Des Metzgers grüne Insel

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Wildromantisch, klar und tiefgrün liegt am Rande Untergrombachs der See „Metzgerallmend“. Je nach Jahres- oder Tageszeit findet man dort himmlische Ruhe – oder auch entsetzlich viel Trubel.

Wenn Bruchsaler an heißen Tagen ins kühle Nass springen möchten, gibt es dafür zwei Möglichkeiten, die sich im Grunde auf zwei Farben reduzieren lassen: Blau oder Grün. Wer es lieber babyblau mag, für den ist das Freibad SaSch genau das Richtige. Soll es lieber Grün sein, empfiehlt sich ein Besuch an Bruchsals wilder Riviera, dem Baggersee mit dem Beinamen „Metzgerallmend“. Warum er so heißt, konnten wir auf die Schnelle nicht herausfinden. Doch eine Allmend ist eine wilde, gemeinschaftlich genutzte Wiese oder Weide. Zusammen mit dem Begriff des Metzgers lässt sich zumindest grob erahnen, wie die Gegend zu ihrem Namen gekommen ist.

Ein See unter vielen – und doch besonders

Der See ist einer von vielen in den abflachenden Regionen, wo die Rheinebene sanft in die Hügel des Kraichgaus ansteigt. Im unmittelbaren Umkreis, bei den Nachbarn in Büchenau, findet sich nur einen Steinwurf entfernt ein weiterer See und, noch ein paar Meter weiter, die aufgelassene Kiesgrube des Dorfes. Dann wären da noch der Baggersee Spöck oder der Baggersee Weingarten, ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt.

Doch heute soll es um den Baggersee in Untergrombach gehen, denn dieser See ist etwas Besonderes. Allein durch das Strandbad, das sich an eine Art Seebucht schmiegt, vorgelagert eine wilde kleine Insel, die die Lagune vom Rest des Sees abschirmt. Man kann hier quasi seine Runden drehen, immer wieder um die Insel herum. Wer einigermaßen flott unterwegs ist, braucht für eine Umrundung auf dem Wasser nur etwa eine Viertelstunde. Die Insel zu betreten ist jedoch verboten – und auch mit gesundem Menschenverstand ein No-Go. Denn hier leben wilde Tierarten, Vögel und geschützte Pflanzen: ein einzigartiges Biotop, das hervorragend ohne den Menschen auskommt.

Das Wasser: kühl, klar, smaragdgrün

Wunderbar ist das Wasser des Sees. Durch die große Fläche von etwa 20 Hektar und einer Tiefe von bis zu 25 Metern bleibt es auch an heißen Sommertagen kühl und klar. Durch die Vegetation und die Pflanzen im Wasser schimmert es aus der Nähe betrachtet smaragdgrün – gerade im Zwielicht der Dämmerung ein fast mystisches Bild.

Obwohl der See als Baggersee bekannt ist, wird hier schon lange nicht mehr gebaggert. Die Nutzung wurde vor geraumer Zeit aufgegeben; das Material, das zuvor geborgen wurde, findet sich beispielsweise im Asphalt der nahen Autobahn A5wieder. Je nach Windrichtung hört man diese leider auch häufiger. Bei Glück ist es aber herrlich ruhig hier, besonders an Tagen mit durchwachsenem Wetter, bei kühlen Temperaturen oder im Herbst und Winter.

Trubel und Stille

Im Sommer kann es am Baggersee sehr voll werden. Dann muss man den menschlichen Trubel mögen, um hier Entspannung zu finden. Bevor man zum See gelangt, führt eine Asphaltstraße vorbei an langen Reihen von Parkplätzen, die von der Stadt Bruchsal betrieben werden – mit einer Parkgebühr von fünf Euro pro Tag. Der Eintritt zum Baggersee selbst ist kostenfrei. Es ist wirklich kein Problem, mit der Stadtbahn nach Untergrombach zu fahren und den Rest der Strecke zu laufen. Auf dem Weg liegt sogar eine kleine Eisdiele für die kühle Belohnung davor oder danach. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß: Der Baggersee ist nun wirklich nicht aus der Welt.

Hunde sind während der Badesaison verboten – ein Umstand, den offenbar nicht alle Hundehalter beherzigen. Bei unseren letzten beiden Besuchen wurde diese Regel ganz offenkundig ignoriert. Auch die Bitte, Musik und Beschallung möglichst leise zu halten, wird von vielen nur als unverbindliche Empfehlung betrachtet. An heißen Tagen gilt es also, äußerst gelassen zu bleiben, um den Trubel am Strand wertschätzen zu können.

Doch seine ganze Aura entfaltet der See, wenn kaum jemand an seinem Ufer unterwegs ist: wenn im Herbst die Morgennebel über dem grünen Wasser wallen, wenn am Abend der blutrote Sonnenuntergang auf der Wasseroberfläche ein Feuer entzündet, wenn die Seetaucher rufen und eine kühle Stille alles umschließt. Dann lässt sich dieses wunderbare Stück Heimat am intensivsten genießen.