Schöner kann ein Schlusslicht nicht glänzen – Odenheim feiert als letzte Hügelgemeinde seinen Weihnachtsmarkt
Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Als Lokalreporter entwickelt man mit der Zeit ein zwiegespaltenes Verhältnis zur Adventszeit. Einerseits liebe ich all den Glitzer, all den Zauber, all die Liebe und Mühe, die so unzählig viele Menschen in die Vorbereitung ihrer Märkte, Konzerte und Veranstaltungen investieren, andererseits stellt sich nach dem Besuch des 20. Weihnachtsmarktes eine gewisse Müdigkeit angesichts der 1000. Version von „In der Weihnachtsbäckerei“, Glühweingeruch und Langos-Schwaden ein.



Trotzdem schaffe ich es jedes Jahr, eine gewisse kindliche Vorfreude auf den letzten Markt der Saison zu halten – der Markt, auf dem ich dann auch ganz privat ein paar schöne Stunden verbringe. Traditionell ist und bleibt das Odenheim, der lebendige Östringer Stadtteil feiert immer erst dann, wenn es alle anderen bereits getan haben. „The Best Is Yet to Come“ sang Frankie-Boy gerne und liegt dabei im Falle Odenheims genau richtig. Das Beste kommt noch, das Beste kommt am Schluss. Man merkt den Menschen auf dem Weihnachtsmarkt in Odenheim regelrecht an, dass sie schon den magischen Zauber des bevorstehenden Weihnachtsfestes spüren, dass sie die großen, stressigen Tage, die der Dezember mysteriöserweise jedes Jahr trotz anderweitiger Vorsätze für uns bereithält, hinter sich gebracht haben … Es ist eine losgelöste, eine entspannte, eine friedliche und sogar ein bisschen selige Stimmung, die man hier vor dem alten Odenheimer Amtshaus spürt … Nur drei Tage vor Weihnachten schafft man es endlich, all die Widrigkeiten des zurückliegenden Jahres vorübergehend abzuschütteln, sich einfach auf das zu besinnen, auf was es im Leben wirklich ankommt: auf die Freunde, die Familie, die Nachbarn, ein lebendiges Miteinander, eine lebendige Dorfgemeinschaft … kurz: auf genau das, was Odenheim weit und breit so einzigartig macht.










Alles fühlt sich irgendwie ein bisschen intensiver an als auf anderen Märkten, es ist die Anziehungskraft der unmittelbar bevorstehenden Weihnachtstage, die alles etwas kräftiger duften, strahlen und wirken lässt. Das Lachen der Kinder auf dem Karussell, das fröhliche Klirren der Glühweintassen vor dem Stand der Odenheimer Winzer, die inbrünstig vorgetragenen Weihnachtslieder in gleich mehreren Zugaben vom Engel auf der Bühne, die gefühlvollen Klänge der Jagdhörner und natürlich der vielen Stimmen von Sängerinnen und Sängern, Musikern aus Odenheim und darüber hinaus. Es ist das rotbackige Lächeln des Ortsvorstehers und seines Vorgängers, die greifbare Fröhlichkeit in den weihnachtlichen Worten des Bürgermeisters und das unsichtbare, aber starke Odenheimer Band, das alles miteinander verbindet.
Und es ist das schöne Gefühl, dass nichts endet, sondern alles immer wieder neu beginnt.
