50 Jahre Kerschdekipper – Kraichtals Narren feiern
Viel Fasching gibt es nicht mehr in Kraichtal … wahrlich nicht. Das Ende des Münzesheimer Umzugs vor einigen Jahren bedeutete das Ende der hiesigen Straßenfastnacht, und seit den dunklen Tagen rund um den Eppinger-Hexenkessel-Vorfall hat sich die Zahl der aktiven Narren in der Stadt noch einmal deutlich reduziert. Die letzte Hochburg in Sachen Fastnacht ist und bleibt Unteröwisheim, fest in der blau-gelben Hand der Kerschdekipper, die – anders als die FDP – ihre Farben auch nach der Wahl noch stolz hochhalten können. Seit 50 Jahren gibt es die 1. Kraichtaler Faschingsgesellschaft bereits, ihren Namen haben sie an den Uznamen der Uneroiser angelehnt, die früher ihre reiche Ernte an Kirschen in großen Körben eingebracht haben, die man auch Kippen nannte.













Zwar gibt es immer noch Kirschen in Unteröwisheim, doch die Zeiten des großflächigen Anbaus und der Vermarktung sind längst vorbei. Äußerst lebendig sind aber – auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung – die Uneroiser Kerschdekipper. Um das noch einmal nachdrücklich unter Beweis zu stellen, feierte die bunte Truppe am Freitagabend eine große Jubiläumsprunksitzung mit allem Drum und Dran. Eine restlos ausverkaufte Horst-Kochendörfer-Halle, bunt geschmückt und reich dekoriert. Essen à la carte mit Tischservice samt angeschlossener Bar – und nicht zuletzt ein rund vierstündiges Programm, voller kleiner und großer Highlights. Dabei muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass all das von Menschen in ihrer Freizeit auf die Beine gestellt wird – ehrenamtlich und unter Einsatz der wenigen Stunden, die neben den reichlichen Verpflichtungen von Alltag, Job und Familie noch übrig bleiben. Eine Büttenrede muss erst einmal geschrieben, einstudiert und auswendig gelernt werden, ein Gardetanz über Monate hinweg entwickelt und trainiert werden … Das ist nichts, was an einem Nachmittag erledigt ist. Wir reden hier von monatelangen Vorbereitungen, die sich einzig und allein auf einen einzigen Abend konzentrieren.










Wertschätzung und Anerkennung dafür gibt es nicht in materieller Form – und schon gar nicht über finanzielle Entlohnung. Der Dank kommt einzig und allein durch das Publikum; die harte Währung der Fastnachter ist Applaus. Davon gab es reichlich am Freitagabend in der erst kürzlich mit einem richtigen Namen versehenen Sporthalle in Unteröwisheim. Donnernder und lang anhaltender Jubel, startende Raketen und Getrommel auf den langen Tischreihen, frenetischer Beifall von 19:00 Uhr bis 23:00 Uhr. Gut, hier und da hätte es etwas mehr Wertschätzung sein dürfen – besonders in den hinteren Reihen nahm die Lautstärke des allgemeinen Geplappers so überhand, dass das Geschehen auf der Bühne darin unterzugehen drohte. Doch die energisch geschüttelte Glocke in der Hand von Elferrat Klaus Baumeister erwies sich hier als äußerst effektiv.
Wer nicht aufpasste, dem drohte ohnehin ein wirklich hochkarätiges Programm durch die Lappen zu gehen. Vom Comeback der „Fastnachtsfra“ alias Adelheid Kimmich über einen intonationssicheren Bürgermeister Tobias Borho alias Peter Alexander bis hin zum Uneroiser Labbeduddel alias Xandi Bolz … schee war’s! Einmal mehr atemberaubend und rasant auch die Darbietungen der Uneroiser Garde. Egal ob Kirchknospen, Glanzkerschde oder Herzkerschde (ja, Uneroise nimmt die Kirschensache äußerst ernst ;-) ), was die Mädels hier auf die Bühne brachten, war wirklich ganz, ganz großes Kino. Ach ja, auch die Männer, die Kerscheblozzer, lieferten mit ihrer „Walking Dead“-Zombie-Choreografie eine wirklich geniale Show ab – es hat Spaß gemacht, dabei zu sein.







Und sunscht? Viel Geschunkel, UiUiUiUiUi, Helau und dazu schmetternde Gugge von den Freunden der Odama Katzbachgugga sowie ein dreifach furioser Auftritt der drei Tanzmariechen Alena, Nova und Valentina.
Ach ja, und Haribo-Tüten in rauen Mengen. Welche Sorte? Ich bitte Sie … Happy Cherries – was denn sonst!