Grundsätze zur Waldbewirtschaftung in der nächsten Dekade beschlossen
Von Wolfgang Braunecker / Stadt Östringen
Mit der forstlichen Betriebseinrichtung, einem besonderen strategischen Planungsinstrument für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, wird in Deutschland schon seit dem frühen 19. Jahrhundert der Zustand von Waldflächen ab einer bestimmten Größe in regelmäßigen Abständen im Wege einer Inventur systematisch erfasst und dokumentiert und werden damit verbunden die kurz- und mittelfristigen Ziele und Vorgaben für Holznutzung, Waldpflege und Aufforstung in dem jeweiligen Gebiet formuliert.
Eine solche Forsteinrichtung, und zwar für den Zeitraum von 2026 bis 2035, wurde jetzt auch wieder für den Stadtwald Östringen erarbeitet und deren Resultate wurden nun dem Gemeinderat von den Experten der staatlichen Forstverwaltung präsentiert und erläutert.
Als sogenannter „Taxator“ hatte in den zurückliegenden Monaten der Diplom-Forstwirt Oliver Braun zusammen mit Revierleiter Jochen Kaiser alle Bestände des Östringer Kommunalwalds eingehend in den Blick genommen. Den Mitgliedern des Gemeinderats konnte Braun nun mitteilen, dass die Betriebsfläche des Stadtforsts zum 1. Januar 2026 insgesamt 939 Hektar betragen hat. Von dieser Betriebsfläche entfallen 907,1 Hektar auf die sogenannte Holzbodenfläche, somit auf die mit Bäumen und Sträuchern bestockten beziehungsweise vorübergehend nicht bestockten Zonen, während sich der „Nichtholzboden“, hierunter fallen vor allem die Waldwege, auf 31,8 Hektar summiert.
Im Vergleich zur vorhergehenden Forsteinrichtung, die vor mittlerweile 11 Jahren beschlossen wurde, ergibt sich eine Flächenzunahme des Östringer Stadtwalds von insgesamt 6,3 Hektar, was im Wesentlichen auf diverse Aufforstungsmaßnahmen und Waldankäufe aus Privatbesitz zurückzuführen ist.
Wie Taxator Braun bei der Berichterstattung im Gemeinderat verdeutlichte, wurde die Erfassung des Waldzustands als temporäre Stichprobeninventur durchgeführt. Im Umfeld von insgesamt 448 Stichprobenpunkten wurden dabei die Durchmesser und die Größe der vorhandenen Bäume gemessen, das Totholz erhoben sowie außerdem der Deckungsgrad der Naturverjüngung und deren Verbissgrad eingeschätzt.
Insbesondere die starke Präsenz von Buche und Eiche entspricht nach den Angaben des Forst-Taxators dem überlieferten natürlichen Waldgesellschaftsbild für große Teile des Östringer Stadtwaldes. Die Verteilung der Baumarten ist von einem mit rund 90 Prozent sehr hohen Laubholzanteil geprägt, der somit binnen einer Dekade nochmals um 6 Prozentpunkte zugelegt hat.
Vor allem als Folge klimabedingter Schäden, übermäßiger Trockenheit und hartnäckigem Schädlingsbefall ist demgegenüber der Anteil von Nadelbäumen im Stadtwald auf jetzt lediglich noch 10 Prozent zurückgegangen, den weitaus größten Anteil daran hat die Douglasie, während Fichte und Lärche jeweils nur noch 1 Prozent des gesamten Baumbestands ausmachen. Als Auswirkung des seit mittlerweile schon rund 20 Jahren im Südwesten Deutschlands grassierenden Eschentriebsterbens hält auch diese Baumart im Östringer Stadtwald inzwischen lediglich noch einen Anteil von 2 Prozent. Zunehmende Bedeutung erlangen andererseits sogenannte Nebenbaumarten wie Elsbeere, Kirsche, Nuss, Roteiche oder verschiedenen Ahornarten, die zur Diversifizierung und Risikostreuung beitragen.
