Und dann kam Gundis

| , ,

Im Kloster Maulbronn können Kinder den Alltag der Mönche von einst bald aus ganz neuen Perspektiven erleben

Pssst…! Die junge Klosterwelt öffnet ihre Tore

Das Kloster Maulbronn ist ein bewegter Ort, ein Ort voller Leben, nicht einfach nur ein stilles und schweigendes Monument, das von seinen Gästen gesenkte Blicke, demütiges Flüstern oder geneigte Köpfe erwartet. Der Klosterhof ist ein Teil von Maulbronn, keine Insel, sondern ein vitales Stück der Stadt. Das Rathaus befindet sich hier, es gibt eine Apotheke, einen Buchladen, ein Café, Kinder spielen hier, man tauscht sich aus, Senioren schlendern über das uralte Pflaster.

Aber auch wenn das Kloster zurecht ein Teil des gelebten Maulbronner Alltages ist, so hat es doch Geschichten zu erzählen, Ereignisse von Jahrhunderten zu bezeugen, Botschaften an die heutigen Generationen zu übermitteln. Schließlich stehen die alten Mauern nicht erst seit neulich, sondern blicken bald ihrem 900. Geburtstag entgegen. Erwachsene können sich über Leben und Wirken der damaligen Bewohner der ehemaligen Zisterzienserabtei auf vielfältige Weise informieren. Geführte Rundgänge, Informationsveranstaltungen, Informationstafeln.. Wer es darauf anlegt, bekommt so viele Fakten und Erkenntnisse über die Anlage aus dem Hochmittelalter serviert, wie er sich nur wünschen kann. 

Jürgen Franke und Christina Ebel von der Klosterverwaltung

Bislang richtet sich dieses Angebot in erster Linie an Erwachsene, das Publikum im Kloster Maulbronn – da muss man ehrlich sein-  ist mehrheitlich den Generationen Ü40 zuzuordnen. Besonders an den Wochenenden drängen sich augenfällig viele Senioren auf dem Klosterplatz und in den kleinen Gassen und Gängen der Anlage. Doch die Geschichten, die Erkenntnisse und Lehren der Vergangenheit sind nicht nur den älteren Generationen vorbehalten, sondern richten sich natürlich auch an junge Menschen, insbesondere auch an Kinder. Dem wird nun in Maulbronn endlich Rechnung getragen, extra für die Kleinen entsteht gerade in den Räumen des früheren Kameralamts (quasi das frühere Finanzamt des Klosters) eine Aktionsfläche, die den schönen Namen “Pssst…! Die junge Klosterwelt” trägt. Man hat dabei ganz bewusst auf die Verwendung des Wortes “Museum” verzichtet, denn das trifft weder den Kern der Sache, noch steht es für die Aktualität und Moderne, die man hier ganz explizit ansprechen möchte.

Mitmachmuseum für kleine Entdecker: Kloster Maulbronn startet ein einzigartiges Angebot für Kinder und Familien

Ein Ort, an dem Kinder in die Geschichte eintauchen, Mönchsgewänder anprobieren, mit Murmeln die Wege der klösterlichen Wassersysteme entdecken oder die Küche der alten Mönche ausprobieren können – all das bietet die neue „Junge Klosterwelt“ im Kloster Maulbronn. Am 1. Juni wird das interaktive Museum im Rahmen des großen Aktionstags „Kloster – Kinder – Welterbe“ feierlich eröffnet – bei freiem Eintritt, buntem Bühnenprogramm und einem wahren Spielparadies im Klosterhof.

Geschichte erleben – auf Augenhöhe

Zielgruppe des neuen Vermittlungsangebots sind Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 12 Jahren – ob als Schulklasse oder gemeinsam mit der Familie. Auf rund 200 m² wird die Welt der Zisterziensermönche erfahrbar gemacht – spielerisch, lebendig, ohne verstaubte Schautafeln.

