhydrinat sind Leberfunktionsstörungen und Blutzellschäden bei den möglichen Nebenwirkungen aufgeführt, auch das will man nicht zwangsläufig mitnehmen, oder?

Obwohl diese Nebenwirkungen sich für jedermann einsehbar in den Packungsbeilagen dieser Medikamente befinden, werden sie jeden Tag in unzähligen Haushalten landauf und landab eingenommen. Nicht nur einmal, wie im Falle von AstraZeneca, sondern andauernd und wiederkehrend, ohne größere Sorgen darum?! Dabei schützen diese Medikamente noch nicht einmal vor den richtig fiesen Erkrankungen…. Fragen Sie sich doch einfach selbst, ob man gegenüber einem Impfstoff, der ihnen im Zweifelsfall im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch retten kann, hier nicht eine ähnliche Flexibilität an den Tag legen sollte. Just saying…

Eine Meinung von Philipp Martin

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7 Gedanken zu „Bei Risiken und Nebenwirkungen…“

  1. Just saying: Es gibt tatsächlich Menschen, die keinerlei Medikamente zu sich nehmen und auch keine genveränderten Lebensmittel zu sich nehmen. Diese möchten natürlich auch keinen genbasierten Impfstoff verpasst bekommen und schon gar nicht unter Zwang.

  2. Interessant, wie bei Impfkomplikationen die Nutzen-Risikobetrachtung hervorgeholt wird. Damit könnte man aber auch jeden Lockdown wegdiskutieren….
    Wie war das? In der ersten Märzwoche fehlen uns gegenüber den Vorjahren 14% Tote…..

  3. Tja, für mich stellt sich die Frage warum ich mich ggf. mit einem Risiko von Tod oder anderen „Nebenwirkungen“ belasten soll, wenn ein anderer Impfstoff diese Nebenwirkungen nicht hat. Wenn der dazu auch noch wirksamer & besser verträglich ist, als auch deutlich weniger Impfreaktionen hervorruft.
    Ach und dann gibt es ja auch noch Menschen die sich nicht mit allen möglichen Tabletten vollfressen, wie uns der Artikel glauben machen will – und die nicht den Nebenwirkungen ausgesetzt sind.
    Man kann durchaus kritisch hinterfragen ob dieser Impfstoff die erste Wahl ist – für mich sicher nicht. Wenn ich die Wahl habe werde ich mich gegen diesen Impfstoff entscheiden.
    Warum ? Weil mir die ganze Angelegenheit suspekt ist: da sind hat ein paar Leute gestorben, dann ändern wir hurtig die Packungsbeilage und machen munter weiter.
    Aber halt bitte ohne mich…

  4. Die Krankenschwester in Belgien und die in Österreich hatten ganz einfach nur Pech nach der Impfung mit AstraZenica. Ich habe hohen Blutdruck und mein Hausarzt verordnete mir Tabletten, weil er der Ansicht ist nur das ist hilfreich. Ich habe beim NDR die Serie NährungsDocs entdeckt, die sagen viele Krankheiten lassen sich mit einer veränderten Ernährungsweise kurieren. Blöd ist nur, dass dabei die Pharmaindustrie leer ausgeht. Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich und NICHT der Onkel im weißen Kittelchen. Und es gibt so viel Informationsmöglichkeiten, die man nutzen kann. @ ST d‘ accord Moniseur

  5. Ich bin auf jeden Fall dabei, auch mit Astrazeneca.
    Das Risiko
    (Schaden x Eintrittswahrscheinlichkeit) ist kleiner als Philipp Martin angibt (7 von 1,6 Mio).
    18 Fälle bei 20 Millionen verabreichten Impfdosen im europäischen Wirtschaftsraum.
    Mit Hausfrauenmathematik und überschlägig
    ergäbe sich daraus eine Wahrscheinlichkeit für „Core Damage Frequency“ („Kernschmelze“) von
    100/20x 10^6 x 18 = 0,00009 %
    0,00009 x K = 1, K = 1/0,00009 = 11.111
    11.111 Impfungen müßte ich mir einrammen bis was passiert.
    0,3 mm x 11.111 = 3.333 mm / 3,3 m Kartenstapel
    Bei einem Kartenstapel von 3,3m Höhe ist eine (1) von 11.111 Karten markiert,
    diese müßte ich ziehen …
    Auch die Wirksamkeit von Astraceneca scheint gut zu sein.
    https://www.tagesspiegel.de/wissen/astrazeneca-und-biontech-wie-gut-die-impfstoffe-wirklich-schuetzen/27014206.html
    Dass Philipp Martin Mathematik hasst, wie er behauptet, glaube ich nicht.
    Sonst hätte er nicht ein solch gutes statement ….
    Nicht auszudenken wenn Gerstner ….

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