Was zum Teufel ist los mit euch?

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Wie uns eine egoistische Minderheit langsam über die Klippe schiebt

Eine Kolumne von Thomas Gerstner

Salut, meine hochverehrten Coronesen. Dürfte ich es mir erlauben, eine schnelle und unschuldige Frage in die Runde zu werfen? Wohlan, here we go: Was zum Teufel ist los mit euch Vollspacken? Wir schreiben Donnerstag, den 19. März im Jahre des Herrn 2020 – in bella Italia füllen Tausende von Toten die Traueranzeigen der Zeitungen, im Elsass, nur einen Steinwurf von Baden entfernt, fliegt das Militär Schwerkranke aus völlig verstopften Krankenhäusern aus und in Baden-Württemberg haben sich über Nacht 543 neue Patienten mit Captain Corona infiziert.

Und was macht ihr daraus, liebe Angesprochene? Ihr trefft euch in Massen in Parks, lasst eure Kinder in Scharen auf gesperrten Spielplätzen toben, drängt euch in dichten Trauben vor den Türen von Drogeriemärkten und Supermärkten um Produkte zu ergattern, die weder rar sind noch effektiv gebraucht werden. Versteht mich nicht falsch, chers amis, es wäre mir völlig egal wenn ihr dabei nur eure eigenen, ignoranten Ärsche riskieren würdet, doch durch euer dämliches und fahrlässiges Verhalten nehmt ihr billigend in Kauf, dass in diesem Land in den nächsten Monaten Hunderttausende ihr Leben lassen könnten.

Ich nehme nicht an, dass ihr Vollhonks viel mit Zahlen anfangen könnt, wo ihr doch bereits eindrücklich bewiesen habt, einfachste, kausale Zusammenhänge nicht zu verstehen… Ich versuche es trotzdem einmal auf eurem Niveau: Hefte raus, Aufsatz!

Wenn du jetzt weiter wie normal draußen rumlaufen tust, dann tust du in etwa fünf Tagen etwa zwei bis drei andere Menschen anstecken. Wenn jetzt jeder von den anderen Menschen die wo du angesteckt hast wieder auch alle fünf Tage zwei bis drei andere Menschen anstecken tut, dann sind das in einem Monat schon viele hundert Menschen die wo angesteckt worden sind. Wie viele Menschen das nach zwei Monaten sind, tue ich dir nicht erklären, weil so große Zahlen tust du gar nicht kennen. Hoast mi?

Freunde, seht es doch mal so…. wenn unsere Bundeskanzlerin aus anderen Gründen zum gemeinen Volk spricht, als ihm ein frohes Neues zu wünschen, darf man mit Fug und Recht davon ausgehen dass die Situation vielleicht ein kleines bisschen vertrackt und recht ernst ist.

Ganz klar, schaut man sich draußen um, sieht man einen strahlend blauen Himmel, zwitschernde Vögel und die Lust nach Eiscreme und kaltem Bier durchströmt unsere Wohlstandskörper. Das Virus das bereits um uns herum fröhlich durch das Hügelland turnt, können wir dabei weder sehen, riechen noch schmecken – wie gefährlich kann bitte schon etwas sein, dass man weder sehen riechen noch schmecken kann? Ganz genau, überhaupt nicht, weshalb ihr euer Gewohnheitsrecht einfordert und genau das Gleiche tut, was ihr immer während der ersten Frühlingstage unternehmt: Ausgehen, Leute treffen, feiern.

Unter normalen Umständen würde ich mit euch gerne um die Häuser ziehen, doch Freunde, es sind keine normalen Umstände. Jeder von euch kann dieses verdammte Virus bereits in sich tragen und es frei von jeglichen Symptomen munter im Land verteilen. Die Jungen und Starken juckt das unterm Strich gesundheitlich recht wenig, doch die Zeche bezahlen am Ende die Vorerkrankten, die Geschwächten und natürlich die Alten.

Genau hier steht ihr nun vor einer wesentlichen Entscheidung, die euren zukünftigen Status in unserer Gesellschaft abschließend regeln wird: Seid ihr empathische, verantwortungsvolle und mitfühlende Wesen, oder seid ihr egoistische, asoziale Arschlöcher erster Güte? It’s up to you my dear friends.

