Glasfaserausbau in der Region nicht überall in trockenen Tüchern

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Nachfrage in Philippsburg, Kronau und Kraichtal aktuell nicht ausreichend

Brauche ich das, oder brauche ich das nicht? Vor dieser Frage stehen derzeit sehr viele Hausbesitzer in der ganzen Region. Das Unternehmen “Deutsche Glasfaser” will den Ausbau der schnellen Internetanschlüsse vorantreiben und kooperiert hierbei mit zahlreichen Gemeinden in der Region. Der Deal: Wenn eine gewisse Anzahl an Interessenten pro Kommune das Angebot wahrnimmt und einen entsprechenden Vertrag abschließt, übernimmt das Unternehmen den kompletten Aufbau inklusive aller erforderlicher Arbeiten. Für die Kommunen ist das im Grunde eine Win-Win-Situation – sie sparen sich die teuren Bauarbeiten aus eigener Tasche und erhalten dennoch ein modernes und schnelles Netz für die eigene Bürgerschaft.

Brauche ich das?

Doch der Kraichgauer muss bekanntlich ab und zu zum Jagen getragen werden und so spielt derzeit die Überzeugungsarbeit vielerorts eine entscheidende Rolle um die kritische Marke zu erreichen. Zahlreiche Menschen stellen sich die eingangs gestellte Frage, ob ein solcher Anschluss für die eigenen Bedürfnisse überhaupt vonnöten ist. Eine Frage die natürlich nicht pauschal beantwortet werden kann, jeder muss hier seine eigenen Prioritäten individuell abklären. Vielen reichen die bereits vorhandenen Netzgeschwindigkeiten für die eigenen Ansprüche völlig aus, so dass ein Upgrade auf Glasfaser nicht wirklich notwendig erscheint. Dennoch darf man die Zukunft dabei nicht außer Acht lassen. Tatsache ist: Immer mehr Tagtägliches spielt sich online ab, Datenübertragungsraten müssen mit den Anwendungen Schritt halten. Immer mehr verlagert sich zudem beispielsweise der TV Genuss auf Streaming-Dienste, für den Beruf werden höhere Transferraten irgendwann zudem unabdingbar sein. Zu guter Letzt wäre da noch das Argument der Wertentwicklung der eigenen Immobilie. Mit einem schnellen Glasfaseranschluss im Keller, dürfte ein Grundstück eher an Attraktivität und Wert gewinnen.

Eine einfache Rechnung

Schauen wir uns das Für und Wider ganz konkret an. Wer dabei sein möchte, muss einen zweijährigen Vertrag abschließen. Dieser zweijährige Vertrag kostet im kleinsten Paket im ersten Jahr 24.99 im Monat und im zweiten Jahr dann 44.99. Dafür erhält man einen Glasfaseranschluss mit einer Geschwindigkeit von 300 MBit. Andere Anbieter sind hier günstiger, doch müssen beim Vergleich auch die zugrunde liegenden Technologien gegeneinander abgewogen werden. Anschlüsse über TV-Kabel oder LTE gelten beispielsweise als so genanntes Shared Medium, die Geschwindigkeit variiert also je nach Auslastung durch umliegende Nutzer. Knackpunkt ist aber der Anschluss ans Glasfasernetz, der in der Offerte von „Deutsche Glasfaser“ bereits enthalten ist. Dabei darf nicht vergessen werden dass ein Meter Tiefbau etwa 100 Euro kostet, in Zeiten von Materialknappheit und Handwerkermangel in der Tendenz stark steigend. Nach zwei Jahren hätte man also einen bereits abbezahlten Glasfaseranschluss und kann danach, wenn man möchte, auch einen x-beliebigen anderen Telekommunikationsanbieter wählen. Wer erst nach dem Start der Sondierungsphase die Entscheidung trifft, muss den Anschluss aus eigener Tasche bezahlen. Dies kostet dann je nach Grundstück und Lage einen hohen dreistelligen, eher aber einen vierstelligen Betrag – lange Wartezeiten müssen zudem einkalkuliert werden. Klar, wer sich sicher ist mit den via Kupferkabel heute möglichen Geschwindigkeiten auch mittelfristig zurecht zu kommen, kann sich den Aufwand sparen, doch muss man sich eben darüber bewusst sein, dass diese Anschlusstechnik limitiert ist.

