Eine ganze Welt im ersten Stock

| ,

Eine Reise durch Raum und Zeit en miniature auf Schloss Bruchsal

Hinsichtlich der wohl buntesten und süßesten Ausstellungen aller Zeiten auf Schloss Bruchsal kann ich wirklich in jeglicher Hinsicht den Daumen heben – vielleicht abgesehen vom Namen selbst. „Playmobil Kinderträume“ ist nämlich nur die halbe Wahrheit, denn auch ich habe mich mit meinen 45 Jahren von diesen liebevoll und aufwendig erschaffenen Szenarien und Panoramen mehr als nur abgeholt gefühlt. Ganz ehrlich: Wenn irgendwo tief in Ihnen drinnen noch ein Kind steckt, dann können Sie gar nicht anders, als mit offenem Mund dazustehen und zu staunen. Was sich hier im oberen Stockwerk von Schloss Bruchsal vor Ihnen ausbreitet, ist nicht weniger als ein einziges wunderprächtiges Wunderland. Playmobil-Spielfiguren, arrangiert in liebevoll gestalteten Dioramen, zeigen Alltagsszenen, geschichtliche Ereignisse, aber auch Fiktion in ihrer schönsten Form.

Haben Sie Lust auf einen Trip ins Mittelalter, durch ein barockes Wohnhaus, in das alte Ägypten oder sogar auf fremde Planeten? Dann sollten Sie sich diese Ausstellung unbedingt ansehen. Was die Hobbytüftler der Ulmer Klötzlebauer zusammen mit ihren Kollegen aus Ludwigsburg hier auf die Kunststoff-Beine gestellt haben, passt auf keine Kuhhaut. Eigentlich kennt man die engagierte Truppe eher aus der Lego-Fraktion, doch ganz offenkundig wissen sie auch, wie man Playmobil zu atemberaubenden Szenen und Landschaften arrangiert.

Diese Ausstellung holt wirklich die ganze Familie ab. Kinder kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Eltern oder Großeltern. Während sich die Kleinen noch an den Plexiglasscheiben die Nasen platt drücken, haben die Großen den Vorteil, die Szenen aus der Vogelperspektive bestaunen zu können. Dazwischen dampfen auch ein paar Lokomotiven, sodass es einfach Spaß macht, sich von Raum zu Raum treiben zu lassen, wo immer neue Überraschungen warten. Gerade dann, wenn man denkt, jetzt können die Modelle nicht noch spektakulärer werden, biegt man um die Ecke und trifft auf neue kolossale Exponate.

Während die Dioramen verständlicherweise nicht berührt werden dürfen – übrigens teilweise errichtet mit historischen Playmobil-Figuren, die mitunter ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben –, gibt es durchaus auch interaktive Elemente. Ein Spieltisch für die Kleinen, an dem gezeichnet und gebastelt werden kann, dazu ein großes Gewinnspiel und vieles mehr.

Also lassen Sie sich von den kleinen Figuren mit dem ewigen Lächeln ein eben solches auf Ihr Gesicht zaubern und schauen Sie vorbei. Die Ausstellung hat noch bis zum 12. April geöffnet, mehr dazu finden Sie auch auf der Webseite von Schloss Bruchsal.

Gut zu wissen

Hintergrund: Die Erfolgsgeschichte von Playmobil

Geburtsstunde aus der Krise: Playmobil wurde 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt. Der Erfinder Hans Beck entwickelte die 7,5 cm großen Figuren als Reaktion auf die Ölkrise der 70er Jahre – sie benötigten deutlich weniger des teuren Kunststoffs als die zuvor produzierten Großspielzeuge.

Das Konzept Der Name leitet sich von der Vision ab, „mobiles Spielzeug“ zu schaffen. Das Markenzeichen ist die bewegliche Figur mit dem ikonischen Lächeln, die perfekt in eine Kinderhand passt.

Ein Welterfolg aus Franken: Seit dem Verkaufsstart der ersten drei Figuren (Ritter, Indianer, Bauarbeiter) wurden weltweit über mehrere Milliarden Figuren produziert. Die Brandstätter-Gruppe mit Sitz in Zirndorf hat damit eines der bekanntesten Systemspielzeuge der Welt geschaffen.

Vom Spielzeug zum Exponat: Heute ist Playmobil nicht mehr nur im Kinderzimmer zu Hause, sondern dient z.B. auch in Ausstellungen wie in Schloss Bruchsal als Medium, um komplexe historische Szenen detailgetreu und spielerisch für alle Generationen greifbar zu machen.