„Bei uns sind alle willkommen, außer Arschlöcher.“

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„Es geht hier ums Machen und nicht ums Lamentieren“, findet Steffen Heil vom Bruchsaler Z-Lab, in dem Kinder auf Augenhöhe und wertgeschätzt ihre Neugier und ihren Wissensdrang rund um Naturwissenschaft, Technik und Informatik entwickeln können. Damit trifft er einen Nerv und auf reichlich Resonanz; er baut nun mit der Future Alliance diese Idee in der Breite aus.

von Stephan Gilliar

Wenn Steffen Heil spricht, dann hört man ihm zu – gerne sogar. Denn der Leiter der Auerbach Stiftung und eines der zentralen Masterminds hinter der „Future Alliance“ (dazu kommen wir noch) hält sich bei der Wortwahl nicht zurück. Man könnte die Art und Weise, wie er insistierend doziert, als Herzblut-Haudequenz bezeichnen. Ein bisschen grobkörnige Rhetorik, ein bisschen Stiftungs-Punk, kombiniert mit der Kunst der „liebevollen Watsch’n“. Doch so konstruiert das vielleicht in der Definition klingen mag, in Wirklichkeit ist Steffen Heil das eigene Anliegen bierernst, geradezu heilig, um ein blödes Wortspiel zu bemühen. Denn was zwischen den Zeilen seiner blumigen Ansprache, gerne auch mal garniert mit dem einen oder anderen Kraftausdruck, mitschwingt, ist pure Leidenschaft für sein Projekt.

Sein Projekt ist das sogenannte Zukunftslabor, kurz und techy nur Z-Lab genannt. Dabei handelt es sich um ein außerschulisches Forschungszentrum, das sich dafür einsetzt, Kindern und Jugendlichen hautnah, niederschwellig und ohne akademischen Snobismus die Faszination von Forschung, Technik und dem ganzen Arsenal der sogenannten MINT-Themen zu vermitteln. Der Name steht weniger für eine Geschmacksrichtung als vielmehr als Akronym für eine naturwissenschaftliche Ausrichtung: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – is klar.

streicht uns im Z-Lab um die Beine, Robohund Waldi (Name geraten)

Viele von Ihnen werden jetzt wahrscheinlich schon abwinken, denn dieser Begriff wurde uns in den letzten Jahren inflationär um die Ohren gehauen. Das Problem dahinter dürfte weniger die Botschaft sein, sondern die Intention, die oft mit ihrer Vermittlung verbunden ist. Denn oft bedienen sich Unternehmen dieser vier Buchstaben, um die eigenen Ausbildungsstellen zu befüllen, oder schulische Einrichtungen kapern den Trendbegriff, um das eigene Profil zu stärken. Beides nicht verwerflich, aber letztendlich nur der eigenen Agenda verpflichtet, weniger der der Kids.

Beim Z-Lab handhabt man das offenbar anders; man wirft uneigennützig alles in die Waagschale, um die Kids nicht zu begeistern, sondern die bereits vorhandene, längst in ihnen angelegte Begeisterung mit leicht entflammbaren Brennstoffen zu füttern. „Wir wollen niemanden zum Jagen tragen, die Kapazität haben wir gar nicht“, führt Unternehmer Jürgen Riffel, der sich ebenso für die Sache in der Auerbach Stiftung engagiert, weiter aus und schickt hinterher: „Wir haben in Deutschland keine Bodenschätze, also unsere Schätze sind im Hirn, also wir haben nur Hirn, sonst ist halt nichts“.

Davon gibt es aber offenbar in der Region genug, mehr Hirnschmalz, als man sich vorstellen kann. Denn das Zukunftslabor hat eingeschlagen wie eine Bombe – ein Angebot, das nicht nur rege in Anspruch genommen wird, sondern im Grunde über dessen eigene Kapazitäten bereits längst hinausgeht. Eine Steigerung von 250 auf 14.000 Jugendliche in fünf Jahren; aktuell bis zu 500 Besucher pro Woche haut Steffen Heil als Zahlenbasis raus und garniert mit: „Es kommen Schülerinnen und Schüler und sagen: Das ist der geile Scheiß, was wir hier machen“. Begegnen will man im Z-Lab den Kids auf Augenhöhe, mit Respekt. Vor ihnen, vor ihrer Neugier, vor ihren Fähigkeiten und von dem, was aus dieser unschlagbaren Kombination, diesem „geilen Scheiß“, werden könnte. Willkommen sind dabei einfach alle, die sich dafür begeistern, die dafür brennen. Naja, alle bis auf Arschlöcher – das sei die goldene Regel, um noch ein Heilsches Bonmot zu bemühen. Klingt deftig, trifft es aber, denn wer will schon Bremser, Blockierer, Nörgler, Mobber oder Mißgünstler inmitten von Neugier, Tatendrang und Wissensdurst verortet wissen?

