Die Versöhnung mit dem Wasser

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Gondelsheim und seine Saalbach rücken wieder näher aneinander – durch Kunst, Kultur und Kreativität

Schwere Konflikte ziehen in der Folge meist zwei mögliche Wege nach sich, die wahlweise beschritten werden können: mehr Distanz oder mehr Nähe. Ersteres ist aus der Angst geboren, zweiteres aus Vertrauen.

Gondelsheim wählt in der Beziehung zu seinem langen Wasser, seiner Saalbach, den zweiten Weg – und entscheidet sich ganz aktiv für eine Versöhnung mit dem Fluss, der im August vor zwei Jahren zu einem reißenden Strom anschwoll und im Dorf für viel Not und Zerstörung gesorgt hat.

Doch anstatt sich weiter vom Ufer der Saalbach zurückzuziehen, das Wasser durch Begrenzung und Barrieren gleichzeitig in seine Schranken zu weisen, aber auch aus dem Leben der Gondelsheimer zu verbannen, entschied man sich in der Gemeinde für den gegensätzlichen Weg. Die Plätze, die durch die Renaturierung und die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang des Ufers entstanden sind, werden keine neutrale Zone bleiben, sondern ein Ort der Begegnung, ein Ort für Gemeinsamkeit, ein Ort für Gondelsheim.

Es entsteht eine große Fläche, auf der Kultur möglich wird – beispielsweise in Form von Veranstaltungen auf einer kleinen Bühne –, aber auch Fläche für Familien, für Freunde, für das Dorfleben. Über den Masterplan Saalbach in Gondelsheim haben wir schon vor ein paar Wochen geschrieben; nun wird das Konzept um einen weiteren wichtigen Baustein erweitert. Entlang der Saalbach-Promenade ist in den letzten Wochen ein beeindruckender Skulpturenpfad entstanden, der vier verschiedene Schöpfungen von vier regionalen Künstlern zeigt. Kunstwerke und Skulpturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, regen zum Gespräch an, zum Nachdenken und vielleicht auch zur einen oder anderen konstruktiven Kontroverse – aber das geht in Ordnung, findet Bürgermeister Markus Rupp bei der Eröffnung des Pfades am vergangenen Wochenende.

Rupp ließ bei der Feier auch das Plakat der Karlsruher Kunsthalle Revue passieren, auf dem zu lesen steht: „Über Kunst lässt sich streiten.“ Genau das sei gar nicht schlimm, fand der Bürgermeister – im Gegenteil. Wo heftig diskutiert wird, ob am Stammtisch oder anderswo, habe Kunst ihr Ziel schon erreicht: den Diskurs. „Kunst muss nicht alle einer Meinung machen. Aber sie kann Menschen miteinander ins Gespräch bringen.“

Eine gute Idee aus dem Nachbardorf

Wie so oft begann auch dieser Weg mit einer einfachen, aber guten Idee: Im März 2025 kam Rolf Ohnemus aus Karlsdorf-Neuthard auf die Gemeinde zu und schlug einen Skulpturenweg vor. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu – und der Frage nach dem passenden Ort war schnell eine Antwort gegeben. Die Promenade entlang der Saalbach, die im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen neu gestaltet wurde, bot sich geradezu an. Der Weg ist beliebt, gut einsehbar und fügt sich in das Projekt „Erlebbarer Saalbach“ ein, zu dem künftig unter anderem eine Kulturbühne und ein Park kommen sollen.

Für die künstlerische Gestaltung konnte die Gemeinde gleich zwei lokale Größen gewinnen: Rose Vollmer, die bereits mit ihrer Glaskunst an der Rathauseingangstür Akzente gesetzt hat, und Karl Vollmer, dessen Werk den südlichen Kreisverkehr ziert. Ergänzt wird das Trio durch den renommierten Tom Naumann, Fachbereichsleiter bei der MuKS Bruchsal und in der Region wohlbekannt. Gemeinsam mit Initiator Rolf Ohnemus entstand so ein Ensemble, das ganz unterschiedliche künstlerische Handschriften vereint. Die Künstler selbst stellten ihre Werke bei der Feier direkt vor Ort vor.

20.000 Euro – komplett ohne Steuergelder

Besonders stolz war Rupp auf die Finanzierung. Angesichts leerer öffentlicher Kassen war die Marschroute von Beginn an klar: kein Cent aus allgemeinen Steuermitteln. Das Vorhaben ging voll auf – rund 20.000 Euro an Spenden und Sponsorengeldern kamen zusammen. Damit wurden nicht nur die Kunstwerke selbst, sondern auch Fundamente, Aufstellung und Informationstafeln vollständig bezahlt. Als Sponsoren engagierten sich die Sparkasse Kraichgau, die EnBW, die Stadtwerke Bretten, die Firmen Südbau und Sweet & Lucky sowie der Heimat- und Kulturverein.

„Das zeigt, dass es in der Region und in Gondelsheim Unternehmen und Vereine gibt, denen unsere Gemeinde am Herzen liegt“, würdigte Rupp die Unterstützung. Bei der Umsetzung halfen außerdem die Firmen Hiemann und Mohr sowie der gemeindliche Bauhof mit Frau Rossack und Frau Celik.

Die dritte Perle im Ortsbild

Mit dem Skulpturenweg setzt Gondelsheim eine schöne Tradition fort: Vor 25 Jahren machte der Historische Rundgang die Ortsgeschichte erlebbar, 2005 brachte der Planetenweg die Dimensionen des Sonnensystems zwischen Rathaus und Sternwarte anschaulich nahe. Jetzt lädt der Skulpturenweg dazu ein, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Geschichte, Wissenschaft und Kunst – drei Sparten, die eines gemeinsam haben, wie Rupp betonte: Gondelsheim attraktiv zu machen, auch für Gäste aus der Region.

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