Zusammen wird´s wieder heile

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Flicken statt Wegwerfen – Auch im Kraichgau gibt es „Repair-Cafés“

Etwas zu reparieren ist im Jahr 2019 keineswegs mehr so einfach, wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Technik ist derart kompliziert, die Bauteile mikroskopisch klein und dann gibt es auch noch viele Hersteller die die Haltbarkeit ihrer Geräte ohnehin künstlich drosseln, damit wir doofen Kunden auch bald das Nachfolgemodell kaufen (müssen). Geplante Obsoleszenz nennt sich diese Unart und hat nun auch die Gemüter auf EU-Ebene erregt. Dort bastelt man gerade an einer Art “Recht auf Reparatur”. So sollen Hersteller beispielsweise für einige Jahre garantiert Ersatzteile vorhalten und Baupläne für Reparateure zur Verfügung stellen können.

Ganz im Ernst, wann haben Sie das letzte Mal etwas zur Reparatur gebracht. Eine Waschmaschine beispielsweise, oder eine Videokamera? In den 80ern war es noch selbstverständlich damit zum Elektroniker in der Stadt zu marschieren und das Gute Kasterl wieder instandsetzen zu lassen. Als ich kürzlich das alte Röhrenradio meines Opas selbst reparieren wollte, fand ich im handwerklich perfekt gestalteten und aufgeräumten Inneren des Gerätes, sogar eine zusammengefaltete Blaupause der Schaltpläne – unfassbar wie viel Service am Kunden seither offenbar verloren gegangen ist.

(Fast) alles wird wieder ganz

Wie heißt es aber so schön? Selbst ist der Mann und selbstredend auch: Selbst ist die Frau und alle(s) andere(n).. Es gibt durchaus noch einiges, das leicht selbst repariert werden kann. Die Technik in einem simplen Toaster hat sich über die Jahrzehnte nicht wirklich weiterentwickelt, Fahrräder sind meistens auch noch einfache mechanische Gebilde und Schuhe, Kleider und Klamotten bestehen ebenso wie früher noch aus Leder, Nähten und Stoffen.

Es gibt immer irgendjemand in ihrer Nachbarschaft, der sich mit etwas auskennt, von dem sie absolut keine Ahnung haben. Vielleicht war Opa Willi aus dem Holunderweg ja früher Fernmeldetechniker und weiß genau wieso ihr altes Wählscheibentelefon so beim Klingeln scheppeprt? Vielleicht weiß auch die nette Frau Wolfsmüller aus der 4b wie man den langsamen Zerfall Ihres Lieblings Angora-Pullis aufhalten könnte und möglicherweise kennt Mohammed von nebenan einen Trick um das stetige Tropfen aus ihrer Ölwanne abzustellen?

Käffchen, Schnacken, Reparieren….

Man müsste nur dieses ganze, in unmittelbarer Umgebung vorhandene Know-how zusammen an einen Tisch bringen und schon würde alles gut werden. Totgeglaubte Produkte würden einen zweiten Frühling erleben und das Allerbeste: Man käme mit anderen Menschen zusammen, würde neue Kontakte knüpfen und tatsächlich etwas für den Zusammenhalt der Gesellschaft tun. Sogar der lästige Smalltalk zum Kennenlernen fällt komplett weg, da man ja hier mit dem zu bearbeitenden Werkstück bereits gleich ein super Thema hat, der Rest ergibt sich von allein.

Sie ahnen schon längst, worauf wir hinaus wollen. Genau, solche Treffen gibt es bereits. Sie nennen sich “Repair-Cafés” und erobern seit Jahren die Städte und zunehmend auch das Land. Bei uns im Kraichgau wird bereits in Eppingen hin und wieder gemeinsam Kaffee getrunken, getüftelt und getratscht, auch in Sinsheim hat sich ein kleiner Kreis für ein Repair-Café gefunden und nun geht diese höchst begrüßenswert de Einrichtungen auch in Forst an den Start.

Am 26. November will die Initiative “Natürlich Forst” über das neue Konzept, das ab dem kommenden Jahr in der Forster Bücherei regelmäßig stattfinden soll, bei einer Infoveranstaltung informieren. Wem die Idee des “Repair-Cafés” behagt und zusagt, sollte also um 19:30 Uhr in der Gemeindebücherei in der Lange Straße vorbeischauen. Das Schönste daran: Das Ganze ist komplett kostenfrei, für den Betrieb des Cafés sind freiwillige Spenden aber selbstredend gerne erbeten.

Quelle: Facebook / C.Holzer – Anklicken zum Vergrößern

Weitere Repair-Cafés finden sie auch im Netz unter repaircafe.org/de/

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