Allerdings deutlich mehr Anzeigen zu Waren- und Warenkreditbetrug
Von Wolfgang Braunecker / Stadt Östringen
In Östringen bewegt sich die Kriminalitätsrate insbesondere auch im Vergleich mit den für das Land, den Landkreis und auch viele Nachbarkommunen verfügbaren Daten weiter auf einem erfreulich niedrigem Niveau, darüber konnte jetzt Revierleiter Gerald Gack vom Polizeirevier Bad Schönborn bei der zurückliegenden Sitzung des Gemeinderats informieren. Wie Erster Polizeihauptkommissar Gack bekanntgab, waren von der Polizei im zurückliegenden Jahr in Östringen 375 Straftaten zu bearbeiten, somit 19 Delikte oder 4,8 Prozent weniger als in den vorangegangenen zwölf Monaten.
Die sogenannte Häufigkeitszahl, eine statistische Kenngröße, mit der die Anzahl der in den verschiedenen Städten und Gemeinden erfassten Straftaten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet und damit vergleichbar gemacht wird, ist nach den Angaben von Revierleiter Gack in Östringen zuletzt nochmals um 5,2 Prozent gefallen und hat nun mit 2.820 einen neuerlichen Tiefstand erreicht. Innerhalb des Einzugsgebiets des Polizeireviers Bad Schönborn liegen die vergleichbaren Kenndaten für Kronau, Bad Schönborn und Ubstadt-Weiher teils deutlich höher, nur die Häufigkeitszahl von Kraichtal liegt unter dem Östringer Wert. Wie die Statistik der Polizei ausweist, ist für Östringen auch im landkreisweiten Vergleich sowie in der Gesamtschau für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe eine deutlich unterdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung registriert.
Was die für die Stadt Östringen erfassten Straftaten anbelangt, lag die Aufklärungsquote der Polizei auch im letzten Jahr mit 64 Prozent deutlich höher als in Nachbarrevieren beziehungsweise auf Ebene des Landkreises. In der Kraichgaustadt waren zuletzt insbesondere die Diebstahlsdelikte signifikant rückläufig. Nachdem es die Polizei 2023 noch mit 114 dementsprechenden Fällen zu tunhatte, mussten die Beamtinnen und Beamten des Polizeipostens sowie des Polizeireviers 2024 nur noch 87 Mal zu den Taten von Langfingern ermitteln.
Innerhalb der Östringer Stadtgrenzen wurde 2024 lediglich noch ein Tageswohnungseinbruch verübt – der Begriff steht in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für einen zwischen 6 Uhr am frühen Morgen und 21 Uhr am Abend verübten Diebstahl aus Wohnräumen. Insgesamt hatte die Polizei im vorigen Jahr in Östringen allerdings zehn Wohnungseinbrüche zu untersuchen, somit drei mehr als im vorangegangenen Vergleichszeitraum. Wie Revierleiter Gack indessen berichtete, sei „nahezu die Hälfte“ dieser Wohnungseinbrüche im Versuchsstadium steckengeblieben, was er unter anderem auf verbesserte Sicherungsmaßnahmen durch die Hauseigentümer, die Aufmerksamkeit von Nachbarn und auch auf die intensivierten Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen der Polizei zurückführte.
Vergleichsweise häufig kommt es nach wie vor zu an sich vermeidbaren Diebstählen aus nicht abgeschlossenen Kraftfahrzeugen, in 2024 wurden diesbezüglich in Östringen 19 entsprechende Fälle registriert. Wie Revierleiter Gack weiter berichtete, hat in Östringen die Anzahl von Gewaltdelikten im öffentlichen Raum um 15,9 Prozent zugenommen, was allerdings wiederum einem bundesweiten Trend entspreche. „Wir beobachten, dass die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt weiterhin sinkt“, analysierte Gack und sah insoweit nicht zuletzt auch Politik und Zivilgesellschaft gefordert, diesem Trend entgegenzuwirken.
Entsprechend einem landes- und bundesweiten Trend haben in Östringen auch die Vermögens- und Fälschungsdelikte weiter zugenommen, besonders in der Kategorie des Waren- und Warenkreditbetrugs. In vielen Fällen erweisen sich Vermeintliche „Schnäppchen“ im Internet als Abzocke, wenn beispielsweise äußerst minderwertige oder untaugliche Produkte geliefert werden und eine Rückabwicklung faktisch unmöglich ist. Allein in dieser Unterkategorie hatte es die Polizei in Östringen 2024 mit 30 Fällen zu tun, was im Vergleich zum vorangegangenen Jahr einer Steigerung von knapp 67 Prozent entspricht.
Die Anzahl von Rauschgiftdelikten nach dem Betäubungsmittelgesetz war zuletzt, gewiss auch als Folge der teilweisen Legalisierung von Cannabisprodukten, deutlich rückläufig. 2023 wurden im Bereich der Stadt Östringen 2023 noch 42 dementsprechende Ermittlungsverfahren anhängig, während im letzten Jahr lediglich 12 einschlägige Fallakten eröffnet wurden.
Bei der Statistik der Polizei zu den tatverdächtigen Personen hat der Anteil von jungen Erwachsenen im Alter unter 21 Jahren, die unter Alkoholeinfluss mutmaßlich eine Straftat begangen haben, zugenommen. Rückläufig, und zwar um 17,3 Prozent, war hingegen der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger, von insgesamt 219 als tatverdächtig erfassten Personen hatten 67 keinen deutschen Pass.
Über das Unfallgeschehen des vorigen Jahres auf den Straßen im Bereich derStadt Östringen berichtete bei der Sitzung des Gemeinderats Polizeioberkommissarin Christina Heneka vom Bad Schönborner Polizeirevier. Wie Heneka informierte, wurden 2024 insgesamt 313 Unfälle dokumentiert, damit 10 weniger als ein Jahr zuvor. 186 Kleinstunfällen standen dabei 92 Karambolagen mit erheblichen Sachschäden und 35 Unfälle mit Personenschäden gegenüber. 2024 waren beim Unfallgeschehen auf den Gemarkungen der Stadt Östringen ein Verkehrstoter sowie sechs Schwerverletzte zu beklagen.
Nach den Ausführungen von Polizeioberkommissarin Heneka waren im Östringer Stadtgebiet keine expliziten Unfallschwerpunkte auszumachen, vielmehr korrelierten die Fallzahlen allermeistens mit dem Verkehrsaufkommen auf bestimmten Straßen. Eine gewisse Unfallhäufung wurde hingegen in der Kernstadt an der Kreuzung von Rettigheimer Straße (K 3521) und Wiesenstraße beobachtet, hier wird die Stadt im Benehmen mit der für die in Richtung Rettigheim führenden Kreisstraße zuständigen Unteren Straßenverkehrsbehörde des Karlsruher Landratsamts zeitnah die Optionen für verkehrslenkende Maßnahmen prüfen. Alkohol- oder Drogenkonsum spielte bei den 2024 von der Polizei im Stadtgebiet registrierten Unfällen keine Rolle.
Erster Polizeihauptkommissar Gack stellte den kommunalen Kriminalitäts- und Verkehrslagebericht für Östringen nun letztmals dem Gemeinderat vor, denn mit Ablauf des Monats Oktober wird der Leiter des Bad Schönborner Polizeireviers in den Ruhestand eintreten. Bürgermeister Felix Geider nutzte daher den Rahmen der zurückliegenden öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments unter dem prasselnden Beifall der Mandatsträgerinnen und Mandatsträger zu einem nachdrücklichen „Dankeschön!“ an die Adresse von Gerald Gack für die langjährige vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit.
