Die Kraichbachniederungen sind Orte voller wilder Schönheit
Fast 50 Hektar Fläche umfasst das Naturschutzgebiet Kraichbachniederungen zwischen den beiden Kraichtaler Stadtteilen Unteröwisheim und Münzesheim. Vor rund 40 Jahren wurde das grüne Band, in dessen Mitte sich der Kraichbach schlängelt, unter Naturschutz gestellt. Kein Wunder, schließlich leben zahlreiche wilde und teilweise seltene Tiere in diesem Gebiet. Schon in den siebziger Jahren setzten sich Naturschutzverbände für den Erhalt dieser bemerkenswert vielfältigen Talaue ein, da immer mehr des fruchtbaren Bodens in landwirtschaftliche Nutzfläche verwandelt wurde. Die Umwandlung in landwirtschaftlich genutzte Flächen hat auch bis heute Spuren hinterlassen. Künstliche Bewässerungsgräben wurden eingezogen, andere natürliche Wasservorkommen in ihrer ursprünglichen Ausprägung damit beeinträchtigt. Dort, wo Klumpbrunnbach und Kraichbach einander begegnen, soll es früher sogar einst eine ergiebige Schwefelquelle gegeben haben, doch heute ist davon kaum noch etwas zu sehen.

Dennoch hat die Ausweisung als Schutzgebiet dem Auenland sichtbar gutgetan. Das einzige menschliche Wirken beschränkt sich auf die Passage der Stadtbahn und – besonders am Wochenende – den regen Fahrradverkehr zwischen den beiden Kraichtaler Stadtteilen. In ganzen Kolonnen sieht man hier bei schönem Wetter Spaziergänger und Radfahrer auf den breiten Wegen, die die hiesige, für den Kraichgau geradezu selten-flache Topografie zu schätzen wissen. Hier lässt es sich ohne Mühe vorankommen, ohne das übliche „Auf und Ab“.

Eilig hat es hier in der Talaue niemand, dafür gibt es einfach zu viel zu sehen, völlig egal, welche Jahreszeit gerade vorherrscht. Auf den weitläufigen Wiesenlandschaften tummeln sich Reiher und derzeit sogar wieder die aus dem Süden zurückgekehrten Störche. Manchmal stoßen zu später oder früher Stunde sogar ein paar Rehe aus dem Dickicht hervor und kreuzen eilig die Szenerie. Wer ganz früh auf den Beinen ist, erlebt die Niederungen als regelrecht magischen Ort. Dann liegt Frühnebel über den Wiesen, weiß und geheimnisvoll – ein Bild für das Herz und für das Auge.




Wer die Niederungen selbst erleben möchte, startet am besten am Bahnhof in Oberöwisheim, wandert entlang der Mühle und hält sich dann rechter Hand immer entlang des Kraichbachs. Für alle, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ist das ohnehin die ideale Strecke, da sie, wie gesagt, nahezu ohne Hindernisse über flaches Land führt. Am Ende ist sogar die Rückfahrt mit der Stadtbahn von Münzesheim aus an den Ursprungsort problemlos möglich. Wer etwas mehr möchte, der kann den Rückweg aber auch über die sanften Hügel zwischen Münzesheim und Neuenbürg wählen, vorbei am schönsten Kraichtaler Rastplatz, dem Hühnerbüschle, und wieder hinab nach Oberöwisheim.






Sollten Sie immer noch nicht genug haben, dann sei Ihnen auch das spiegelverkehrt liegende Stück Land auf der anderen Seite der Landstraße empfohlen. Hier zeigt der Kraichgau sein typisches und wunderbar harmonisches Gesicht. Es gibt tief in die Landschaft eingegrabene Hohlwege, sanft gluckernde Bachläufe, knorrige Obstbäume, mächtige Trauerweiden und die sanft geschwungenen Hügel, die vermutlich auch J. R. R. Tolkien zu schätzen und lieben gewusst hätte.