Grüne und gelbe Lichter in der Region

Die Menschen folgen diesen Argumenten in den unterschiedlichen Gemeinden im nördlichen Landkreis Karlsruhe sowie im Rhein-Neckar-Kreis unterschiedlich motiviert, manche eher verhalten. In trockenen Tüchern ist der Ausbau derzeit bereits in Graben-Neudorf, in Rheinsheim, in Huttenheim, in Dettenheim, in Hambrücken und in Ubstadt-Weiher. Ob hingegen in Philippsburg, in Kronau oder in Kraichtal die schnelle Glasfaser ausgebaut wird, hängt derzeit noch in der Schwebe. Philippsburg beispielsweise hat seinen “Soll” in der Phase der Nachfragebündelung bei weitem nicht erfüllt, das Unternehmen “Deutsche Glasfaser” hat deshalb die Frist bis Ende des Monats verlängert. Auch in Kronau und in Kraichtal ist man noch ein gutes Stück davon entfernt das notwendige Drittel der Haushalte zu erreichen, wenngleich auch hier die Nachfragephase später begonnen hat und man dementsprechend noch mehr Zeit hat um die Glasfaser-Schäfchen ins Trockene zu bringen. In Kronau liegt die Quote derzeit bei etwa 16% in Kraichtal bei 14%.

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15 Gedanken zu „Glasfaserausbau in der Region nicht überall in trockenen Tüchern“

  1. Hallo,
    bei Vodafone Kabel kostet 1 GB-Anschluss knapp 40 €, bei Deutsche Glasfaser nach Ablauf des ersten Jahres knapp 90 €, also mehr als das Doppelte. Man spart pro Jahr somit 600 €. …. und ob die Immobilie damit mehr wert ist, ist doch nur relevant wenn man sein Haus verkaufen möchte.
    Sollte die Deutsche Glasfaser die Preise angleichen, könnte ich mir vorstellen auf Glasfaser umzustellen. Aber die Preisdifferenz möchte ich nicht bezahlen.

    • Der Vergleich hinkt, da Vodafone ja nicht für Sie die Straße aufreißt und ihnen einen Anschluss in den Keller legt…

      • Das Modem in der Wohnung am Ende der funktionierenden1 GB-Leitung merkt nicht, dass die Erde aufgerissen und eine neue Leitung in den Keller gelegt wurde. Der Geldbeutel monatlich dagegen schon.

    • Das ist aber eine falsche Rechnung, denn 1 GB Kabel lassen sich nicht mit 1 GB Glasfaser vergleichen. Man hat zwar 1 GB Kabel Vertrag bzw bis zu, in den seltensten Fällen erhält man die Bandbreite. Bei Glasfaser reicht viel weniger für eine bessere Verbindung. Vom Upload gar nicht zu sprechen, der immer deutlich besser bei Glasfaser ist. Die Zukunft heißt ganz klar Glasfaser und es wird nie mehr so ein günstiges Angebot bis in die Wohnung geben!

  2. Lt. http://www.dslregional.de/ liegt der Ausbau des Kabelnetzes in Kronau bei über 90%. Somit könnten die meisten Haushalte Internet über Kabelnetz bekommen. Warum sollten diese Haushalte bei dem von mir genannten Beispiel den doppelten Preis bezahlen?

    • Nein, in keinster Weise. Andernfalls wäre der Beitrag entsprechend gekennzeichnet.

  3. Im kleinsten Paket fehlt der TV Anschluss und eine Festnetzflat gibt es auch nicht.

    Da ist der Preis zu hoch.

    Schade.

  4. Hallo, warum gibt es kein Angebot in Östringen und den Teilorten, dort gibt es kein Breitband wie in Kraichtal, hier muss man sich mit 3000er Download begnügen…. Hier würde man genug Kunden finden weil es keine Alternative gibt…. 😉

  5. Ich habe 200mbit von Vodafone und ist völlig ok , den Preis halte ich für angemessen . TV inclusive. Warum wechseln wenn’s doch funktioniert?

    • Wir haben 250 mbit von vodafone, funzt!
      Wir brauchen kein streaming oder große downloads. Und wenn der tolle Arbeitsplatz der Zukunft zuhause sein soll (was ich gar nicht will), dann sind auch die Arbeitgeber gefragt.
      Alles redet von „smart“…wird Zeit, dass es auch smarte Softwarelösungen gibt. Ging frûher auch (musste gehen), ohne Bildchen hier und video da.

  6. Ich muss meinen vorangegangenen Schreibern recht geben. Der Preis ist der Haken an der Sache. Ich habe z.B. mehrere Wohnungen vermietet keiner der Mieter möchte Glasfaser haben. Alle sind bei unterschiedlichen Anbietern und völlig zufrieden mit der geringen Leistung. Gerne würde ich den Anschluss in den Keller legen lassen doch ich zahle hier keinen 2 Jahresvertrag. Für das reinlegen des Anschlusses wäre ich bereit z.B. 200 Euro zu berappen das wären dann die knapp 100 Euro pro Meter Graben. Aber von solchen Vorschlägen will man bei der deutschen Glasfaser nichts wissen. Schade so bleibt das Mietshaus halt im Steinzeitalter bis irgendwann jemand das unbedingt braucht und bezahlt. Vor Jahren wurde auch das Kabelfernsehen als das non plus ultra angepriesen und heute sind die Preise so hoch dass sich eine SAT Schüssel in 2 Monaten bezahlt macht.

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