Reihenweise gute Laune

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Sinsheims einziger Faschingsumzug in Reihen mag zwar klein sein, sorgt dafür aber für ganz großen Spaß.

Wenn Sie schon immer einmal miterleben wollten, wie es aussieht, wenn ein Dorf für ein paar Stunden seine Einwohnerzahl verzehnfacht, dann sei Ihnen ein Besuch des Faschingsumzugs in Reihen, einem der kleineren Sinsheimer Ortsteile, wärmstens empfohlen. Was der Reihener Carnevals Verein – übrigens nur ein Jahr von seinem großen runden 50-jährigen Jubiläum entfernt – hier auf die Beine stellt, ist einfach bemerkenswert. Die Logistik dahinter ist sicher nicht von schlechten Eltern, denn auch wenn der Umzug nur überschaubare 17 Zugnummern stellt, kommen die Menschen (Achtung, Mörder-Gag) reihenweise nach Reihen, um hier die tapferen Last-Men-Standing der Sinsheimer Straßenfasnacht zu feiern. Jede Gasse, jeder Winkel, jeder Feldweg wird dann zugeparkt, anders ließen sich die Besuchermassen in Reihen auch kaum verdauen.

Natürlich war in diesem Jahr die Ausgangssituation auch ganz hervorragend, schließlich hat nicht jeder Umzug das Glück, bei frühlingshaften Temperaturen und ungestörtem Sonnenschein um die Häuser zu ziehen. Alles hat gepasst, beste Voraussetzungen für eine gelungene Gaudi. Um halwer Zwei setzten sich die Narren irgendwo in den Untiefen eines Reihener Wohngebietes dann in Bewegung, ganz gemächlich per Pedes oder in manchen Fällen (ebenfalls ganz gemächlich) mit dem Trecker. Die Lindenstraße hinab über die Mühlstraße am alten Löwen vorbei zur Lindenbaumhalle. Eine Strecke von ein paar hundert Metern, jedoch eng gesäumt von unzähligen Menschen, die fröhlich und ausgelassen die bunte Truppe feierten.

Angeführt wurde der Tross von den neuerdings in Reihen heimischen Guggenmusikern der „Ghost-Guggs“. Mädele-Rosa und Bubele-Blau geschminkt, ließen sie es so richtig krachen – ein getrommelt- und blechgeblasener Ohrwurm nach dem anderen. Danach die verschiedenen Abteilungen der Gastgeber, der RCV Reihen mit den Kuckuckskindern, der Minigarde, der Prinzengarde, der Blau-Weiß-Garde, den Tanzmariechen, den Silbergirls und den Zipfelklatschern. Danach, hoch auf dem blauen Wagen, der Elferrat – sogar mit einem Promi an Bord: Sinsheims mehr oder minder nagelneuer OB Marco Siesing. Letzterer übrigens äußerst treffsicher: Eine Salve Gutsele mit Schmackes uff de Detz unseres Fotografen hätte die Berichterstattung an dieser Stelle fast mit einem fotocus interruptus beendet – gut, dass wir Hügelhelden echter Dickschädel sind.

Aber ja, auf einem Umzug kann vieles passieren: Das allgegenwärtige Fußballspielen mit Klopfer-Flaschen, die sich auf dem harten Asphalt in einen Scherbenhaufen verwandeln, gehört zu den Risiken, die nicht unbedingt hätten sein müssen. Auch die fette Limousine, die falsch abgebogen von den Ordnern durch die dichte Menschenmenge eskortiert werden musste, ließ hier und da ein paar trockene Schluckgeräusche hören. Doch eines, und das gilt es wirklich dick hervorzuheben, muss man dem RCV wirklich hoch anrechnen: Die Arbeit der Ordner war tadellos. Sie sorgten für einen reibungslosen Umzug, hielten die Strecke frei – und das Ganze mit einer Mischung aus sanfter Bestimmtheit und närrischer Fröhlichkeit. Hier können sich andere Organisatoren – und glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung – definitiv eine Scheibe abschneiden.

Nach dem RCV lief im Grunde ganz Reihen, und mit ihm die halbe Nachbarschaft auf. Das DRK, die Burghexen, die Fußballer, die Schisslhocker, die Feuerwehr, die Handballer, die Kegler, die Schützen… dazu noch mehr Gugge von den Brucchbadschern und jede Menge bunte Kostüme, Kamelle und Konfetti. Nach einer Stunde war die Karawane bereits vorübergezogen, das Fest sollte aber damit erst beginnen. Party nonstop im Reihener Wohnzimmer, der Lindenbaumhalle – und das ohne jeden Zweifel bis in die Puppen.

Heute wird noch gefeiert in Reihen, morgen lautstark geheult, dann gilt es, die Fasnacht zu beerdigen oder vielmehr zu verbrennen. Das schon beim Umzug hoch am Laternenmast aufgeknöpfte Schlumpel wird dann unter dem Abgesang der Narren in Flammen aufgehen. Doch wie der Phönix aus der Asche wird auch die Fasnacht in Reihen 2026 wieder auferstehen. Und es wird sicher wieder arg schee!

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