Tagung im Bürgerhaus Gochsheim
Mehr als 50 Teilnehmer kamen ins Bürgerhaus Gochsheim, um sich über den Bauernkrieg 1525 und speziell über den Verlauf im Kraichgau zu informieren. Am Ende der Vortragsreihe war die Begeisterung groß: Die vier Referenten haben einen weiten Bogen gespannt von den sozialen und rechtlichen Verhältnissen jener Zeit, dem Einfluss der Reformation bis hin zum Verlauf und zu den Folgen dieser Erhebung.
Bürgermeister Tobias Borho begrüßte die Gäste und verwies auf das Bauernkriegsjubiläum, das nicht zuletzt zur Gründung des Museumsnetzwerkes Kraichgau geführt hat. Daraus entstand eine Wanderausstellung zum Bauernkrieg, die auch im Schloss Gochsheim zu sehen war. Wir müssen aus der Geschichte lernen und Traditionen pflegen, sagte Borho. Sein Dank galt dem Heimat- und Museumsverein Kraichtal, der diese Tagung initiiert hatte.
Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Glaser verwies darauf, dass Anton Eisenhut am 7. Mai 1525 die Bauern des Kraichgaus in Gochsheim versammelt hat. „Deshalb war es uns wichtig, am gleichen Ort 500 Jahre später daran zu erinnern“. Glaser dankte den Referenten ebenso wie der Stadt Kraichtal für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und die perfekte Organisation.
Zum Auftakt ging Prof. Dr. Kurt Andermann, als Leiter der Kraichtaler Kolloquien bestens bekannt, auf das Verhältnis von Herrschaft und Gemeinde zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein. Man müsse sich in die Lebens- und Erfahrungswelt der bäuerlichen Gemeinden hineinversetzen. Der Alltag war geprägt durch die überwiegend landwirtschaftliche Arbeit und feste Regeln. Es ergab sich jedoch ein Konflikt zwischen dem „Alten Herkommen“, also den überlieferten Rechten und Pflichten der Bauern einerseits und dem Bestreben der Herrschaft nach „Verschriftlichung“ der Vorschriften. Das führte vielerorts zur Einschränkung der Gemeinderechte, vor allem der Wald- und Almendnutzung und zur Ausweitung der Frondienste. Professor Andermann erwähnte als markantes Beispiel Menzingen.
Dr. Udo Wennemuth, langjähriger Leiter des Archivs der evangelischen Landeskirche in Karlsruhe, beleuchtete das Verhältnis von Bauernkrieg und Reformation. „Der Bauernkrieg war eine evangelische Bewegung“, lautete sein Fazit. Aber warum hat sich Martin Luther dann so vehement gegen die Erhebung der Bauern gestellt? Der Reformator wurde von altkirchlicher Seite für den Aufstand mitverantwortlich gemacht. Seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ bezog sich jedoch auf die Freiheit des Glaubens. Die weit verbreiteten „Zwölf Artikel“ der Bauernführer leiteten daraus ein „göttliches Recht“ für ihre Forderungen ab. Die Bewegung gewann an Fahrt.
Michael Klebon ist der vermutlich beste Kenner des Bauernkrieges im Kraichgau. Er schilderte, wie die Bauern unter Führung des evangelischen Predigers Anton Eisenhut von Gochsheim aus innerhalb weniger Tage fast den gesamten Kraichgau eingenommen haben. List und Tücke wie nächtliche Überfälle spielten dabei auch eine Rolle. In vielen Orten, wie auch in Menzingen und Münzesheim, musste dabei kein Widerstand gebrochen werden. Herrschaftliche und klösterliche Keller wurden geplündert und Schlösser niedergebrannt. Gegen das Heer des Schwäbischen Bundes hatten die Bauern aber keine Chance; der Aufstand wurde im gesamten Südwesten blutig niedergeschlagen und Anton Eisenhut mit seinen Anführern in Bruchsal hingerichtet.
Thomas Adam hat die Geschichte von Joß Fritz in Untergrombach gründlich aufgearbeitet – ein Vorläufer des Bauernkrieges. In seinem Vortrag ging es aber um die Folgen der Ereignisse von 1525. „Wir müssen mit dem Vorurteil aufräumen, dass die Bauern nach der Niederlage im Bauernkrieg rechtlos und willenlos waren.“ Vielmehr haben die Gemeinden weiterhin und bis zum Ende des Alten Reichs ihren Streit mit der Ortsherrschaft vor Gericht getragen. Gondelsheim, damals unter der Herrschaft der Herren von Mentzingen, ebenso wie Menzingen selbst, sind dafür gut dokumentierte Beispiele.
Der Heimat- und Museumsverein wird die Vorträge publizieren und damit einem breiteren Kreis zur Verfügung stellen, wie Karl-Heinz Glaser am Ende eines ertragreichen Tages mitteilte.
