Überall in den Hügeln finden sich längst vergessene Zeugen der Vergangenheit… wenn man sie finden und auch wirklich sehen möchte
von Philipp Martin
Wissen Sie, was ich am meisten an unseren heimischen Hügeln liebe? Es sind ihre Makel, all das Unperfekte, das Widerborstige. All das Unkraut, das Alte, das Vergessene und das Verwunschene. Perfekt geleckt, das kann jeder – es ist gerade das Fehlen an Glanz und Eleganz, das einen Ort erst liebenswert macht. Wir sind nicht pittoreske Gassen und kitschige Fotomotiven, oder Glasfassaden, Wasserfontänen und Einkaufsmeilen.. Nein, wir sind Brennholzstöße, Scholwedreck am Gummistiefel, Schlepperknattern, Hohlwegwinkel, Wengerthütten und Feldscheuern.
Wer zu einem wilden Spaziergang durch die Hügel aufbricht, dabei geflissentlich all die asphaltierten Wanderwege, die gelben Schilder und touristischen Hinweise ignoriert, stößt auf ein Wunderland, wie man es sich nur in seinen Träumen vorzustellen vermag. Vergessene Gärten, verlassene Hütten, versunkenes Mauerwerk, Verfall in seiner schönsten und eindringlichsten Wesensart.
Wer genau hinsieht, der findet trockene Brunnen, morsche Bänke, verrostete Maschinen, windgebeugte Schopfe mit blicklosen Fenstern und Türen, die seit Jahrzehnten niemand mehr geöffnet hat. Vergessen von den Menschen, vergessen von der Welt und dem langsamen Verblassen preisgegeben, erzählen all diese Orte Geschichten, die einfach nur gehört werden wollen.












Was sie tun müssen um diese magischen Orte zu finden? Einfach etwas Dreck an den Hacken riskieren und die Pfade suchen, die kaum noch als solche zu erkennen sind. Wo Unkraut, Dornen und Gestrüpp längst die Oberhand genommen haben, wo nur ein paar überwucherte Fuhrten an menschliches Vorankommen erinnern. Halten Sie Ausschau nach unter der Last von Wildwuchs eingeknickten Zäunen, moosbewehrten löchrigen Dächern und knorrigen Obstbäumen, an die immer noch morsche Leitern gestellt sind. Schauen Sie, entdecken Sie, aber lassen Sie unberührt, verändern Sie nicht, achten Sie die Würde der Stille.
Es gibt so viele dieser Plätze, an denen einst ein Hügelländer gewirkt hat, die dann aber der Vergessenheit übereignet wurden. Sei es durch Alter, Tod oder all den anderen unvorhergesehenen Begebenheiten, die jeden von uns irgendwann auf seinem Lebensweg einholen. Es sind Plätze die einen Blick in die Vergangenheit erlauben, davon berichten, was einmal gewesen ist. Wer aufmerksam zuhört, wer achtsam erlebt, kann durch die Spalten in der Risse der Zeit sehen.
Immer wenn ich auf einen solchen Ort stoße, stelle ich mir vor, wer hier wohl einmal seinen höchst eigenen Platz gefunden und bestellt hat und wie das irgendwann zu einem Ende kam. Manche dieser Geschichten sind traurig, manche sind fröhlich, manche voller Wehmut und alle ereignen sich nur in meinen Gedanken. Was denken Sie, wenn Sie diese Fotos sehen. Was geht Ihnen durch den Kopf. Erkennen Sie den einen oder anderen Ort wieder, haben Sie vielleicht selbst schon solche Orte entdeckt? Teilen Sie sich mit, Ihre Geschichten würden mich freuen.
