Beseelt von mehreren tausend Menschen im Schlosspark
Auf der ganz großen Bühne hat der Bruchsaler Musiker Laurin Sigmund lichterloh Feuer gefangen – und brennt nun mehr für Musik denn je…
Es ist eine Szene, die man nicht so schnell vergisst. Diese riesige Bühne im Schlosspark, die schwarzen Trauben aus Lautsprechern, der dichte Nebel, durchstoßen von grellen Scheinwerferkegeln. Mehrere tausend Menschen stehen da, den Blick erwartungsvoll nach vorne gerichtet. Und dann kommt er auf die Bühne: Laurin Sigmund, gerade mal 19 Jahre alt, Musiker aus Leidenschaft, der noch ganz am Anfang steht.

Noch bevor er sein Keyboard erreicht – das ganz verloren in dieser riesigen, von schwarzen Vorhängen gesäumten Arena im Lichtkegel steht – brandet Applaus auf. Das Klatschen tausender Hände, Jubelrufe, die Laurin noch bevor er überhaupt den ersten Akkord gespielt hat, einfach davontragen und in ihm eine konkrete Idee davon entstehen lassen, was sein könnte – wie es wäre, ein gefeierter Musiker zu sein.
Nicht weniger ist sein Ziel. Und zwar nicht erst seit gestern. Mit sechs Jahren hat Laurin angefangen, Klavier zu spielen – ein Pakt, eine Art Symbiose mit diesem Instrument. Seit einiger Zeit singt er auch dazu.
Ein kluger Mix auf großer Bühne
Zu Songs, die er selbst geschrieben hat, aber auch zu solchen, die andere verfasst haben. Der Mix, den er hier in Bruchsal, auf dem bisherigen Höhepunkt seiner jungen Karriere, präsentiert, ist klug gewählt: eine eigene Nummer, aber vor allem strategisch ausgesuchte Cover-Songs, von denen er weiß, dass sie das Publikum im Schlosspark abholen werden.

Denn natürlich sind diese vielen tausend Menschen nicht in erster Linie gekommen, um ihn zu hören, sondern wegen PUR, die im Schlosspark gastierten – einer Band, die den schwierigen Spagat schafft, sich über Jahrzehnte hinweg im Gespräch und up to date zu halten. Keine Ahnung, wie sie das machen, aber Songs wie Lena oder Abenteuerland laufen auch heute noch auf Partys – und zwar nicht nur auf denen mit dem Label Ü40.
Von der „Herzenssache“ zur großen Bühne
Der Kontakt zu PUR kam über die Hilfsaktion „Herzenssache“ zustande. Laurin engagiert sich dort seit Jahren mit einem eigenen Projekt, das benachteiligten Kindern Musik ermöglicht. Da Hartmut Engler, der Sänger von PUR, lange Zeit Schirmherr von „Herzenssache“ war, liegt der Rest dieser Geschichte auf der Hand.
Und so kam es, dass Laurin – dessen größtes Publikum zuvor vermutlich bequem in den Tourbus von PUR gepasst hätte – auf einmal auf der wirklich großen Bühne stand und mit seinem cremig-butterweichen Timbre die fast 40 Jahre alte Kulthymne Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein von der Münchener Freiheit anstimmte. Ein Hit, der fast zwei Jahrzehnte vor Laurins Geburt geschrieben wurde. Aber gute Musik ist zeitlos – und wirkt auch dann noch, wenn die Charts sie längst vergessen haben.
Ein Moment, der alles verändert
Und so entzündet Laurin, geboren 2005, mit einer Nummer von 1986 anno 2024 einen echten Flächenbrand im Bruchsaler Schlosspark. Tausende Kehlen singen mit ihm, seine Stimme brandet über ihre Köpfe hinweg bis in den letzten Winkel des Parks, vermischt sich mit denen des Publikums und lässt ihn fliegen – kilometerhoch, weit über Bruchsal hinaus.
In diesem Moment scheint alles zusammenzufallen: die unzähligen Stunden am Klavier, das Lampenfieber, die Zweifel – und plötzlich ist nur noch Musik. Kein Gedanke mehr, kein Kalkül, nur Gefühl. Ein paar Minuten, die sich dehnen wie Ewigkeit.
„Es war so ein magischer Moment“, erzählt er mir und lächelt.
„Ich hatte das Gefühl, auf dieser riesigen Bühne geht man fast unter – ein kleiner Mann am Klavier.“

