Alle meine Entenhäufchen..

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Großreinemachen in Entenhausen – Mammut-Putzaktion im historischen Ententeich im Bruchsaler Schlossgarten

Im Frühjahr winkt der Frühjahrsputz, denn was muss, das muss, auch dort, wo es nicht unbedingt viel Spaß macht. Ganz akribisch kümmern sich die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg darum, Schloss Bruchsal und alles, was dazugehört, in Schuss zu halten. Man kann sich einigermaßen vorstellen, wie aufwendig das sein muss; alleine das Abstauben eines Kronleuchters dauert wahrscheinlich mehrere Stunden. Doch das dürfte, auch wenn man dafür eine wirklich hohe Leiter braucht, noch zu den angenehmeren Jobs gehören. Ganz im Gegensatz zu einer Aufgabe, die jedes Frühjahr ein bisschen Überwindung kosten dürfte – die Großreinigung des historischen Ententeichs im Schlossgarten. Wobei Ententeich eigentlich das falsche Wort ist; ursprünglich war das barock gestaltete Bassin, errichtet Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer stattlichen Wasserfläche von über 540 Quadratmetern, als Schwanenteich angelegt. Klar, die edlen weißen Tiere passten etwas besser zur adligen Noblesse als gewöhnliche Stockenten.

Tatsächlich gab es früher sogar zwei dieser Bauwerke auf beiden Seiten der großen Allee, achsensymmetrisch angelegt. Beide Anlagen hatten eines gemeinsam: Sie waren umrandet mit romantischen Felsenpartien, kleinen Bachläufen und Fontänen. Nur einer dieser Teiche hat es in die Gegenwart geschafft; der andere wurde schon im 18. Jahrhundert aufgegeben und später zugeschüttet. Der südliche Schwanenteich ist eine der schönsten Ecken in Bruchsal. Ein kleiner Bach plätschert über die künstlichen Felsen unter einer geschwungenen Brücke hindurch, rundherum überall farbenprächtige und wilde Pflanzen. Kein Wunder, dass diese Ecke des Schlossgartens noch bis ins späte 20. Jahrhundert hinein fast alle Postkarten aus Bruchsal geziert hat.

Vom Schwanenteich zum Entenrevier

Heute ist aus dem Schwanenteich in Ermangelung an Schwänen faktisch ein Ententeich geworden. In der Mitte des kleinen Sees steht ein kunstvoll gefertigtes Wasservogelhaus, das von vier Seiten mit Laufstegen von den Tieren betreten werden kann. Leider wissen Enten ganz offenkundig nicht die Ästhetik dieses Ortes zu würdigen, sondern folgen dem Ruf der Natur dann, wenn er sie eben ereilt. Etwas weniger blumig ausgedrückt: Sie lassen ihren Mist dort fallen, wo es sich eben gerade ergibt. Da der Teich unter Enten sehr beliebt ist und gut frequentiert wird, kommt über das Jahr eine erkleckliche Menge an Entendreck zusammen. In einem großen natürlichen See ist das kein Problem; in einem vergleichsweise kleinen künstlichen Becken wie dem Schwanenteich kann das Wasser durch die hohe Menge an Stickstoff, der im Kot der Tiere enthalten ist, aber irgendwann kippen. Die Überdüngung fördert ein massives Algenwachstum, was dem Wasser Sauerstoff entzieht.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Anlage regelmäßig akribisch sauber zu halten. Die Schlossverwaltung geht dieser Aufgabe gewissenhaft nach; einmal im Jahr heißt es Großreinemachen, und zwar ohne Kompromisse. Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit – rein in die Gummistiefel und rein in die Grütze. Gleich mehrere Mitarbeitende, nicht nur aus dem Team des Schlossgartens, sondern auch aus der Verwaltung, machten sich daran, den Teich von reichlich Mist zu befreien. Wie viel jedes Jahr zusammenkommt, sieht man erst dann, wenn das Wasser abgelassen wurde. Auf dem Boden liegt dann zentimeterdick eben das, was am Ende von jeder Mahlzeit übrig bleibt. Mit großen Besen und Schiebern wird alles aufgehäuft, um es später mit einem Saugwagen abzutransportieren. Danach muss der Unrat aufwendig als Sondermüll entsorgt werden, nicht aufgrund seiner Zusammensetzung aus Entenmist, sondern weil offenbar zahlreiche Besucherinnen und Besucher über das Jahr Müll, darunter auch (aus welchem Grund auch immer) Batterien, Zigarettenkippen oder sonstigen Unrat, einfach in das Wasser werfen.

Ein sauberes Ende

Durchgeführt wird die Reinigung immer im Frühling, dann, wenn es noch nicht so warm ist, und immer früh am Morgen. Man kann sich leicht vorstellen, wie das Ensemble stinken muss, wenn die pralle Sommersonne die Mischung erwärmen würde. Doch nach einigen Stunden intensiver Arbeit, leider nicht ohne mehrfaches schmerzhaftes Ausrutschen auf dem glatten Grund des Beckens, ist es dann irgendwann geschafft. Der Unrat wird abgesaugt, der Beckenboden mit frischem Wasser gereinigt und schließlich wieder befüllt. Auch wenn das frische Wasser aus dicken Schläuchen fließt, dauert es viele Stunden, die über 216.000 Liter zu füllen, um die heutige Wassertiefe von exakt 40 cm zu erreichen.

Ein Entenpärchen beobachtet die ganze Aktion geduldig vom benachbarten Rasen aus, ganz entschleunigt; offenbar hat man in Entenhausen heute Morgen nix auf der To-do-Liste stehn. Als dann alles fertig ist, erheben sich die beiden und landen kunstvoll, so wie es nur Enten können, im einzigen Schwanenteich. Mondän und weltmännisch (oder weltentisch) drehen die beiden ihre Kreise, als ob sie versuchen würden, an die Eleganz ihrer großen weißen fernen Verwandten anzuknüpfen, um der Ästhetik dieses Ortes gerecht zu werden.

Datenblatt: Südlicher Schwanenteich

Wassertiefe aktuell (Sicherheit)
40 cm
Ehemalige Wassertiefe
55 cm
Gesamttiefe (Beckenrand)
105 cm
Wasserfläche 540,69 m²
Wasservolumen (bei 40cm) 216.276,4 Liter
Länge x Breite 28,30 m × 20,91 m
Max. Kapazität 567,73 m³

Quelle: Schlossverwaltung Bruchsal | Historische Daten: NAF Wassertiefe

2 Kommentare zu „Alle meine Entenhäufchen..“

  1. Hut ab vor denen, die diesen Job machen!
    Ich hab das in Karlsruhe im Schlossgarten auch mal gemacht.
    Mit Gummistiefel in der Entengrütze waren…👍

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