Meine Oma kriegt ihr nicht

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Eine ehrliche Ankündigung an alle Trickbetrüger da draußen

von Thomas Gerstner

Liebe Telefon-Trickbetrüger,

Das Sommerloch scheint es für euren Berufsstand nicht zu geben. Wie die Polizei Karlsruhe uns heute in einer dringlichen Mail schreibt, habt ihr in ihrem Zuständigkeitsbereich allein gestern nicht ein-, nicht zwei- oder gar dreimal, sondern gleich siebzehn mal zugeschlagen. Bei eurem Vorgehen seid ihr um gute Ideen nicht verlegen. Mal erzählt ihr der alten Dame oder dem alten Herrn am Ende der Leitung ihr wäret ihr Enkel und bräuchtet aus einer Notsituation heraus Geld, oder ihr gebt euch als falsche Polizisten aus und erzählt dass ihr das Geld der armen Leute in Sicherheit bringen wolltet um sie so vor gar diebischem Einbrecher-Gesindel schützen zu wollen. Nicht selten seid ihr mit dieser Masche erfolgreich und bringt die alten Menschen in der Folge um einen Großteil ihres Ersparten und in Gänze um Ihr Vertrauen in diese Welt.

Liebe Betrüger, könnt ihr euch eigentlich noch an den Punkt in eurem Leben erinnern an dem ihr beschlossen habt aus der Gesellschaft auszuscheren um stattdessen ein Dasein als widerliches, schleimiges rückgratloses Otterngezücht zu fristen? Was muss denn bei euch alles schief gelaufen sein, um auf die Idee zu kommen wehrlose alte Menschen zu verarschen, zu betrügen, zu bestehlen und zu brechen. Jene Menschen – eure Großmütter und Großväter – die nach einem nicht selten harten und entbehrungsreichen Leben im Nachkriegsdeutschland euren heutigen Wohlstand ermöglichten? Jene, die tagtäglich mit der Schwere des Alters und dem langsamen Entschwinden von Freunden und Familie kämpfen müssen?

Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen wie weit und tief man sinken muss um ein solch elender Feigling zu werden, der derart wehrlose und schwache Opfer auswählt um sich an ihnen zu bereichern. Schämt ihr euch eigentlich dafür? Nun, vermutlich eher nicht. Scham ist schließlich ein Gefühl das niedrigen Lebensformen nicht zu eigen ist. Dennoch fällt es mir unendlich schwer zu begreifen dass ihr die Edelmütigkeit, die Großherzigkeit aber auch die Ängste eurer Opfer gegen sie selbst gebraucht – das macht traurig und sprachlos zugleich.

So ist und bleibt es die traurige Pflicht von uns Kindern und Enkeln unsere Großeltern auf die Existenz solch widerwärtiger Menschen wie ihr es seid, aufmerksam zu machen und sie dafür zu sensibilisieren. Wie traurig sie in ihrem hohen Alter noch diese Form des Misstrauens zu lehren, die in ihrem bisherigen Leben nicht von Nöten war.

Ach ja, liebe Telefonbetrüger, eines noch: Ich hingegen werde meine Großmutter bitten auf jedes euer gottlosen Spielchen einzugehen und einen Treffpunkt für die Übergabe des von euch durch Betrug und Lug ergaunerten Geldes zu vereinbaren. Nur kann ich euch versichern, dort wird nicht meine liebe alte Oma auf euch warten, sondern entweder die Herren in Uniform oder der gute alte Tommy und ein paar handverlesene Freunde höchstpersönlich.

Um euretwillen möchte ich hoffen, dass es erstere sind.

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