„Wir benutzen bewusst nicht das Wort Kindermuseum, sondern das Ding heißt Junge Klosterwelt. Weil wir einfach diesen verstaubten Charakter von einem Museum raushaben wollten“, erklärt Jürgen Franke von der Klosterverwaltung Maulbronn. Stattdessen wartet ein Mitmachparcours, der bewusst den Erlebniswert in den Mittelpunkt stellt – mit interaktiven Stationen, einer Münze als Eintrittsschlüssel, Werkstätten, Verkleidungsmöglichkeiten und einer eigenen kleinen Geschichte, die die Kinder spielerisch durch das Mittelalter führt.

Fünf Charaktere, viele Geschichten

Abt Gottfried, Chormönch Johannes, Laienbruder Conrad, Novize Clemens und das kluge Mädchen Gundis – fünf fiktive Figuren begleiten die Kinder durch die Ausstellung. Sie erzählen von ihrem Alltag im Kloster und laden zum Mitmachen ein. Was einst in stillen Mauern geschah, wird hier zum lebendigen Abenteuer. Alleine das Mädchen Gundis steht für den ganz neuen Ansatz und einer unbeschwerten Annäherung an die Geschichte. Wie man sich denken kann, gab es in der abgeschlossenen Männerdomäne des ehemaligen Klosters keine Frauen oder Mädchen. Die Schaffung dieser besonderen Figur soll ganz neue Möglichkeiten eröffnen, mehr über die Geschichte von damals zu erfahren, sie durch die Augen von Gundis ganz neu zu erleben.

Jürgen Franke und Christina Ebel von der Klosterverwaltung

Besonders wichtig ist dem Team dabei, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Rollenbilder zu hinterfragen: „Das Thema Mädchen im Kloster spielt eine Rolle. Wir brechen historische Klischees auf und holen alle Kinder mit ins Boot“, sagt Franke. So gibt es Mitmachangebote, bei denen geschrieben, geflochten, geknetet und gebacken wird – und ganz nebenbei viel über das Leben im Mittelalter gelernt werden kann.

Feierlicher Start mit einem Tag voller Highlights

Am 1. Juni wird die Junge Klosterwelt offiziell eröffnet – und das gleich im Rahmen eines großen Festes. Der Aktionstag „Kloster – Kinder – Welterbe“ bietet von 11 bis 17 Uhr Spiel, Spaß und Kultur pur. Vereine und Institutionen aus der Region haben ein buntes Mitmachprogramm auf die Beine gestellt – von der Teddybärklinik über ein Kinderkarussell bis zum Fahrradparcours des ADFC. Kindermusiker wie das Flohzirkus Orquestra oder Bananenfuchs sorgen für gute Laune auf der Bühne, während Ballonkünstler und Schminkstände die Fantasie beflügeln.

Parallel dazu finden spezielle Führungen für Kinder, Familien und Jugendliche statt. Besonders spannend: eine Sonderführung zum Thema UNESCO-Welterbe für junge Leute ab 12 Jahren. Warum ist Kloster Maulbronn eigentlich Weltkulturerbe – und was bedeutet das genau? Antworten gibt’s im Rundgang durch die Klosteranlage.

Ein Angebot mit Zukunft

Mit dem neuen Kindermuseum – dem zweiten nach dem „Kinderreich“ in Ludwigsburg – setzen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ein starkes Zeichen: Kulturelle Bildung beginnt früh, sie darf Spaß machen und muss nicht trocken sein. „Wir sind wirklich bemüht, die Jugend und die Kinder mit dranzuholen“, sagt Jürgen Franke. „Wenn du das ganz klein bei denen platzierst im Kopf, tragen die das mit – und dann ist das so die ganz weite Geschichte, wenn die da selber entlang sind, dass sie sich vielleicht dran erinnern, dass das hier ganz gut war, und dann mit ihren Kindern mitbringen.“

Ein lebendiger Ort – für Generationen

Die Junge Klosterwelt ist ein weiterer Baustein in der lebendigen Nutzung der Maulbronner Klostergebäude, die längst kein „stilles Konservatorium“ mehr sind. Internat, Polizeistation, Buchhandlung – das Kloster ist Teil des Alltags. Und jetzt auch ein Ort, an dem Kinder die Vergangenheit nicht nur bestaunen, sondern erleben können.