Im Land der Grünen Kreuze

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Was bedeuten die Mahnmale auf unseren Feldern und Weinbergen?

Am Anfang war Willi. Das erste Grüne Kreuz hat ein Agraringenieur aus dem Rheinland, besser bekannt als “Bauer Willi” auf seinem Acker aufgestellt. Mittlerweile schließen sich immer mehr Bauern diesem symbolischen Akt an – auch bei uns im Kraichgau stößt man von Tag zu Tag auf mehr hölzerne, grüne Kreuze auf den Feldern und Weinbergen.

Für was stehen die Kreuze?

Stein des Anstoßes ist ein Sonderprogramm der Bundesregierung mit dem diese dem Insektensterben in Deutschland entgegenwirken will. Tatsächlich ist hier zweifelsohne dringender Handlungsbedarf geboten, je nach Studienlage sprechen Forscher von 70% bis 80% Rückgang der Insekten-Populationen in den vergangenen Jahrzehnten, ohne dass dabei ein Ende in Sicht wäre. Zentrale Aspekte der vielfachen Ursachen hierfür, sind mitunter der Klimawandel, Umweltgifte aber auch die intensive Landwirtschaft der Agrarbetriebe. Als sicher gilt dass durch den Wegfall unberührter Natur und durch die Erschließung neuen Baugrundes, Ackerlandes und der Zunahme versiegelter Flächen, vielen Insekten die Lebensgrundlage mehr und mehr entzogen wird.

Weltweit verschwinden immer mehr Insekten

Aus diesen Gründen haben das Bundesumweltministerium und das Landwirtschaftsministerium bereits im Mai 2018 einen Aktionsplan angekündigt, der ausgestattet mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Euro, unter anderem den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark einschränken soll und ein Verbot der Düngung von Ackerrandstreifen vorsieht. Rückenwind erhält dieses Vorhaben von einer globalen Studie zum weltweiten Insektenrückgang die Anfang des Jahres erschien. Demnach seien weltweit 40 % aller Insekten-Arten von der Ausrottung bedroht, darunter Schmetterlinge aber auch Bienen, Wespen, Ameisen und Käfer. Bei der Bevölkerung stößt diese Thematik offenbar auf offene Ohren – wie wichtig Insekten für unser Ökosystem sind, ist schließlich kein Geheimnis. Weniger Bienen bedeuten weniger Bestäubung und damit massive Probleme für Bestand und Fortpflanzung der Flora. Das seit Gründung der Bundesrepublik erfolgreichste Volksbegehren mit 1,7 Millionen Befürwortern in Bayern, setzte im Februar 2019 thematisch auf einen stark verbesserten Schutz für die Bienen im Freistaat.

Bauern fühlen sich als Sündenböcke gebrandmarkt

Obgleich viele Bauern zweifelsohne auch für den Schutz der Artenvielfalt und der Insekten einstehen, gehen ihnen aber die Pläne des deutschen Agrarpaktes zu weit. Sie sehen sich in der aktuellen politischen Diskussion vermehrt als Sündenböcke und fordern stattdessen eine maßvolle Umsetzungen des Aktionsprogramms. Die Grünen Kreuze drücken aber auch den stillen Protest gegen die baden-württembergische Variante des Volksbegehrens zum Schutz der Bienen aus. Weil über 36.000 Menschen im Ländle die Petition unterzeichneten, erklärte Stuttgart im Sommer das Vorhaben für zulässig und reif für die Abstimmung. Votieren die Baden-Württemberger dafür, stehen umfangreiche Neuerungen für die Landwirtschaft auf dem Programm: Eine 50-Prozentige Pflichtquote für Ökolandbau auf den Feldern, eine Halbierung der mit Pestiziden bearbeiteten Anbauflächen und weitgehende Verbote diesbezüglicher Präparate.

Besonders kritisch sieht man aus landwirtschaftlicher Sicht die überstürzte Reduzierung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Ohne diese könnten manche Nutzpflanzen nicht mehr effektiv angebaut werden und würden früher oder später von den Feldern verschwinden. Nicht wenige Bauern und Winzer formulieren in diesem Zusammenhang auch Existenzängste bis hin zu möglichen Betriebsschließungen. Aus diesem Grund ploppen auf Äckern und Weinbergen im Kraichgau dieser Tage überall die Grünen Kreuze aus dem Boden. Sie sollen zum Nachdenken anregen und auf die Sorgen der Landwirte aufmerksam machen.

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