S´geht vorwärts oder s´geht ewwe abwärts

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Auf Alt folgt Jung und das ist auch gut so – Odenheims Vereinsleben im Wandel

“Viele Vereine gehen nur deswegen unter, weil die Alten alles entscheiden wollen und den Jungen keinen Platz zur Entfaltung geben.” Klare Worte ohne Gedöns, doch genau dafür steht der Odenheimer Robert Laub – und er muss es wissen. Schließlich gehört er mittlerweile selbst zu den Alten und hat sein ganzes Leben der Vereinsarbeit gewidmet. Er hat längst begriffen, dass junge Menschen den Vereinen im Ort den Rücken kehren, wenn sie dort nur auf versteinerte und verkrustete Strukturen treffen und keinen Willen zur Weiterentwicklung sehen.

Das Phänomen ist bei Weitem nicht neu, auch in der Politik ein altbekanntes Thema und dazu ein großes Problem. „Gerontokratie“ nennt sich der Umstand, wenn die Herrschaft nur von den Alten ausgeht und die Jungen außen vor lässt.

Ein Machtwechsel mit Symbolkraft

Robert Laub will kein verbissener Gerontokrat sein und räumt nun seinen Platz an oberster Stelle des Arbeitskreises Odenheimer Vereine – kurz AOV. An seine Stelle tritt eine junge Frau: Viola Spitzer, Jahrgang 1996, Wahl-Odenheimerin und der kleinen Katzbach-Metropole hoffnungslos verfallen. Vor wenigen Tagen hat sie Roberts Amt übernommen, das informell zu den einflussreichsten Positionen im Ort zählt. Immerhin repräsentiert der AOV 17 von 18 Ortsvereinen und ist der Motor des Odenheimer Vereins- und Kulturlebens – so vital und wendig wie kaum in einer anderen Gemeinde.

Unzählige Feste, Feiern und Veranstaltungen werden hier jedes Jahr ausgetragen. Im Schnitt feiert man am Katzbach mindestens einmal pro Woche irgendwo und irgendetwas – da macht Odna niemand etwas vor.

Die Mehrzweckhalle: Odenheims „Wohnzimmer“

Zentraler Schauplatz und Herzkammer ist traditionell die Odenheimer Mehrzweckhalle, von vielen im Ort schlicht „unser Wohnzimmer“ genannt. Seit Monaten wird sie aufwändig und kostspielig saniert: vom Brandschutz über Heizung, Innenausstattung und Schallschutz bis hin zu einem nagelneuen Außengelände. Das kostet einen Haufen Geld. Ein erklecklicher Teil davon wird durch Förderungen getragen, etwa durch das LEADER-Programm der EU. Doch auch die Odenheimer Vereine haben tief in die Tasche gegriffen – Schweiß, Blut und Hunderte, wenn nicht Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken in diesem „Wohnzimmer“.

Um die Liebe zu ihrer Halle zu begreifen, muss man vermutlich Odenheimer sein. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude wie ein schlichter, funktionaler Bau aus längst vergangenen Tagen. Doch für die Menschen hier, allen voran Robert Laub, ist die MZH ein Stück Identität: „Des isch unsere Heimat, unser Treffpunkt, es isch mehr als nur ne Halle – hier kummt ma zsamme, so einen Ort braucht es.“ Mit feuchten Augen fügt er hinzu: „Wenn ich do nagugg, kumme mir die Träne.“

Das ist kein Theater. Das ist Robert – so, wie er immer war und immer sein wird.

Die Übergabe: Vertrauen statt Fußstapfen

Anders als viele Vereinsmeier sieht Laub in den Jungen keine unmündigen „Stifte“, sondern die Zukunft Odenheims. Er will, dass Viola Spitzer ihren eigenen Weg geht, ihre Handschrift entwickelt – und sich dabei nicht an ihm ausrichtet. „Hör ma blos uff mit große Fußschdapfe!“ schimpft er und winkt ab. „Man muss die junge Leid fördern, onners gehts net.“

Für Viola, seit Jahren in der Organisation des FC Odenheim erfahren, bedeutet das neue Amt zunächst viele Fragezeichen. Das fängt beim riesigen Schlüsselbund für die Halle an, an dem etwa 50 identisch aussehende Schlüssel hängen. Beim Öffnen der neuen Geschäftsstelle – frisch eingerichtet für eine Hilfskraft – braucht es einige Versuche, bis sie den richtigen findet.

Von hier aus wird ihre Kollegin künftig den Belegungsplan organisieren, Buchungen und Personal koordinieren. Der logistische Motor des AOV ist über die Jahre gewachsen: Die Halle ist nonstop ausgebucht, teilweise mehrfach. „Unten tanzt der Country Club, oben übt der Musikverein“, lacht Viola. „Durch die neuen Schallschutzelemente funktioniert das jetzt wunderbar.“

Neue Räume, neue Ideen

Oben in der Halle, auf der Empore, werden die letzten Handgriffe am neuen Mehrzweckraum vorgenommen. Das knallgelbe Konstrukt dient künftig kleineren Veranstaltungen – mit dem Vorteil, dass man hier endlich begrenzt heizen kann, ohne die ganze Halle auf Temperatur zu bringen. Parallel laufen die Arbeiten draußen: Der Parkplatz erhält eine neue Decke und grüne Elemente, damit er als großer Festplatz dienen kann.

An Veranstaltungen mangelt es Odenheim bekanntlich nicht. Der Kalender ist bereits jetzt randvoll. Künftig kümmern sich Viola und ein deutlich jünger gewordener AOV-Vorstand darum. „Wir müssen erst mal unsere gemeinsame Linie finden, zusammenwachsen“, sagt sie – schon wieder auf dem Sprung ins Östringer Rathaus, wo sie im Hauptamt für Tourismus und Kultur zuständig ist.

Odenheim feiert – Bild: Michel Rothfritz

Ein Interessenskonflikt? „Die Frage habe ich mir auch gestellt“, gibt Viola zu. Nach Rücksprache mit dem Hauptamtsleiter und dem Bürgermeister sei man jedoch zu dem Schluss gekommen: „Eher eine Win-Win-Situation.“Robert Laub sieht das pragmatisch: „N’gute Kontakt zum Berjermoischda isch a wichtig.“

Ein Schatz für die Zukunft

Im Rathaus weiß man genau, was man an der lebendigen Vereinslandschaft hat: einen echten Schatz und einen Garant dafür, dass der Sprung von heute nach morgen gemeinsam gelingt – harmonisch und mit Schwung.