Wie Oliver Braun weiter berichtete, weist der Altersklassenaufbau im Stadtwald aus forstfachlicher Sicht eine ausreichende Differenzierung auf. Um etwa 10 Prozent zurückgegangen ist in den vergangenen Dekade der sogenannte Holzvorrat des Stadtwalds, auch das wurde nun bei der Berichterstattung zum neuen Forsteinrichtungswerk hervorgehoben. Die maßgeblichen Gründe dafür identifizierte Taxator Oliver Braun in den vergleichsweise umfangreichen „Zufallsnutzungen“ der letzten Jahre, bei denen ungeplante Holzeinschläge beispielsweise wegen erheblicher Trockenschäden getätigt werden mussten, die nicht über einen längeren Zeitraum hinweg vorhersehbar waren. So kam man im Östringer Stadtwald unter anderem schon 2019 und 2020 nicht umhin, starke und flächenhafte Trockenschäden in Altbeständen der Buche aufzuarbeiten.
Wie bei der Gemeinderatssitzung weiter bekanntgegeben wurde, sind in der zurückliegenden, insgesamt elf Jahre andauernden Forsteinrichtungsperiode im Stadtwald Östringen 65.100 Festmeter Holz geerntet worden. Allein 38.000 Festmeter oder umgerechnet 58 Prozent des Gesamteinschlags entfielen allerdings auf solche überwiegend durch Dürre oder Insektenbefall verursachten „zufälligen Nutzungen“.
Im Stadtwald Östringen liegt der durchschnittliche Holzvorrat je Hektar Holzboden aktuell bei 289 Vorratsfestmetern je Hektar – zum Vergleich: für den Kommunalwald im Landkreis Karlsruhe ist diesbezüglich momentan ein Wert von 285 Vorratsfestmetern je Hektar erfasst.
Für die im Östringer Kommunalforst bevorstehende nächste zehnjährige Bewirtschaftungsperiode gingen Taxator Oliver Braun, Forstamtsleiter Thomas Nissen vom Karlsruhe Landratsamt sowie Revierleiter Jochen Kaiser nun von einer planmäßigen Holznutzung im Umfang von 49.700 Festmetern aus, während der natürliche Zuwachs im Stadtwald im selben Zeitraum auf 64.400 Festmeter veranschlagt wird.
Ein thematischer Schwerpunkt in der näheren Zukunft soll in Östringen neben der konsequenten Anpassung des Stadtwalds an die sich rasch verändernden klimatischen Rahmenbedingungen die Umsetzung eines Waldnaturschutzkonzepts sein, bei dem insgesamt 45 Hektar Forstfläche als Waldrefugien ausgewiesen und stillgelegt werden.
Zur nachhaltigen Sicherung des hohen Eichenanteils im Stadtwald Östringen, der in den baden-württembergischen Forsten damit eine Sonderstellung einnimmt, sollen ferner mit Hilfe von „Schirmschlägen“ mit anschließender flächenhafter Räumung etwa 4.000 Festmeter Holz geerntet und damit zusammenhängend 16 Hektar Eichenquartiere im Wege der Naturverjüngung eine neue und weit in die Zukunft tragende Perspektive erhalten.
„Die kommunale Forstwirtschaft kommt einem Generationenvertrag gleich“, hob Bürgermeister Felix Geider jetzt anlässlich der Vorstellung des neuen Forsteinrichtungswerks im Gemeinderat hervor und stellte damit verbunden heraus, dass sich in Östringen Verwaltung und Gemeinderat schon zu allen Zeiten zu einer nachhaltigen und die natürlichen Ressourcen bewahrenden Waldbewirtschaftung bekannt hätten.
Bei einer öffentlichen Waldbegehung im Herbst will Revierleiter Kaiser der interessierten Bevölkerung die wesentlichen Ergebnisse und Ziele des Forsteinrichtungswerks 2026 – 2025, die jetzt vom Gemeinderat einstimmig beschlossen wurden, noch einmal vor Ort im Stadtwald näherbringen. Schon im vorigen Jahr hatte der Gemeinderat ein Leitbild für den Gemeindeforst vorgegeben, demzufolge es dort um den Aufbau, die Pflege und den Erhalt naturnaher, standortgerechter und stabiler Wälder gehen muss, die den vorgegebenen Ökosystemleistungen Rechnung tragen und damit zusammenhängend insbesondere ihre Klima-, Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen auch für künftige Generationen zuverlässig erfüllen können.