Babyblau in der Free-Floating-Zone – Mit Moritz durch Bruchsal

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Symbolbild von Stefan Schweihofer auf Pixabay

20 neue E-Roller rollen durch Bruchsal

Großer Fahrspaß – Große Preise

Nachdem die Region bereits seit Jahren mit den kleinen grün-weißen Elektro-Flitzern “zeozweifrei” auf vier Rädern unterwegs ist, ziehen nun die Stadtwerke Bruchsal mit einem babyblauen Angebot auf zwei Rädern nach. Mit “Moritz”, einem E-Roller in angesagter Retro-Optik stellen die Stadtwerke den Bruchsalern gleich eine Flotte von 20 Rollern zur Verfügung, mit denen diese zunächst lautlos durchs Stadtgebiet und später auch durch die Stadtteile surren können. Am gestrigen Mittwoch erfolgte nun der Startschuss für das neue Mobilitätskonzept. Wir haben uns die Details des Angebotes näher angesehen und wollen Ihnen hiermit einen Überblick vermitteln.

Fahrgefühl

In unserer Redaktion haben wir bereits seit 2017 einen Elektroroller im Einsatz und können ganz klar und ohne Zweifel bestätigen: Das Fahren damit macht einfach enormen Spaß. Der Roller fährt sehr zügig an und erreicht schneller als seine Kollegen mit Verbrennungsmotor seine maximale Geschwindigkeit von gedeckelten 45 km pro Stunde. Das einzigartige man flitzt absolut lautlos durch die Landschaft der Elektromotor gibt überhaupt kein Geräusch von sich. Das kann manchmal für Fußgänger irritierend sein, da diese nicht merken wenn sich ein Elektroroller von hinten nähert. Ein paar freundlich zugerufene Hinweise können hier für Abhilfe schaffen. Das Knattern des kultigen Zweitakters fehlt uns aber manchmal schon.

Ausleihen

Jeder hippe “hot shit” seit Jahren braucht selbstverständlich eine eigene Smartphone-App für die beiden gängigen Betriebssysteme Android und iOS. Das auch Moritz hip, trendy und cool sein möchte, merkt man gleich am smoothen Marketing-Sprech auf der Website. Von “it‘z mor‘ fun!” bis zur “Free Floating-Zone” ist alles aus der Phrasen-Kiste an Bord. Die App ist alles was man für den Ausleih-Vorgang benötigt. Zuerst scannt man damit den eigenen Führerschein für die Registrierung ab, bestätigt die Grundgebühr in Höhe von 19,90 € pro Jahr und schon kann es losgehen. Entweder hat man seinen eigenen Helm dabei oder entnimmt den Moritz Helm aus dem entsprechenden Fach im Roller. Damit man nicht die Läuse seines Vorgängers auf der eigenen Kopfhaut verteilen muss, gibt es entsprechende Hygienehauben zum dazwischenstülpen.

Kosten

Die Kosten für den Spaß sind unserer Meinung nach die Achillesferse des babyblauen Moritz – das Angebot ist ziemlich teuer. Zwar bekommt jeder neue Nutzer 30 Freiminuten gut geschrieben, danach wird aber jede einzelne Minute mit 23 Cent abgerechnet, jede Minute in denen ihr den Roller parkt und abstellt, schlägt mit elf Cent zu Buche. Die Gebühren die an einem Tag im Höchstfall anfallen können, belaufen sich auf knapp 35 € – eine Art Kostenairbag. Die Preise in Bruchsal liegen damit ein ganzes Stück über den Konkurrenzangeboten in anderen Städten. Der Berliner Anbieter “emmy” berechnet beispielsweise pro Minute nur 19 Cent für Fahrzeiten und 5 Cent für Parkzeiten, Die Stadtwerke Stuttgart rufen für Ihr Angebot “Stella” bedarfsweise 19 Cent pro Minute oder 59 Cent pro angefangenem Kilometer auf. Der preisliche Deckel greift bei beiden Anbietern aber schon ab 24 € – gute zehn Euro weniger als in Bruchsal. Um das ganze etwas plastischer zu machen, hier ein Beispiel: Will ich mir in der Bahnstadt einen Roller ausleihen um damit ein paar Erledigungen in der Innenstadt zu machen, so könnte folgende Rechnung anfallen: Sagen wir die Fahrzeit käme auf 25 Minuten und die Parkzeit auf etwa 35 Minuten. Die Fahr-Minuten kämen also auf 5,75 € und die Park-Minuten auf 3,85 €. Für eine Stunde Elektroroller-Nutzungen in Bruchsal wären demnach knapp 10 € fällig. Zum Vergleich: Die entsprechende Hin und Rückfahrt mit dem Bus läge bei etwa 4,20 € . Klipp und klar aber muss man sagen, mit Moritz durch die Stadt zu düsen ist ein völlig anderes Gefühl als in einem stinknormalen Linienbus zu sitzen.

Was gibt’s sonst noch zu beachten?

Die Bruchsaler Innenstadt gilt für das Moritz-System als sogenannte Servicezone. Die recht engen Grenzen dieser Servicezone könnt ihr euch auf der interaktiven Karte auf der Website von Moritz anschauen. Nur innerhalb dieses Gebietes ist das Ausleihen und die Rückgabe der Roller möglich.

Wer mit leerem Akku außerhalb der Servicezone liegen bleibt, kann das Moritz-Team telefonisch erreichen. Diese holen den Roller dann entweder ab oder bringen einen vollen Akku vorbei. Achtung: Diese Serviceleistungen wird mit 50 € berechnet.

Die Versicherung ist im Fahrpreis enthalten, allerdings fällt eine nicht ganz unerhebliche Selbstbeteiligung von maximal 500 € im Schadensfall an, immer vorausgesetzt der Schaden wurde nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht.

Fazit

Fahren mit einem Elektroroller macht wirklich Laune und sollte von jedem einmal ausprobiert werden. Das Bruchsal als vergleichsweise kleine Stadt ein solches System von Mietrollern auf die Beine gestellt hat, ist alles andere als selbstverständlich. Bisher finden sich solche Angebote nur in weit größeren Städten. Problematisch könnte für eine breite Akzeptanz bei der begehrten jungen Zielgruppe allerdings das Preismodell werden. Mit Moritz unterwegs zu sein, ist vergleichsweise teuer. Wenn man zudem bedenkt wie klein die Bruchsaler Innenstadt ist und dass man kostenfrei problemlos zu Fuß von A nach B kommt, wagen wir derzeit keine Prognose über den “take off” von Moritz anzustellen. Ein Versuch empfehlen wir in jedem Fall, wenngleich auch bereits ab der ersten Fahrt die komplette Jahresgebühr mit knapp 20 € berechnet wird.

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