Mach’s gut, Onkel Doc!

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Nach einer langen, weißbekittelten Karriere und rund 20.000 Geburten, geht heute der Bruchsaler Chefarzt Prof. Dr. Jürgen Wacker in den Ruhestand

Ein kleiner Abschiedsgruß von Stephan Gilliar

Ich hoffe sie kennen alle meinen Lieblingsfilm “Doc Hollywood” mit Michael J. Fox, andernfalls habe ich in Ihrem Fall den Reinholer in diese Geschichte bereits jetzt gehörig an die Wand gesetzt. How auch ever, in besagter Liebeskomödie, in der ein zunächst hochnäsiger Großstadt-Arzt dem Charme des Kleinstadtlebens erliegt, gibt es diese eine, ganz berührende Szene: Der alte, in die Jahre gekommene Dorfarzt öffnet seinen Büroschrank, der überquillt von unzähligen Fotos, von welchen ein jedes ein Baby zeigt, das der alte Mediziner im Laufe der Jahre auf die Welt gebracht hat.

Hätte Professor Wacker einen solchen Schrank in seinem Büro stehen, würde dieser verdammt groß ausfallen – über 20.000 Fotos müssten schließlich darin Platz finden. So viele Mini-Brusler hat der Doc in seinen 22 Jahren an der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal, Seite an Seite mit einem tollen Team aus Hebammen, Schwestern, Ärzt/innen Pflegern und sonstigen Geburtshelfer/innen auf die Welt gebracht. Gemeinsam haben sie im Grunde geholfen eine mittelgroße Stadt zu bevölkern, wenn das kein veritabler Fußabdruck ist, was dann?

Leuchtende Lichtgestalt – Prof. Wacker vor weißem Hintergrund

Ich erinnere mich gerne an unsere Anfänge. Das Erste was mir an Doc J. auffiel, war sein distinguiertes und einnehmendes Äußeres. Professor Jürgen Wacker sieht ein bisschen aus wie der Weihnachtsmann… sein gutmütiges Gesicht, die weißen Haare und der ebenso weiße Bart wirken auf der Stelle vertrauenserweckend, sind andererseits aber der Albtraum eines jeden Pressefotografen. Trägt der altgediente Gynäkologe zusätzlich zur weißen Haarpracht noch einen weißen Kittel, verschwindet er quasi vor einem weißen Hintergrund vollständig. Suchen muss man ihn trotzdem niemals lange, denn der 65-Jährige ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Neben seiner bisherigen Vollzeitstelle als Chefarzt an der Bruchsaler Klinik, sitzt er nebenbei im Bruchsaler Gemeinderat, ist Kreisrat, schreibt Bücher und engagiert sich in der Entwicklungshilfe in Afrika. Wie er es schafft diese tausend Dinge gleichzeitig zu stemmen, weiß niemand wirklich – es spräche aber auch wieder für die Weihnachtsmann-Theorie.

Am heutigen Mittwoch trug Professor Wacker in seiner Bruchsaler Klinik das letzte Mal den weißen Kittel. Bei einem kleinen Grillfest im Wirtschaftshof hinter dem noch fast neuen G-Bau sagte der Doc Lebewohl zu seinen vielen Mitstreitern der vergangenen 22 Jahre und ließ mit einem Buffet vom Feinsten und frisch gemixten Cocktails ein letztes Mal die Korken knallen. Zu den Laudatoren dieses besonderen Anlasses zählten Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, RKH-Boss Prof. Jörg. Martin und Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick – per Tablet zugeschaltet auch die nach einer Verletzungen zeitweilig ans Bett gefesselte Regionaldirektorin Susanne Stalder. Neben den erwartbaren Lobhudeleien gab es auch den einen oder anderen, freundschaftlichen Stoß in die Rippen, abzielend z.b. auf die legendäre Fähigkeit des Docs niemals um (viele) Worte verlegen zu sein. “Ich habe schon fast Angst, dass er sich jetzt voll auf seine Tätigkeit als Kreisrat konzentrieren kann” gab Landrat Dr. Schnaudigel dem scheidenden Chefarzt augenzwinkernd mit auf den Weg.

der Nachfolger steht schon fest: Dr. Roland Csorba folgt auf Prof. Jürgen Wacker

Eine nicht ganz unberechtigte Angst, denn auf sein Altenteil zurückziehen wird sich Prof. Dr. Jürgen Wacker selbstredend nicht. Politik und Ehrenamt bleibt er selbstredend erhalten, schließlich wird er erst 66 Jahre alt, ein Alter in dem – wenn man seinem Fast-Namensvetter Udo Jürgens glauben schenken mag – das Leben ja erst anfängt. Ich wünsche ihm in jedem Fall nur das Beste, für alles was nun kommen mag und sage Merci, für alles was bisher war. Auch meine Tochter hat der Prof. in den ersten Momenten ihres Lebens begleitet – das kleinste und gleichzeitig größte Geschenk meines Lebens. Danke lieber Weihnachtsmann, Danke Professor Wacker.

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1 Gedanke zu „Mach’s gut, Onkel Doc!“

  1. Mit Wehmut und doch großer Dankbarkeit werde ich mich an diesen hervorragenden Mediziner und Mensch immer erinnern.

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