Traditionell hieven Landshausen und Odenheim ihre Maibäume mit Muskelschmalz ins Lot
von Stephan Gilliar
Augen zu, Finger kreuzen und ab dafür. Wenn man den Herren von La Pampa in Aktion begegnet, dann gilt es einfach, an Können und Kraft made in Landshausen zu vertrauen. Dieses Mal hatte der engagierte Dorfverein aber alle Hände voll zu tun, um den himmelhohen Maibaum aufzurichten, denn der scheidende April ließ einen frechen Wind durch das Kraichgaudorf fegen, der beharrlich an Stamm und Zweigen rüttelte. Nur mit Stangen, Seilen, Muskelschmalz und Erfahrung schafften die „La Pampaianer“ es aber wieder einmal souverän, den traditionellen Glücksbringer für den Wonnemonat im dafür vorgesehenen Loch in der Landshausener Ortsmitte zu verankern und mit kräftigen Hammerschlägen und Holzkeilen zu fixieren. Nur einen Hammerschlag brauchte im Nachgang Bürgermeister Tobias Borho, um das von Palmbräu gesponserte Freibierfass anzuschlagen. Dazu Musik vom Musikverein – Herz, was willst du mehr.






Ein ganzes Dorf auf den Beinen, engagiert und traditionsbewusst. Ein kühles Blondes und die Aussicht auf ein langes Festwochenende. Schöner als zum 1. Mai wird es in Landshausen nirgendwo. Denn sowohl der Tanz in den Mai als auch der Maifeiertag werden hier gefeiert nach alter Väter Sitte. Viel Musik, natürlich auch mit dem Landshäuser Schlagerexport Nummer 1 Christian Engel und den bewährten Gute-Laune-Garanten von den Eschbachtalern. Am Tag danach heimischen Spargel aus Landshausen, natürlich kombiniert mit einem großzügigen Stück Ochs vom Spieß. Kein Wunder, dass spätestens zur Mittagszeit die halbe Region Landshausen angesteuerte – zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Treckergespann oder ganz klassisch mit dem Bollerwagen.







Auch in Odenheim wird der Maibaum noch klassisch mit Muskelkraft gestellt, allerdings hier mit der Absicherung durch einen Kranwagen, denn ein fallender Maibaum kann unterm Strich – nennen wir es bescheiden – dezenten Schaden anrichten. In diesem Jahr allerdings bestand da keinerlei Gefahr, denn das traditionelle Maibaumstellen am Denkmal Ecke Kirchstraße und Forsthausstraße musste dieses Jahr leider ausfallen. Wegen einer Großbaustelle, die den kompletten Straßenzug in eine Schotterwüste verwandelt, blieb den Odenheimern nichts anderes übrig, als die diesjährige Maibaumstellung und das anschließende Maifest in ihrem geliebten Wohnzimmer, der alten neuen Mehrzweckhalle, auszurichten. Schon etwas bitter, wenn man das großartige Wetter bedenkt, aber Odenheim würde auch dann fröhlich feiern, wenn die Festivität in einen Kartoffelkeller verlegt worden wäre.












Ach ja, und einen Maibaum gab es natürlich auch, wenn auch nicht ganz so groß wie in gewöhnlichen Jahren. Zu dritt schleppten ihn die Katzbachbuwe in die Halle, fixierten ihn mit Werkzeug, das Oma vermutlich genauso in ihrer Küchenschublade hat, und sahen nach Vollzug zufrieden nach oben, wo die Krone des Bäumchens gerade die Hallendecke kitzelte. Ein bisschen Gewitzel aus dem Publikum („S´wunnert me, dass se net die Halledeck durchstoßen hawwe um doch noch größer als in Eschdringe zu sein“), aber ansonsten: Applaus, gute Laune und das Badenerlied, unsere Nationalhymne, gespielt durch den Odenheimer Musikverein. Im Anschluss noch ein paar Grußworte von Ortsvorsteher Thomas Krapp und Bürgermeister Felix Geider, danach Party nach Odenheimer Art.

Noch steht er!