Auf Kufen durch die Disco

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Glücksgefühle auf zwei Kufen – Seit 45 Jahren gibt es die legendäre Eishalle in Wiesloch

Als ich mich dem riesigen Gebäude am Rande von Wiesloch nähere, eingebettet in ein Stadtviertel voller Schulen und Sporthallen, fällt mir auf, dass ich das letzte Mal tatsächlich vor über 20 Jahren auf Schlittschuhen stand. Besser ist das, denn das Gleichgewicht und ich sind nicht gerade die besten Freunde. Damals sind wir von Karlsruhe aus immer nach Waldbronn in den Eistreff gefahren, den es hier schon seit 1980 gibt. Die Eishalle in Wiesloch ist nicht sehr viel jünger, eröffnet wurde sie vor ziemlich genau 45 Jahren, anno 1981. Geplant war sie als multifunktionale Halle, die keineswegs nur dem Eislaufen dienen sollte, sondern auch diversen anderen Anlässen, zum Beispiel Festen und Feiern. Bis dahin hatte man sich dabei in Wiesloch mit einem großen Festzelt begnügen müssen, doch statt dem ewigen Auf- und Abbau war es einfach irgendwann Zeit für eine richtige, echte Halle.

Nun ja, Veranstaltungshallen gibt es viele in der Region, aber kaum eine, in der man auch Eis laufen kann. Das macht Wiesloch einzigartig in der Region, 1981 wie 2026. Und so schlägt mir bei meinem Besuch am Sonntagabend das blanke Leben entgegen. Der ganze Umkleideraum ist voller Menschen: Eltern mit ihren Kindern, Teenagercliquen, Pärchen aller Altersklassen und noch viele, viele mehr. Ist hier immer so viel los? Ja, Sonntagabend schon, erzählt mir Ertugrul Akkus vom Team der Eishalle, während er zusammen mit seinen Kollegen im Sekundentakt Schlittschuhe ausgibt oder zurücknimmt. Seit vielen Jahren schon betreiben die Akkus die bald ein halbes Jahrhundert alte Institution in Wiesloch. Geöffnet hat die Eishalle für Schlittschuhfans nur in den kalten Monaten des Jahres – im Sommer wäre der Betrieb unbezahlbar. Kein Wunder: Viel zu viel Energie müsste in die Aufrechterhaltung der Eisfläche investiert werden.

Auch wenn die alte Halle in die Jahre gekommen ist, erfreut sie sich immer noch wirklich großer Beliebtheit. Die Eisfläche an diesem Abend: ein einziger Hexenkessel. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die Discophase, bunte Lichter zucken über das Eis, dazu tanzbare Musik aus großen Boxen. Neben dem omnipräsenten Klang der zischenden Kufen hört man nur fröhliches Gelächter, Stimmengewirr und fröhliches Kreischen, das sich in der riesigen Halle durch das Echo vielfach ausbreitet. Eine tolle Atmosphäre, ohne Wenn und Aber. Wer sich wieder etwas aufwärmen möchte, kann im Bistro etwas trinken oder essen und währenddessen durch die großen Glasscheiben das Treiben auf dem Eis im Blick behalten.

Dass die Eishalle nicht nur für das private Schlittervergnügen genutzt wird, darauf deuten die großen Anzeigetafeln an den Stirnseiten der Eisfläche hin. Mit dem Eishockey Club Wiesloch gibt es in der Stadt noch einen verbleibenden Eissportverein, der hier regelmäßig trainiert und Sportveranstaltungen austrägt. Das Karma der Halle scheint übrigens positiv zu wirken: Laut der Webseite des EHC kann die Mannschaft in diesem Jahr bereits auf ein paar schöne Siege stolz sein.

Wer Lust hat, sich selbst einmal wieder auf das Eis zu wagen, der kann das noch bis zum Ende der Saison im März tun. Die Eintrittspreise sind mit sechs Euro für Kinder und Jugendliche beziehungsweise acht Euro für Erwachsene absolut human.

2 Kommentare zu „Auf Kufen durch die Disco“

  1. Im gleichen Jahr 1981 wurde in Bad Schönborn-Mingolsheim auch eine Schlittschuhbahn eröffnet, wenn auch eine Kunstbahn. Sie trug den Namen Calypso „Skate-​Point“ und hatte quasi Karibik-​Feeling und war angeblich einmalig in Europa. Das war für die Teenager der Treffpunkt zum Kennenlernen schlecht hin. Hatte aber leider keine Chance gegen die „echte“ Eisbahn aus Wiesloch, die ja auch wesentlich größer war. Lange ist her…

  2. Das klingt interessant, wenn Sie mehr wissen, freuen wir uns über weitere Infos. Herzliche Grüße aus der Redaktion

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