Unten am Fluss

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Die diesjährige Landesgartenschau läuft derzeit in Ellwangen und zeigt Euch die Jagst und ihr grünes Umland so, wie ihr sie noch nie gesehen habt

„Gibt ja kaum Blumen hier?“ – der gemurmelte Satz eines älteren Pärchens, das untergehakt über das Gelände der Landesgartenschau in Ellwangen spaziert. Ähnliches ist an diesem Abend immer wieder von Besucherinnen und Besuchern zu hören, die das klassische Bild einer Gartenschau vermissen. Tatsächlich gibt es entlang der Jagst im historischen Ellwangen nicht die gewohnte Fülle an Blüten, Stauden und Ranken zu sehen. Doch das ist kein Fehler im Konzept, sondern genau so gewollt. In Zeiten des rasanten Klimawandels müssen sich auch Gärten neu erfinden. Reine Zierbeete mit bunten Blumeneinfassungen sind weder ökologisch wertvoll noch resilient genug für die Herausforderungen der Zukunft. Dieser modernen Herangehensweise widmet sich auch die Sonderausstellung „Garden Futures – Designing with Nature“. Die Landesgartenschau bricht das traditionelle Ausstellungskonzept ganz bewusst auf und stellt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie wollen wir die Gärten der Zukunft gestalten?

Die Befreiung aus dem Steinkorsett

Das Projekt ist bemerkenswert, da es in dieser Form in Baden-Württemberg kaum Vergleiche gibt. Ellwangen lag zwar schon immer an der Jagst, doch in den letzten Jahrzehnten war der Fluss nie organisch in das Stadtbild integriert. Wer sich an das einstige Brachland rund um die Ufer erinnert, weiß, dass das Verhältnis der Stadt zu ihrem Gewässer rein pragmatisch und funktional war. Aus Angst vor Hochwasser wurde in den 1950er-Jahren massiv in den natürlichen Verlauf eingegriffen. Das Ergebnis war eine begradigte, künstlich eingefasste Rinne – mehr ein technischer Wasserkanal als ein lebendiger Fluss.

Mit der Landesgartenschau ist nun die lang ersehnte Kehrtwende erfolgt. Ellwangen entdeckt seinen Fluss wieder und verliebt sich neu in die Jagst. Dabei musste der Hochwasserschutz keineswegs zurückweichen. Durch die umfassende Renaturierung wurden naturnahe Flächen geschaffen, die dem Wasser bei Bedarf reichlich Raum zum Ausbreiten bieten, ohne die Bevölkerung zu gefährden.

Naturparadies statt Betonwüste

Das offizielle Motto bringt es auf den Punkt: „Ellwangen an die Jagst“. Unter der Federführung Berliner Landschaftsarchitekten wurde der Flussraum in ein naturnahes Erholungsgebiet verwandelt, das die Natur mit dem städtischen Leben verbindet. Das Experiment ist vollends gelungen. Die Jagst schlängelt sich wieder in sanften Bögen durch Ellwangen, bildet kleine sowie große Ausläufer und hat ihre starre Form abgelegt.

Besonders im Ausstellungsbereich Auenpark wird deutlich, welch neue Landschaft hier entstanden ist: Offene Wiesen, Schilfgras und Auenwälder bieten Raum für Freizeit, Spiel und Entspannung. Die Jagst ist dabei überall direkt zugänglich, keine Barriere trennt den Menschen mehr vom Wasser.

Drei Parks für jeden Geschmack

Das insgesamt 26 Hektar große Gelände teilt sich in drei abwechslungsreiche Bereiche auf. Im Brückenpark geht es mit einer modernen Skateanlage und dem neuen Jugendzentrum eher urban und sportlich zu. Wer Lust auf Konzerte, Pavillons und regionale Kulinarik hat, ist im Stadtpark richtig, wo auf der großen Heimatbühne ein buntes Programm geboten wird. Der absolute Höhepunkt für Ruhesuchende ist jedoch der Auenpark. Hier lässt sich die Natur in vollen Zügen genießen, und der 14 Meter hohe Aussichtsturm „Jagstblick“ bietet ein grandioses Panorama über die gesamte neu gestaltete Flusslandschaft.

Ergänzt wird das Angebot durch gemütliche Biergärten, informative Ausstellungsstände und zahlreiche Plätze zum Verweilen und Austauschen. Die kinderfreundliche Gestaltung sorgt zudem dafür, dass Familien voll auf ihre Kosten kommen.

Ein Ausflug, der sich lohnt

Ellwangen mit seiner romantischen Altstadt ist ohnehin immer eine Reise wert. Zu den absoluten Highlights gehören das hoch über der Stadt thronende Residenzschloss, die spätromanische Basilika St. Vitus am Marktplatz und die barocke Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Zusammen mit dem neuen Naturparadies an der Jagst gibt es nun umso mehr Gründe, einen Ausflug einzuplanen.

Die Landesgartenschau hat noch bis Anfang Oktober geöffnet – es bleibt also genügend Zeit für einen Besuch. Ein besonderer Pluspunkt für Familien: Kinder und Jugendliche genießen komplett freien Eintritt.

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