Immer noch nicht geschnallt? Ach was soll’s, ich komme Euch noch mal mit Zahlen. Wir haben in Deutschland aktuell etwa 30.000 Intensivbetten für schwere Krankheitsverläufe in unseren Krankenhäusern – davon ist schon ein guter Teil belegt. Angenommen von unseren 80 Millionen Bundesbürgern würde sich in nächster Zeit nur eine Millionen infizieren, dann wären angesichts der derzeitig bekannten Corona-Statistiken 50.000 Menschen auf diese Betten angewiesen.

Vielleicht hat es der eine oder andere Fuchs unter euch schon bemerkt, 50.000 ist eine viel größere Zahl als 30.000. Unsere lieben Ärzte, die schon jetzt mit schwindenden Materialien und wenig Personal zu kämpfen haben, müssten dann vor den Klinik-Türen “Ene mene miste” – Auszählreime aufsagen um zu entscheiden wer zu Hause krepiert oder in der Klinik ein Bettchen bekommt…. Ich weiß nicht wie es euch geht Freunde, aber ich finde zwei Wochen zu Hause rumhängen und Netflix glotzen, doch unterm Strich ein kleines bisschen besser als diese Option…was meint Ihr?

Wenn ich aber sehe wie beispielsweise heute morgen bei der Eröffnung eines neuen Supermarktes in Bruchsal sich Dutzende von Menschen in einem dichten Pulk vor den Türen versammeln, dann bin ich mir nicht so ganz sicher, ob Ihr beschlossen habt dieses Dilemma zu ignorieren oder es ganz einfach nicht versteht.

Daher will ich es euch noch ein letztes Mal liebevoll in euer Öhrchen flüstern: Denkt nur einmal in eurem Leben an etwas anderes als ausschließlich an euch und bleibt – wo es nur möglich ist – einfach zu Hause. Irgendwann, in einigen Wochen oder Monaten und – da könnt ihr euch ganz sicher sein – Tausende Tote später – wird diese Krise auch wieder zu Ende gehen. Dann wird sich ein jeder die Frage stellen müssen: Habe ich alles getan um meinen Teil beizutragen?

Und bei noch etwas könnt ihr euch sicher sein: An jene, die es nicht getan haben, werden wir uns erinnern… Es ist eure Entscheidung. Ich glaube an euch.

Ein steriles Kussi von eurem Tommy

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18 Gedanken zu „Was zum Teufel ist los mit euch?“

  1. Schreibt der der vor paar Wochen noch selbst das ganze ins Lächerliche gezogen hat…
    Aber Recht hat er trotzdem!

    • Helau Patrick, das galt dereinst den Hamsterkäufern – würde ich heute wieder so machen. Lass jucken Kumpel – Dein Tommy

  2. 🤣 Love IT ❤️ jap absolut den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Darüber hab ich letzt auch in fb n Text geschrieben… Mich hat des so angekäst, weil unsere Liebe Nachbarsomi Angst vor m rausgehen hat und nimmer Einkäufe machen möchte… 🙈 Wir ham ihr eingekauft… Ja wie ich so gerne sage: neue Beschaffungskriminalität wg Klopier…
    Empathie vs Klopapier 😁

  3. Großartig. Das spricht mir aus der Seele in genau der Deutlichkeit, die gerade scheinbar angebracht ist.

  4. Danke für deine Worte!! Ich bezweifle trotzdem das manch einer merkt das er gemeint ist!! Keine Ahnung was die für ne Blockade im Hirn haben das die Fähigkeit zu Denken aussetzt!!

  5. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Schlimm genug das man in Anbetracht der jetzigen Situation überhaupt so etwas schreiben muss.Ich finde es sehr traurig.

  6. Naja – zuerst mal: wenn ich rumlaufe, kann ich nur jemanden anstecken, wenn ich selbst infiziert bin. Und wenn ich nicht infiziert bin und auf einem einsamen Feldweg spazieren oder Joggen gehe, schadet das gar nicht.
    Dass man im Moment mehr hygienische Maßnahmen ergreifen muss, um ansteckungen zu verbreiten, versteht dich von selbst. Aber bitte die Kirche in würde lassen.

