Frisch getrennt und doch zusammen

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Sanierung der Schnellbahnstrecke hat begonnen – Gondelsheim startet gelassen in seine ersten “Trennungswochen”

Sie war wochenlang eines der Top-Themen im Kraichgau, dann hat die Corona-Krise die Karten neu gemischt: Vor rund einer Woche nahm die Sanierung der Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim ihren Anfang und mit ihr auch die Trennung Gondelsheims in zwei Teile. Zwar sind auch Heidelsheim, Helmsheim und Diedelsheim von der Schließung der Bahnübergänge für den Kfz-Verkehr betroffen, doch trifft die Sperrung keine Gemeinde derart hart wie Gondelsheim, gibt es hier doch keine Alternativen für den Fahrzeugverkehr, wie Brücken oder Unterführungen.

Die Corona-Krise hat aber nicht nur zur Verdrängung der Streckensanierung von den Top-Plätzen der Nachrichtenthemen geführt, sondern auch für einen offenkundig stark reduzierten Verkehr auf der Ausweichstrecke durch den Kraichgau. Durch den merklich zurückgegangenen Zugverkehr, ist die Strecke weitaus weniger befahren, als noch vor der Krise prognostiziert. Für die Gondelsheimer ist das natürlich ein Pluspunkt, fällt doch die Lärmbelastung durch passierende Züge geringer aus und steigen die Chancen den Bahnübergang zu Fuß ohne allzu lange Wartezeiten queren zu können. Hoffnungen der Autofahrer, nun vielleicht doch mit gelegentlichen Öffnungen des Übergangs für den Fahrzeugverkehr rechnen zu dürfen, muss Bürgermeister Markus Rupp aber dennoch eine Absage erteilen. Da die umliegenden Übergänge mit Behelfsbrücken überbaut sind, können diese nicht ohne weiteres geöffnet werden, der Run auf den Gondelsheimer Übergang würde deswegen so stark ausfallen, dass der Verkehr mit Sicherheit kollabieren würde.

Barrikaden einfach zur Seite geräumt

Doch manche Autofahrer scheint selbst die Verbarrikadierung des Übergangs nicht von einer Querung abzuhalten. Schon mehrmals ist es in den ersten Tagen der Sperrung passiert, dass Autofahrer die Absperrungen entfernt haben, um den Übergang passieren zu können. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, werden nun in den nächsten Tagen schwerere Absperrungen in Stellung gebracht, die nicht ohne weiteres zur Seite geschoben werden können.

Für Kopfschütteln bei vielen Anwohnern der Gondelsheimer Bahnstrecke, sorgen auch immer wieder Fußgänger die die Gleise “wild” zu Fuß überqueren. Um jene auf diese potentiell tödliche Leichtsinnigkeit aufmerksam zu machen, hat die Gemeinde nun entsprechende Warntafeln aufgestellt die mit deutlichen Worten auf die Gefahr der schnell passierenden Züge hinweisen sollen. Ein weiteres Ärgernis sind Roller- und Moped Fahrer, die die Fußgängerunterführung auf Höhe des Schlossstadions nutzen, um ohne Abzusitzen die Schienen zu unterqueren. Der schmale Tunnel ist dafür nicht ausgelegt und so kommen die Fahrer nicht nur den engen Betonwänden sondern auch Fußgängern gefährlich nahe.

Ganz neu im Kraichgau: Gondelsheim Ost

Auch die Beschilderung für den Autoverkehr und die ausgewiesenen Umleitungen wurden zwischenzeitlich optimiert. In der ersten Variante machten die Hinweisschilder keinen Unterschied zwischen den beiden voneinander getrennten Ortsteilen, mittlerweile wird mit Gondelsheim Ost und West hier besser und nachvollziehbarer unterschieden.

Abgesehen von diesen “Kinderkrankheiten” der ersten Tage der Trennung, ist Gondelsheim gelassen in die Sanierungsphase eingetreten. Im Ort ist es ruhig und die Menschen machen das Beste aus der Lage. Bevorzugt werden die Gleise am Stadion oder eben am Bahnübergang passiert, die hohe Behelfsbrücke scheint auf der Favoritenliste der Querungsmöglichkeiten eher den letzten Platz einzunehmen – alleine schon der fehlenden Tauglichkeit für Fahrräder, Rollstühle oder Kinderwagen wegen.

Bis in das Spätjahr hinein werden die Züge der gesperrten Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim noch durch den Kraichgau und damit auch durch Gondelsheim geleitet. Wenn der Spuk beendet ist, will Gondelsheim “Wiedervereinigung” feiern – ob das dann ohne weiteres möglich sein wird, bleibt abzuwarten – auch hier lässt Corona herzlichst grüßen.

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