Vier Generationen feiern gemeinsam

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Siedlergemeinschaft im Ulrichsbruch schwelgte in Erinnerungen

Von Wolfgang Braunecker / Stadt Östringen

Aller Anfang ist schwer, das mussten auch die Siedlerfamilien erfahren, die einst in den 1950er Jahren bei Östringen gleichsam aus dem Nichts den landwirtschaftlichen Weiler Ulrichsbruch gründeten. Die mit harter Arbeit und mitunter unsäglichen Mühen verbundene Pionierleistung jener Tage schweißte die Menschen allerdings fest zusammen, das war nun rund sieben Jahrzehnte nach dem Bezug der ersten Bauernhöfe des am Nordwesthang des Schindelbergs gelegenen Fleckens auch beim mittlerweile neunten gemeinsamen Scheunenfest der früheren und derzeitigen Bewohner noch deutlich zu verspüren.

Das gesellige Miteinander von „vier Generationen Ulrichsbruch“ auf dem ehemaligen Hof von Georg und Lisbeth Schmidt, wo nun deren Enkel Thomas Wacker mit seiner Familie lebt, dokumentierte indessen auch den tief greifenden Strukturwandel, der sich mittlerweile in der Landwirtschaft im Östringer Kraichgau vollzogen hat. Bis 1954 waren die Hofstellen der Familien Heinzmann, Gretzer, Schneider und Hauke fertig und in einer „zweiten Welle“ schufen sich zwischen 1960 und 1962 auch die Familien Ille, Schmidt, Groß und Brecht im Ulrichsbruch ihren neuen Lebensmittelpunkt.

Während auf den acht Bauernhöfen, die bis 1962 mit Betriebsflächen von dreißig bis vierzig Hektar entstanden waren, Ackerbau und Viehzucht damals an die fünfzig Personen ernährten, gibt es heutzutage mit Volker Hauke nur noch einen Haupterwerbslandwirt, der neben seinem eigenen Terrain inzwischen auch einen Großteil der Flächen der Nachbarn bewirtschaftet.

Die Viehzucht ist mittlerweile fast gänzlich aus dem Ulrichsbruch verschwunden, nur auf den Weiden von Rudi Heinzmann grasen stattliche Galloway-Rinder. Dafür sind im Ulrichsbruch nun Tierhaltungen anderer Art auf dem Vormarsch, zum Teil stehen jetzt beispielsweise Pferde auf der Koppel.

Die kleine Siedlung zählt heute zwar nur noch wenige Dutzend Bewohner. Aber beim Scheunenfest auf dem Schmidt-Hof, bei dem „Erst-Aussiedlerin“ Gertrud Heinzmann mit 88 Lenzen die älteste Teilnehmerin war, fanden sich nun dennoch rund sechzig Personen mit einer Altersspanne von vier Generationen zusammen, was einmal mehr zeigte, dass der kleine Weiler für weitaus mehr Menschen Heimat ist.

Jedes zweite Jahr trifft die verschworene Siedlergemeinschaft zum Scheunenfest zusammen, lediglich pandemiebedingt hatte es zuletzt eine „Pause“ gegeben. Dieses Mal hielten Markus Groß, Andreas Schneider, Rudi Heinzmann, Sybille Förderer und Thomas Wacker mit ihren jeweiligen Lebenspartnern die Fäden zusammen und organisierten die Veranstaltung. Das kulinarische „Schmankerl“ der jüngsten Feier im Ulrichsbruch war ein köstliches Wildgulasch, das vom passionierten Jäger Markus Groß höchstpersönlich zubereitet wurde.

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