Ein bisschen was vom „geilen Scheiß“ als Deko zur PK

Das Angebot des durch und durch gemeinnützigen Z-Lab ist dabei umfangreich und so praxisnah, wie man es sich nur vorstellen kann. Das Z-Lab bietet ein breites Spektrum vom spielerischen „Lötdiplom“ und „offenen Tüfteln“ bis hin zu hochtechnologischen Workshops in den Bereichen Robotik, Satellitenkommunikation und Drohnen-Technik. Ergänzt wird dies durch spezialisierte Formate wie den „Drone Soccer School Cup“ oder das Schülerinnen-Startup-Programm, um junge Talente zu fördern. So viel Praxis wie möglich, ausprobieren, einfach machen, kein verstaubter Frontalunterricht, die Zukunft wagen…der Rest kommt von alleine.

Ein solches junges Talent, Jannis, 15 Jahre alt, konstruiert derzeit mit einem gleichaltrigen Kumpel im Z-Lab einen künstlichen humanoiden Roboter. Das ist kein blödes Geschwätz, sondern tatsächlich genau das, was die beiden Teenies in ihrer Freizeit justemante erledigen. Während andere – auch okay, aber andere Liga – mit 15 im Vereinsheim ihres Fußballunterkreisligisten Bier aus Stiefelgläsern kippen, entwerfen und bauen die beiden einen funktionierenden Roboter. Jannis präsentiert beim heutigen Pressetermin, zu dessen eigentlichem Gegenstand wir gleich kommen, ganz locker und selbstbewusst eine der Hände des werdenden Androiden. Filigran gefertigt, präzise Mechanik, präzise Elektronik – einfach nur beeindruckend. Sagen wir es so: In Jannis’ Alter habe ich es mit reichlich Anlauf geschafft, meinen C64 via Basic „Alle meine Entlein“ spielen zu lassen, und mich bereits als der nächste Alan Turing gewähnt.

Auch dabei – Dimitrios Meletoudis als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kraichgau Stiftung

Summa summarum: Hunderte Kids, ausgebuchte Kurse, Wissen und Begeisterung in Form ungeschliffener Rohdiamanten in Größenordnungen, die völlig zu Recht einen geisteswissenschaftlichen Goldrausch auslösen können. Daraus muss man doch etwas machen, dachten sich die Macher des Z-Lab und ersannen eine Art Fortführung dieser Vision im übergeordneten Projekt Future Alliance. Hier holt man nun Partner aus der Wirtschaft ins Boot, vernetzt sich, um diesen Wissensdurst zu stillen, zu fördern und – ja, auch das – den Nachwuchs an Fachkräften in der Region auf hohem Niveau florieren zu lassen. Nicht nur um der Unternehmen selbst willen, sondern auch im Sinne und zum Vorteil der Kids. Denn eines ist klar: Themen der Hochtechnologie und der Informatik sind die Themen der Zukunft, da gibt es keine zwei Meinungen. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch andere Gebiete, zum Beispiel die der Geisteswissenschaften, haben ihre Berechtigung, und das auch weiterhin, aber vorhandene Talente zu schärfen und zu fördern, um die Region als Inkubator von Innovation und Wissen voranzubringen, eben auch.

Durch die Future Alliance bündelt das Z-Lab regionale Synergien, um über 60 Schulen den Zugang zu Naturwissenschaften zu ebnen und junge Erfinder mit monatlichen Sachmitteln sowie unternehmerischem Know-how in einem eigenen Startup-Programm zu fördern. Dabei verschmelzen industrielle Ressourcen und kulturelle Expertise, indem Partner wie z. B. die SEW-EURODRIVE, TRIWO oder die EnBW nicht nur moderne Infrastruktur teilen, sondern den Nachwuchs auch in essenziellen Soft Skills für die Welt von morgen trainieren. Nur drei (große) Namen von vielen Supportern der Sache und der Idee. Nach Kräften und mit großzügigen Mitteln unterstützt wird die Future Alliance aber auch von Institutionen wie beispielsweise dem Rotary Club Bruchsal-Rhein oder der Stiftung der Volksbank Kraichgau. Um die gemeinsame Absicht, hier nicht nur kurzfristig, sondern langfristig etwas auf die Beine zu stellen, zu unterstreichen, haben zahlreiche Vertreter besagter Institutionen heute eine Art Charta unterzeichnet, die genau das schriftlich manifestieren soll.

Foto und Fingerfood als Aperitif

Gemeinsam und mit dem Z-Lab als starkem Rückgrat sollen so Kräfte in den Kindern aktiviert werden, mit deren Erschließung schulische Einrichtungen sich oft noch schwer tun. Die Frage an Jannis, ob seine Talente in der Schule erkannt und gefördert werden, verneint er ohne auch nur einen Sekundenbruchteil Bedenkzeit. Hier im Z-Lab darf er seine Energie aber ungehindert fließen lassen. Eine Energie, die – wer weiß – eines Tages vielleicht in etwas Großem münden wird.

2 Kommentare zu „„Bei uns sind alle willkommen, außer Arschlöcher.““

  1. Von dem genannten „Hirn“ merke ich hier auf dem Land nix.
    Höchste Zeit, dass sich das ändert!

  2. Wie definiert denn dieser Oberguru den Begriff „Arschlöcher“? Meint der damit AfD Anhänger ?? Und ja, lass Hirn regnen !

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