Kälteanlagenbauermeister Dennis Scheeder aus Gondelsheim installiert Klimaanlagen und ist deswegen aktuell einer der gefragtesten Männer im Hügelland.
Das mag nur meine persönliche Beobachtung sein, aber irgendwie haben wir in Deutschland ein seltsames Verhältnis zu Klimaanlagen. Egal, wo ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, kaum einer besitzt ein solches Gerät. Erwähnt man dann, dass man sich selbst eine solche Anlage daheim eingebaut hat, wandert sofort die rechte Augenbraue nach oben. Die guten alten Vorurteile liegen quasi greifbar in der Luft: Stell dich mal nicht so an, das sind doch nur ein paar Tage im Jahr, was für eine Umweltsünde, Stromfresser, unnötiger Luxus – um nur mal die Top Five der Skeptiker zu bemühen.
Seltsamerweise würde man so etwas bei einer Heizung niemals zu hören bekommen. Wenn die Temperaturen in der Wohnung in den einstelligen Bereich gleiten, käme wohl niemand auf die Idee, den moralischen Zeigefinger zu heben, sobald man die Gastherme anschmeißt. Dabei könnte man all das, was man einer Klimaanlage vorwirft, im Grunde genauso gut einer Heizung vorhalten. Luxus, schließlich tut es auch eine warme Decke, Energiefresser, Umweltsünde.

Ganz rational betrachtet gibt es hier aber gar keine so großen Unterschiede. In beiden Fällen geht es schlicht und einfach darum, in den eigenen Räumen den Temperaturbereich zu erhalten, in dem wir Menschen optimal funktionieren und der uns nicht auf die Gesundheit schlägt.
Wenn die Hitze zum Stressfaktor wird
Dass extreme Kälte gefährlich ist, ist uns allen bewusst. Doch genauso wie Kälte kann uns auch Hitze massiv zusetzen – und das weitaus früher, als viele vermuten. Sobald die Umgebungstemperatur die Marke von 30 Grad erreicht, gerät unser Organismus unter messbaren Hitzestress. Denken Sie dabei einfach an das gute alte Fieberthermometer, das ab 37 Grad aufwärts Alarm schlägt. Das ist kein willkürlich gezogener Wert, sondern unsere normale Kernkörpertemperatur. Alles, was darüber hinausgeht, wird für den Organismus problematisch. Um diese Kerntemperatur stabil zu halten, muss das Herz-Kreislauf-System Schwerstarbeit leisten. Die Blutgefäße der Haut weiten sich, und die Herzfrequenz steigt deutlich an, um Wärme nach außen abzuführen.
Klettert das Thermometer weiter nach oben, wird es für den Körper zunehmend kritisch. Die absolute biologische Grenze der Thermoregulation hängt dabei eng mit der sogenannten Kühlgrenztemperatur zusammen. Diese beschreibt die tiefste Temperatur, die sich durch Verdunstungskühlung, also das Schwitzen, erreichen lässt.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass selbst ein gesunder, junger Körper bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent bereits ab einer Umgebungstemperatur von circa 31 Grad seine Wärme nicht mehr rein durch Schwitzen regulieren kann. Bei trockenerer Luft liegt diese kritische Grenze zwar höher, doch spätestens ab einer Umgebungstemperatur von 35 bis 36 Grad und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit stößt die physikalische Selbstregulation über das Verdunsten von Schweiß an ihre absolute Grenze. Alles, was darüber hinausgeht, gefährdet unsere Gesundheit ernsthaft. Wie ernst die Lage ist, davon zeugen die mehr als 5.000 Todesfälle, die wir im Juni dieses Jahres allein in Deutschland zu verzeichnen hatten.