Aber klein war er an diesem Tag nicht. Hunderte quittierten seinen Auftritt mit Jubel, Likes und reichlich Herzchen in den sozialen Medien kurze Zeit später. Dort zu lesen: Worte des Lobes von der Stadt, vom Schloss – und sogar von der Band PUR selbst.
Die Mischung macht’s
Man darf wohl davon ausgehen, dass das Projekt Laurin Sigmund funktioniert. Wie viel daran Kunstfigur ist und wie viel echte menschliche Essenz, wird sich im gerade stattfindenden Reifeprozess noch zeigen.
Kunstfigur ist dabei keineswegs abwertend gemeint – jeder Künstler trägt eine Aura um sich, die er selbst erdacht und gestaltet hat. „Nur“ die Musik allein hat noch nie einen Star geboren. Es braucht Habitus, eine Story und ein gewisses Standing, um dem Ganzen Seele zu geben.
In Laurins Fall scheint die Mischung zu schmecken: ein bisschen goldig-liebenswerter Sunnyboy, eine weiche Stimme, herzliche, gefühlsbetonte Musik – dazu eine gute Prise Ethos, Charity und Format. Nicht ohne Grund wird Laurin gerne zu öffentlichen Formaten eingeladen, war schon mehrfach im Fernsehen und im Radio zu Gast, etwa beim SWR.
Es ist dieses Unschuldige, das nicht gekünstelt, nicht aufgesetzt, sondern absolut authentisch wirkt – ein Attribut, das fremde Menschen für Laurin einnimmt.
Authentisch bis ins Mark
Und um es noch einmal zu betonen: Das ist keine Charade, keine Fassade, kein Kalkül – das ist tatsächlich Laurin.
Der Laurin, der schon als junger Teenie bei unserem fünfjährigen Hügelhelden-Jubiläum die Band am Keyboard unterstützt hat, einfach so, ohne etwas dafür zu wollen. Oder der an so vielen Wochenenden in der Bruchsaler Fußgängerzone Klavier spielt – nicht für sich, sondern ausschließlich für die gute Sache.

Ein durch und durch liebenswerter junger Mann, dessen große Ambitionen in mir zwei Herzen schlagen lassen. Eines als Freund, der sich einfach nur wünscht, dass sich seine Träume erfüllen. Und eines als langjähriger Medienmensch, der erlebt hat, wie gnadenlos die Branche sein kann – und was sie mit liebenswerten Menschen anzustellen vermag.
Ein Traum mit Bodenhaftung
Laurin hat sich längst entschieden. Er verdient sein Geld derzeit mit kleineren Projekten, einzelnen Gigs, vor allem aber mit Musikunterricht, der ihm ein sicheres Fundament bietet.
Das Ziel ist und bleibt aber klar: Mit der eigenen Musik erfolgreich sein, abheben, leben – und natürlich glänzen, wann immer es geht.
Ich wünsche ihm dafür alles erdenklich Gute, starke Nerven, gute Freunde und viel Glück. Und ich wünsche ihm, dass er eines Tages erneut auf dieser riesigen Bühne im Schlosspark steht – umjubelt von Menschen, die diesmal nur wegen ihm gekommen sind. Wegen seiner Musik. Wegen dem, was sie in ihnen auslöst.
Und wenn er dann wieder dort oben steht, wird er vielleicht wissen, dass dieser Traum nie Illusion war – sondern schlicht der Anfang von allem. Wäre das nicht schön?