    • Tja, wenn sich da jeder dran halten würde … an den Abstand usw. Aber wir sehen ja, dass das diese egoistischen und unmündigen Sponks überhaupt nicht interesssiert. Und die anderen müssen es wieder „ausbaden“ … wie so oft.

    • Nur die wenigen, die bereits negativ getestet wurden, wissen, dass sie nicht infiziert sind. Alle anderen nicht.
      Ich habe keine Ahnung, ob der Typ, der mir vergangene Woche im Sportstudio auf die Schulter klopfte, infiziert war, oder nicht.
      Ob der Kerl, der vor mir auf den Türknopf der Straßenbahn drückte, vorher in seine Hand hustete?

      Da hilft nur Vorsicht und Abstand.

      Für Coronapartys fehlt mir jedes Verständnis

    • Woher weisst Du, dass Du nicht infiziert bist? Inkubationszeit: bis zu 27 Tage! Der Klassiker: brav glauben, dass man nicht betroffen ist… Händewaschen wird schon reichen… etwas naiv…

    • Setzt voraus, dass Sie WISSEN, dass Sie nicht den Virus in sich tragen. Bei einer Inkubationszeitvon 2 Wochen bzw. Fällen ohne Symptome ist das kaum abzuschätzen.

  7. Achtung Gerstner? Nein! Alle Achtung, Gerstner! Du hast das Thema auf den Punkt gebracht! Dem allen ist nichts hinzuzufügen! Aber wie kann man diesen sensationellen Artikel so verbreiten, dass ihn halt auch die „Vollhonks“ nicht übersehen können? Teilen in Facebook ist eine Methode und vielleicht können die Maschinen des französischen Militärs auf dem Rückflug ja eine Runde über Deutschland drehen und deinen Artikel als Flugblatt abwerfen. Würde mich mal interessieren, wie diese Klopapierdeppen reagieren, wenn der ärztliche „….und du bist weg!“-Finger beim Auszählen auf sie deuten würde. Weiter so, Tommy! Nicht aufgeben! Vielleicht triffst du ja beim einen oder anderen irgendwann mal auf Hirn!

  8. Sehr gut geschrieben. Auch inhaltlich nichts auszusetzen. Denke aber trotzdem wir werden um eine Ausgangsperre nicht herumkommen. Wenn ich jetzt noch das Wetter sehe, da werden am Wochenende soviel Leute auf den Strassen und in den Parks herumrennen, daß es einfach keine Alternative gibt.

  9. Es sind Zeiten wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Und ich sehe oder lese soviel Kraichgauweizen, der Mut Macht. Danke euch.

  10. Moin, ich denke ein Teil der Bevölkerung hat das kapiert. Bei mir auf Arbeit kommt Kundschaft und Lieferdienste. Letztere stellen am Tor ab und sind schneller weg als ich guten morgen sagen kann und die Kunden halten entweder Abstand oder sie latschen dir schon beinahe nach ins Lager als wenn nix wäre. Wir Kollegen haben Automatismen die uns auch mal zusammenstehen lässt oder einer hockt am PC und der andere lässt sich nen Kaffee raus der direkt daneben steht, da denkt man so gar nicht drüber nach….
    Habe aber gestern einen Rentnerwanderclub gesehen, der fröhlich tratschend durchs Pfinztal zog…. Da geht mir als Asthmatikerin der Arsch auf Grundeis, wenn man das mal so sagen darf. Ich geh nur noch arbeiten, einkaufen wenn ich unbedingt was brauche und ansonsten lass ich meinen Hintern zu Hause.

  11. Ich denke den Text sollte man für alle Deppen denen es zu uncool ist zu lesen, also falls sie überhaupt lesen können, als Podcast rausbringen. Da ist die Chance etwas höher ein paar Deppen zu erreichen. Zur Not brauchen wir flächendeckend Minarette und Muezzine die es den Leuten eintrichtern…

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