Das Dachgeschoss als Backofen
In diese Rechnung spielen viele Faktoren hinein. Ältere Menschen sind natürlich gefährdeter als jüngere, und auch unser direktes Wohnumfeld tut sein Übriges. Bei mir zu Hause erreichen die Temperaturen durchaus Werte von 28 bis 30 Grad, wenn es draußen entsprechend heiß wird – weshalb ich bei uns im Haus eine Klimaanlage installieren ließ. Mein größtes Mitgefühl gilt jedoch jenen Menschen, die das beispielsweise aufgrund von Restriktionen durch ihre Vermieter oder wegen anderer baulicher Faktoren nicht tun können. In einer ungedämmten Dachgeschosswohnung, am besten noch im Altbau, schießen die Temperaturen im Sommer problemlos bis weit über 35 Grad. Abkühlung in der Nacht ist nach der massiven Aufheizung des Dachstuhls kaum zu erwarten. Eine solche Wohnung wird schnell zu einem echten Backofen.
Man sollte sich dem Thema Klimaanlage daher auf gesellschaftlicher Ebene vielleicht etwas unvoreingenommener öffnen, denn diese Geräte haben angesichts des Klimawandels durchaus ihre Daseinsberechtigung. Nach jeder extremen Hitzewelle sickert das ein Stück mehr in unser Bewusstsein. Das merkt man nicht zuletzt an der aktuellen Auftragslage der örtlichen Kältebauer im Kraichgau. Mehrere Unternehmen haben wir testweise telefonisch angefragt. In den meisten Fällen sind die Auftragsbücher so voll, dass mit einer Installation frühestens im Spätherbst oder sogar im Winter zu rechnen ist. Für die laufende Saison gibt es schlichtweg keine freien Kapazitäten mehr.
Auch Kälteanlagenbauermeister Dennis Scheeder aus Gondelsheim kann sich derzeit über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen. Er arbeitet für die REsys Heizungstechnik GmbH, deren Telefone seit Wochen heißlaufen. Kein Wunder: Wer wochenlang bei tropischen Temperaturen im eigenen Saft schmoren musste, der will das ungern ein weiteres Mal erleben. Doch Klimaanlage ist nicht gleich Klimaanlage. Hier macht es Sinn, sich im Vorfeld gründlich beim Profi beraten zu lassen, denn der wichtigste Unterschied liegt bereits bei der Gerätekategorie selbst.
Monobloc contra Split-Gerät
Sogenannte Monobloc-Klimaanlagen, also mobile Geräte, die ohne feste Installation betrieben werden und die warme Luft über einen dicken Schlauch aus dem Fenster blasen, sind zwar günstig in der Anschaffung, im Betrieb aber extrem ineffizient und zudem tierisch laut. Dennis rät von diesen Modellen eher ab und nennt sie augenzwinkernd eine reine Energievernichtungsmaschine. Wo immer es baulich möglich ist, sollte lieber auf ein modernes Split-Gerät gesetzt werden.

Der wesentliche Unterschied liegt in der physikalischen Aufteilung der Komponenten. Während das Monobloc-Gerät den gesamten Kältekreislauf in einem einzigen Gehäuse im Innenraum vereint, teilt sich ein Split-Gerät auf. Das leise Innengerät sorgt im Zimmer für angenehme Kühle, während der lautere Kompressor als Außengerät an der Fassade, auf dem Balkon oder der Terrasse montiert wird.
Split-Geräte punkten vor allem durch ihre hohe Effizienz und den flüsterleisen Betrieb im Wohnbereich, da die eigentliche Lärmquelle draußen hängt. Sie kühlen Räume extrem schnell ab und verbrauchen im Vergleich deutlich weniger Strom. Dem gegenüber stehen jedoch die weitaus höheren Anschaffungskosten sowie der aufwendigere Einbau. Dieser erfordert zwingend eine Kernbohrung durch die Außenwand durch einen zertifizierten Fachbetrieb – und in Mietwohnungen vorab die ausdrückliche Zustimmung des Vermieters.
