Kruschdeln forever

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Nach fast 30 Jahren verschwindet zwar Margits kultiger Dauer-Flohmarkt in Heidelsheim, doch das Kruschdeln geht weiter.

von Stephan Gilliar

Der wilde Rand von Heidelsheim ist immer in Bewegung. Nach dem alten Basar kamen Real und Praktiker, verschwanden wieder und machen jetzt Platz für ein ganz neues Einkaufszentrum mit gleich mehreren großen Marken und Händlern. Doch auch die Peripherie bleibt nicht verschont. Der Flohmarkt auf dem großen Parkplatz, der alte Autohof Herzl und das Bekleidungsgeschäft müssen einer neuen Nutzung weichen. Schlagzeilen über Schlagzeilen, in deren hohen Wogen fast eine kleine Meldung untergegangen wäre: Auch die Tage von Margits „Antik-Center“ sind nicht nur gezählt, sondern bereits abgelaufen. Die große Scheune, bis unter die Balken gefüllt mit altem Plunder, Kram und Krempel, wird ebenfalls verschwinden und mit ihr einer der kultigsten Dauer-Flohmärkte der Region.

Bereits im November hat Margit, nur ein paar Monate von ihrem 30. Jubiläum am Heidelsheimer Ortsrand entfernt, das Geschäft abgegeben. Und zwar mit allem Drum und Dran, quasi das Gesamtpaket. Dem Konvolut, bestehend aus restaurierten Möbeln, Antiquitäten, aber auch jeder Menge ollem Kruschd, Des un Sell, hat sich Alexandra Hohmann aus Bretten angenommen. Sie liebt es, alte Dinge zu erhalten, sie zu restaurieren und ihnen eine ganz neue Zukunft zu spendieren. „Ich habe mit Upcycling schon angefangen, bevor es das Wort überhaupt gab“, lacht sie und setzt nach: „Für mich ist das Nachhaltigkeit in ihrer schönsten Form.“

Derzeit veranstaltet sie am alten Standort in Heidelsheim einen großen Räumungsverkauf zu attraktiven Preisen. Alles muss raus – na ja, fast alles. Denn Alexandra will weitermachen, will Margits Erbe ein Stück weit bewahren, wenn auch an anderer Stelle. In der Brettener Altstadt möchte sie in einigen Monaten ein eigenes Geschäft eröffnen. Ein Geschäft, das sich auf restaurierte alte Schätze, alte Möbel, kleine und große Gebrauchtwaren und Plunderperlen konzentrieren soll. Abgerundet wird das Konzept mit Veranstaltungen und Workshops, doch mehr will Alexandra noch nicht verraten. Sobald es in Bretten losgeht, berichten wir natürlich an dieser Stelle weiter.

Und auch für Margit wird es weitergehen, und zwar in ihrer kleinen Scheune an ihrem Wohnhaus in Ubstadt, direkt an der B3. Zusammen mit ihrem Mann will sie weiterhin alte Möbelstücke aufstöbern, restaurieren und zum Verkauf anbieten. Künftig allerdings nicht mehr zu festen Uhrzeiten, sondern mit einem vorher ausgemachten Termin. Schließlich ist Margit auch nicht mehr die Jüngste und möchte ihren Ruhestand ein Stück weit genießen, ohne immer auf Abruf bereitstehen zu müssen.

„Ich hab mich so gefreut, dass jemand weitermacht“, freut sich Margit über Alexandras Engagement. Der quasi spontan zustande gekommene Deal ist für beide Seiten ein echter Volltreffer. Alexandra bekommt ein gut gepflegtes Sortiment, Margit muss sich nicht um den langwierigen und intensiven Abverkauf kümmern. Eine echte Win-win-Situation. Doch das ganze Inventar wird natürlich nicht den Sprung nach Bretten schaffen. Gerade die vielen kleinen und großen Dinge, die über Jahre hinweg der Witterung ausgesetzt waren, müssen Stück für Stück entsorgt werden. Doch das birgt auch Potenzial und Abenteuer, denn Schicht um Schicht wird klar, wie viel Margit hier eigentlich über die Jahrzehnte zusammengetragen hat. „Es ist total spannend, man findet immer noch etwas Neues“, staunt Alexandra, die fast jeden Tag in Heidelsheim verbringt und wie Indiana Jones die riesige Scheune nach Schätzen durchsucht.

Ewig auf der Suche wird auch Margit bleiben, da gibt sie sich keine Illusion hin. Haushaltsauflösungen, Sperrmüll, Schenkungen, Entdeckungen – alte Möbel haben es ihr und ihrem Mann einfach angetan. „Des isch unser Leben, deswegen könne mer a net uffhöre“, lacht sie und blinzelt in die Heidelsheimer Frühlingssonne. Das Kapitel ist für sie zwar zu Ende, nach immerhin fast drei Jahrzehnten, doch echte Leidenschaft brennt ewig. Aber so ist Margit eben, Königin von Kunst und Krempel oder auch: Kruschdeln forever.