Bambis leiser Tod

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Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze einen qualvollen und völlig unnötigen Tod im tödlichen Wirbel der Mähmesser

Es sind Geschichten wie diese, die einem das Messer in der Tasche aufgehen lassen. Mehrere Männer stehen aktuell in Weinheim vor Gericht, weil sie trotz expliziter Warnungen von Wildtierschützern ein Wiesengrundstück bei Laudenbach im Rhein-Neckar-Kreis abgemäht, dabei mehrere Rehkitze schwer verletzt und diese anschließend am Feldrand erschlagen haben sollen. Im Vorfeld wurden sie von den Tierschützern darauf hingewiesen, dass mehrere Kitze im hohen Gras Zuflucht suchen, sogar deren Angebot, die Wiese im Vorfeld abzusuchen, schlugen die Männer aus.

Wie kaltblütig Menschen agieren können, zeigt dieses Beispiel besonders eindrücklich, doch selbst wenn Kaltblütigkeit nicht immer das Problem ist, ist es in vielen Fällen folgenschwere Gedankenlosigkeit. Die Deutsche Wildtier Stiftung schätzt, dass Jahr für Jahr rund 100.000 Rehkitze den Tod durch Mähdrescher und Mähmaschinen finden. Wer glaubt, das wären Ausnahmefälle und das eigene Grundstück wäre davon doch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht betroffen, der dürfte einem Irrtum aufsitzen. Die Stiftung geht davon aus, dass pro Quadratkilometer Grünfläche etwa 12 Rehkitze im hohen Gras versteckt liegen.

Das Problem: Bei drohender Gefahr ducken sich die jungen Tiere auf dem Boden, kauern sich zusammen, anstatt die Flucht zu ergreifen. Wie grausam der Tod durch die schnell rotierenden Messer sein muss, möchte man sich dabei nicht mal in seinen Albträumen ausmalen. Die Kitze sind übrigens nicht die einzigen Tiere, die Schutz im hohen Gras des Naturraums Wiese suchen, auch bei den Vögeln gibt es viele Bodenbrüter, deren Nachwuchs gnadenlos beim Mähen geschreddert wird.

Zu verhindern wäre das mit einer zeitlich verzögerten Mahd, doch für Landwirte ist das keine aufgehende Rechnung, denn das Heu einer Sommerwiese ist nicht ansatzweise so ertragreich wie das des späten Frühjahrs. Es hilft also nur eines, eine Maßnahme die verantwortungsvolle Landwirte und Grundstückseigner ganz selbstverständlich ergreifen: Vor der Mahd das entsprechende Land akribisch absuchen. Das ist mit technischen Hilfsmitteln wie mit einer Wärmebild-Drohne möglich, die mehrere Feuerwehren oder auch Jagdverbände bereits in ihrem Repertoire haben, oder ganz klassisch mit einer Menschenkette. Dafür braucht es einfach ein paar Freunde und Verwandte, die Hand in Hand die Wiese abgehen und dabei auf eventuell versteckte Kitze stoßen.

Wem das als zu viel Arbeit oder Aufwand erscheint, der möge sich einfach von einem Landtierarzt berichten lassen, wie grausam die jungen Rehe von den mächtigen Messern der schweren Maschinen zugerichtet werden. Auch die Tierärztin Anne Teutschbein aus Ubstadt kann hiervon ein trauriges Lied singen. Erst kürzlich wurde ihre gute Bekannte Zeuge einer Szene, die man kaum wieder aus dem Kopf bekommt. Da stand eine Ricke regungslos auf einem abgemähten Feld und stupste mit der Nase ihr Kitz an, versuchte es zu animieren aufzustehen. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus dass das Kitz bereits tot war, die Mähmesser hatten dem Kleinen die Beine abgetrennt. Das sind keine akzeptablen Kollateralschäden, das ist menschliches Totalversagen. „…wo bitte ist das Problem 1-2 Tage vorher durch die Wiese zu gehen und ein bisschen Lärm zu machen, damit die Rehmamas ihre Kleinen Schnullernasen aus der Wiese wegführen können?“ fragt sich Anne Teutschbein in ihrem viel beachteten Post via Facebook zurecht. „klar, kann selbst auf diese Art und Weise ein Kitz übersehen werden, aber dann hat man es zumindest versucht, hat etwas unternommen.“

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4 Gedanken zu „Bambis leiser Tod“

  1. Unvorstellbar solch eine Herzenskälte!
    Harte Strafen wären angesagt.Nur dann würde sich etwas ändern.

  2. Es ist wirklich sehr traurig die armen Reh kitze. Ich finde auch das so eine Sache hart bestraft werden muss.
    Ich hoffe ihr teilt meine Meinung.
    Ich hoffe das nicht nochmal so etwas passiert

  3. Vielerorts werden erfolgreich Drohnen eingesetzt und weil das keine 100%ige Methode ist, im Anschluss Pfeifen eingesetzt, die den Kitzruf imitieren und das Muttertier zum Ablageort locken. So weiss man, wo noch ein Kitz liegt. Soweit ich weiß kann man die Wiese auch am Vortag mit Absperrband absperren und durch die Veränderung holt die Ricke ihr Kitz und legt es woanders ab. Für mich gehört die Kitzrettung zwingend vorgeschrieben. In der heutigen Zeit, wo Landwirtschaft Tag und Nacht betrieben wird haben viele Tiere kaum eine Chance. Man denke nur an das Igel sterben. Wer einmal ein angemaehtes Kitz schreien gehört hat, wird das nie wieder vergessen. Mir leider schon passiert, als in der Nähe bei Dunkelheit gemäht wurde. Ausserdem gehören die Maschinen zwingend dementsprechend ausgestattet.

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