Heizen mit der Luft-Luft-Wärmepumpe
Um grob einschätzen zu können, wie effektiv eine solche Anlage arbeitet, muss man sich einen auf den ersten Blick kryptischen Wert genauer ansehen: den sogenannten COP-Faktor. Moderne Klimaanlagen erreichen im Schnitt einen Übersetzungsfaktor von 1:4. Das bedeutet, sie machen aus einem Kilowatt Strom gute vier Kilowatt Kälte oder eben auch Wärme. Spitzenmodelle schaffen sogar ein Verhältnis von 1:5. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher elektrischer Heizlüfter hat eine Effizienz von lediglich 1:1.


Wärme ist an dieser Stelle übrigens kein Schreibfehler. Genauso wie eine Klimaanlage kühlen kann, kann sie im Umkehrbetrieb auch heizen. Das kann in der Übergangszeit, insbesondere im Vergleich zu älteren Heizungssystemen, eine sehr attraktive und sparsame Alternative sein. Denn eine moderne Klimaanlage ist unter dem Strich nichts anderes als eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
Eine Klimaanlage ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe und unheimlich effizient, weiß Dennis genau. Lediglich bei wirklich arktischen Temperaturen stoßen die Geräte an ihre physikalischen Grenzen. Doch das ist im Kraichgau mittlerweile ein so seltenes Szenario, dass man es im Alltag vernachlässigen kann. Dennis schmunzelt: Ich sage immer, wenn man mal minus 10 Grad im Jahr hat, kann man das an einer Hand abzählen. Vermutlich sogar an einer Hand, die schon einmal unliebsamen Kontakt mit einer Kreissäge hatte.
Kosten und Pflege im Blick
Kommen wir zu einem Knackpunkt, der neben den baulichen Begebenheiten und den erforderlichen Genehmigungen die größte Rolle spielt: den Kosten. Dennis redet nicht um den heißen Brei herum, sondern gibt einen realistischen Überblick darüber, was auf angehende Klimaanlagenbesitzer zukommt. Kleiner Spoiler vorweg: Es ist oft weniger, als viele vermuten.
Als grobe Faustformel nennt der Kälteanlagenbauermeister rund 1.000 Euro pro Kilowatt installierter Leistung inklusive der Montage. Ein einfaches Single-Split-Gerät für einen einzelnen Raum startet bei etwa 2.000 Euro. Eine größere Multi-Split-Anlage für das Dachgeschoss mit beispielsweise drei Innengeräten, einem Außengerät und den nötigen Kondensatpumpen liegt am Ende bei circa 9.500 Euro.
Die laufenden Betriebskosten sind erfreulich überschaubar. Hat der Raum erst einmal die gewünschte Temperatur erreicht, benötigt das Gerät im Erhaltungsmodus oft unter 200 Watt Leistung. Selbst bei großzügig kalkulierten 10 Kilowattstunden Verbrauch an einem extremen Hitzetag belaufen sich die Stromkosten je nach Tarif auf gerade einmal 3,00 bis 3,50 Euro pro Tag. Die Anlagen sind drehzahlgeregelt und pflegen tatsächlich nur die Leistung zu produzieren, die im Innenraum auch abgefragt wird, erklärt Dennis. Deshalb sind sie auch problemlos für den Dauerbetrieb ausgelegt.
Eine Sache ist dem Fachmann jedoch besonders wichtig: In jedem Fall sollte man seine Klimaanlage regelmäßig warten und pflegen. Ein zugesetzter Filter im Innengerät kann die Effizienz massiv verschlechtern und den Stromverbrauch um bis zu 40 Prozent in die Höhe treiben. Zudem drohen Ausfälle an heißen Tagen. Gut 90 Prozent der Anlagen, die im Sommer plötzlich den Dienst versagen, bringen die Wärme nicht mehr weg, weil einfach das Außengerät komplett mit Pollen und Staub zugesetzt ist, warnt Dennis.
Wer darf und kann, sollte eine Klimaanlage also durchaus ernsthaft in Erwägung ziehen. Die Sommer werden perspektivisch heißer, und der Klimawandel kennt hier leider nur eine unbarmherzige Richtung. Moderne Geräte heizen und kühlen gleichermaßen effektiv und bieten einen enormen Komfortgewinn. Ein schöner Nebeneffekt ist zudem die Regulierung der Luftfeuchtigkeit im Sommer auf ein behagliches Niveau.
