Dr. Gin bittet zur Sprechstunde

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Der Eppinger Barkeeper Andy Maragozis kennt Gins aus aller Welt, nun hat er auch seine eigenen erschaffen

Gin gibt es eigentlich schon ewig und drei Tage. Begibt man sich auf die Suche nach seinen Wurzeln, stößt man auf einen holländischen Wacholderschnaps namens Genever der Ende des 17. Jahrhunderts seinen Weg nach England fand und dort zu Gin avancierte. Der hochprozentige Brand war bei der Bevölkerung damals äußerst beliebt, da man mit ihm kostengünstig und schnell “einen in der Krone” sitzen hatte. Weil es damals im wahrsten Sinne des Wortes billigerer war Gin zu trinken, als Brot zu essen, stürzte die englische Bevölkerung – insbesondere die Londoner – in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in eine regelrechte Gin Krise, in der durch den völlig aus dem Ruder gelaufenen Alkoholkonsum mehr Menschen starben als geboren wurden.

Außerhalb von Großbritannien spielte Gin keine wirklich extravagante Rolle, war eine Spirituose von vielen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat er bei uns einen echten Höhenflug absolviert, wurde zu einem heiß gefragten Trendgetränk. Mehrere hundert Sorten gibt es alleine innerhalb deutscher Grenzen, die Marke von eintausend ist definitiv längst in Sichtweite. Damit liegen wir übrigens nur hauchdünn hinter den Vereinigten Staaten, natürlich aber weit abgeschlagen hinter Großbritannien, so zumindest die “World Gin Map” des Blogs Ginspiration.

Doch was genau ist eigentlich Gin? Dafür gibt es – wie für fast alles – eine entsprechende EU-Verordnung, die dies bis zum letzten Dipfele regelt. Auszugsweise: “Gin ist eine Spirituose mit Wacholder, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit Wacholderbeeren (Juniperus communis L.) hergestellt wird.” und “Der Mindestalkoholgehalt von Gin beträgt 37,5 % vol.”.

Genau dies ist auch der Grund, warum Gin so beliebt ist. Er ist extrem vielseitig und durch die Aromatisierung in vielerlei Richtungen wandelbar. Diese Aromatisierung wird durch die sogenannten “Botanicals” vorgenommen, von denen selbstredend Wacholder die entscheidende ist, damit aus reinem Alkohol überhaupt Gin werden kann. Darüber hinaus kann der / die BrennerIn aber auf eine ganze Reihe weiterer Botanicals zurückgreifen, durch deren Gewichtung Gin in beliebig vielen Ausprägungen, Geschmacksnoten und Anmutungen erschaffen werden kann.

Wer also bisher immer nullachtfünfzehn-Gin aus dem Supermarkt getrunken hat, darf sich hier auf eine niemals endende Entdeckungsreise einstellen, denn die Welt des Gins ist atemberaubend groß. Einer der sie ganz genau kennt, ist der Eppinger Barkeeper Andy Maragozis. Seine kleine Bar in der historischen Altstadt ist schon seit Ewigkeiten ein Mekka für Gin-Liebhaber und das schon lange bevor Gin von den Hipstern in der Großstadt entdeckt und gehypt wurde. Nicht nur über der langen hölzernen Theke, sondern auch in die Vitrine im Hinterzimmer reiht sich Flasche an Flasche, Gin an Gin. Mehrere hundert Sorten hat Andy über die Jahrzehnte entdeckt und zusammengetragen, ist immer auf der Suche und nach wie vor fasziniert von der Vielseitigkeit der Spirituose.

Nun hat sich der erfahrene und diplomierte Barkeeper einen lang gehegten Traum erfüllt und seinen eigenen Gin kreiert. Sein “Tabula Rasa” ist ein “infused Gin”, also ein Gin der mit über den obligatorischen Wacholder hinausgehenden Botanicals im Geschmack verändert wurde. Beim Tabula Rasa wurden bei diesem Vorgang, der auch Mazerationen genannt wird, Extrakte aus Rotbuschtee, Pfeffer, Äpfeln, Orangen und weiteren Geheimzutaten hinzugefügt. Weitere Sorten, die Andy jahrelang und optimiert durch das kritische Feedback seiner Familie, Freunde und Kunden entwickelt hat, sind mitunter der “Ruby Menta”, der “In Flagranti” der “Eternitea” und die “Blue Edition” – die alle ihre ganz eigene Note entfalten.

Bei der Herstellung seiner Gins, arbeitet Andy – der für die Eigenmarke auf seinen griechischen Nachnamen Maragozis setzt – mit einem erfahrenen Brenner aus dem Südbadischen zusammen. Mittlerweile ist die erste Charge verfügbar und erfreut sich bei seiner Stammkundschaft bereits großer Beliebtheit. Erworben werden können die Flaschen direkt in Andys Kneipe in der Eppinger Altstadt, später dann perspektivisch auch im lokalen Getränkehandel und online.

Mit seiner Gin-Kollektion erschließt Andy dabei alles andere als Neuland, die Branche ist groß, das Angebot schon fast unüberschaubar. Alleine in Eppingen gibt es mehrere Mitbewerber, die ebenfalls eigene Gins ins Rennen schicken. Zum Beispiel die Brennerei Schleihauf mit ihrem Gin “Böser Kater” oder der “Kraichgau Dry Gin” der Brennerei Holtz aus Mühlbach. Weitet man den Blick auf das gesamte Hügelland aus, so wird das Angebot regional hergestellter Gin-Spezialitäten noch ein ganzes Stück größer. In Schwaigern stellen so Marcel, Rouven und Raphael ihren “Heimat Gin” her, in Mühlhausen Familie Rühl ihren “ElGingo 43” , in Untergrombach gibt es Gin bei der Brennerei Lauber, in Kraichtal den Kai-Gin und in Bretten haben Jan und Nico den “Gin 42” im Repertoire. Nur eine kleine Momentaufnahme, das eigentlich Angebot im Kraichgau fällt sehr viel größer aus, als diese exemplarische Zusammenstellung.

Wie alle diese Gin schmecken und welche wir empfehlen? No way, hier verweigern wir die Aussage. Alles was wir liefern könnten, wären ein paar nichtssagende, subjektive Eindrücke. Jeder Gin ist etwas Besonderes, jeder etwas Einzigartiges. So unterschiedlich wie die Geschmäcker sind, sind auch die vielen regionalen Erzeugnisse aus dem Kraichgau. Probieren Sie es einfach aus – für einen Gin Tonic gibt es schließlich immer eine passenden Anlass..

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1 Gedanke zu „Dr. Gin bittet zur Sprechstunde“

  1. Vielen Dank für den wunderbaren Artikel man sieht wie kreativ die Menschen hier im Kraichgau sind. Bisher kannte ich nur den 315 Upstairs Dry Gin . Die Zahl 315 steht für die 315 Treppenstufen von der Heidelberger Altstadt bishin zum historischen Schloß. Bekannt ist mir auch der 144 Square Gin. Hier steht die Zahl für die 144 Quadrate der Mannheimer Innenstadt.

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