Bei moderatem Einsatz halten sich die Verbrauchswerte absolut in Grenzen, wie Dennis Scheeder aus der täglichen Praxis weiß. Man will ja keine Schweinehälfte ins Zimmer reinhängen, man will ja kein Kühlhaus. Der Haupteffekt ist wirklich, dass man die Luft kühlt und gleichzeitig angenehm trocknet. Mit diesen Worten hängt er sich seine Werkzeugtasche über die Schulter und macht sich auf den Weg zum nächsten hitzegeplagten Kunden.
Früher zu meiner Schulzeit gab es das Wetter, heute ist es neudeutsch zum Klima geworden. Das nennt sich dann Fortschritt.
Wetter ist das, was heute draußen passiert – ob du einen Schirm brauchst oder nicht. Klima ist der statistische Trend über Jahrzehnte.
Der Unterschied ist keine „neudeutsche“ Wortspielerei, sondern grundlegende Physik. Und was den Klimawandel angeht: Darüber gibt es in der Wissenschaft genauso wenig Zweifel wie an der Erdanziehung. Dass es früher auch schon schönes Wetter gab, widerlegt die globale Erwärmung jedenfalls genauso wenig wie ein kalter Winter die Existenz des Sommers.
Und als ob Klimaanlagen die Lösung wären…😱
Liebe Redaktion,
danke fürs Klarstellen. Es gibt immer noch viel zu viele faktenresistente Menschen wie Helmut, die vermutlich auch noch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist.
Auf der ganzen Welt wird seit Jahrzehnten mit Splitgeräten elektrische geheizt und gekühlt, nur in D ist die Klimaanlage in vielen Köpfen immer noch „böse“.
Ich habe mir im April eine Splitklima einbauen lassen und genieße die angenehmen 24°C in der Wohnung. Übrigens betrieben zu 100% mit Strom vom Dach.
Ob man eine Klimaanlage braucht oder haben möchte, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Je nach wohnlicher Situation, in Pflegeeinrichtungen oder für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen kann sie durchaus sinnvoll oder sogar notwendig sein.
Was mich an dem Artikel allerdings stört, ist die Art der Argumentation.
Es werden wissenschaftlich richtige Aussagen genannt, aber ohne den nötigen Zusammenhang.
Dass der menschliche Körper bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit deutlich früher an seine Grenzen kommt, stimmt. Unsere Hitzewellen sind jedoch meist von trockener Hitze geprägt und mit solchen Extrembedingungen nicht vergleichbar. Dieser Unterschied wird dem Leser aber gar nicht erklärt.
35 °C sind eben nicht gleich 35 °C. Ob dabei 30 bis 50 % oder 90 % Luftfeuchtigkeit herrschen, macht einen erheblichen Unterschied für die tatsächliche Hitzebelastung.
Ähnlich verhält es sich mit den genannten 5.000 Hitzetoten. Diese Zahl ist keine Zählung unmittelbar an Hitze Verstorbener, sondern eine statistische Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit. Das macht die Zahl nicht falsch, aber erklärungsbedürftig. Wer sowas zitiert, muss erläutern, was sie tatsächlich aussagen – und was nicht.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass komplexe Zusammenhänge heute lieber zugespitzt werden. Dabei traue ich den meisten Menschen durchaus zu, mit differenzierten Informationen umgehen zu können. Man muss ihnen keine Angst machen oder Extrembeispiele in den Vordergrund stellen, um sie zu überzeugen.
Ich bestreite den Klimawandel nicht – der Vollständigkeit halber sei das erwähnt – und ich bestreite auch nicht, dass Hitze für manche Menschen gefährlich ist.
Aber Aufklärung gelingt nicht durch Zuspitzung, sondern durch Einordnung.
Oh ja der nachhaltige Kaltmacher und draußen wird es noch wärmer ;). Ganz mein Humor ;)