Das ist das neue Kreisimpfzentrum im alten Praktiker-Baumarkt Bruchsal

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Vorarbeiten laufen auf Hochtouren – Impfbeginn bereits im Januar

An Platz mangelt es wahrlich nicht. Mehrere tausend Quadratmeter stehen im ehemaligen Praktiker-Baumarkt zwischen den Bruchsaler Stadtteilen Heidelsheim und Helmsheim für das neue Kreisimpfzentrum des Landes zur Verfügung. Als Landrat Dr. Christoph Schnaudigel am Mittwoch mehrere Journalisten durch das weitläufige Gebäude führt, ist dies übrigens bei weitem keine Premiere. Bereits 2015, zum Höhepunkt der damaligen Flüchtlingskrise, präsentierte der Landkreis die einstige Gewerbefläche in ihrer neuen Nutzung. Damals wurden rund 500 Geflüchtete in provisorisch eingezogenen Abteilen untergebracht.

Immobilie mit Vorgeschichte

Heute, ein halbes Jahrzehnt später, nutzt der Landkreis die Immobilie erneut – dieses Mal aber auf gänzlich andere Art und Weise. Bereits ab Januar sollen hier täglich mehrere hundert Dosen der neuen Corona-Vakzine verabreicht werden. Gemeinsam mit Bruchsals Bürgermeister Andreas Glaser, stellte der Landrat den alten Baumarkt als eines der beiden neuen Kreisimpfzentren im nördlichen Landkreis Karlsruhe der Presse vor. Das andere Zentrum wird zeitgleich in einer ehemaligen Lagerhalle des Unternehmens E.G.O. in Sulzfeld eingerichtet.

Landrat Dr .Christoph Schnaudigel, einer der beiden Immobilieneigner Ullrich Fränkle, Ragnar Watteroth vom Landkreis und Bruchsals Bürgermeister Andreas Glaser bei der Pressekonferenz

Geht nicht, gibt’s nicht, so lautete einer der vielen Slogans der ehemaligen Baumarktkette Praktiker. Ähnliches scheint auch für das Projekt Kreisimpfzentrum in direkter Nachbarschaft zum Supermarkt der Kette real zu gelten. Innerhalb weniger Wochen gilt es das verwaiste Gebäude, für die sich über Monate erstreckenden Massen-Impfungen vorzubereiten. Ein besonderes Augenmerk liegt selbstredend auf der Logistik. Parken, Ankommen, Registrieren, Warten, Impfen…. all dies will perfekt koordiniert sein um die Abfertigung mehrerer hundert Menschen am Tag sauber abwickeln zu können. Hinzu kommt die Anlieferung und die knifflige Lagerung des Impfstoffes, ohne die notwendige Kühlkette zu unterbrechen.

Alles geregelt? Nicht ganz

Einige Hürden gilt es noch zu nehmen, bis das Kreisimpfzentrum im alten Praktiker Baumarkt Bruchsal in Betrieb gehen kann. Eine nicht ganz unwesentliche Voraussetzung muss noch erfüllt werden – die Unterzeichnung des entsprechenden Mietvertrages. Laut Ragnar Watteroth vom Landratsamt Karlsruhe sind die Gespräche mit den neuen Besitzern, Gerhard Sauter und Ullrich Fränkle von der SF150 GmbH aber bereits weit fortgeschritten. Bisher habe man sich bei bisherigen Projekten auch immer und fair geeinigt, so Watteroth. Einen Vorwurf kann man den Behörden wegen diesem engen Zeitplan nicht machen, die gesamte Errichtung alle Impfzentren wurde mit extremen heißer Nadel gestrickt. Landrat Dr. Schnaudigel drückt es mit einem Zwinkern so aus: „Wir beginnen bevor alles geklärt ist, ein vollkommen deutscher Zustand“. Geklärt werden muss ebenfalls noch die Frage des medizinischen Personals, hierfür ist das Land Baden-Württemberg zuständig. Benötigt werden mehrere Ärzte, die in mehreren Schichten über den Tag verteilt in den Impfzentren arbeiten. Ohne ärztliche Begleitung ist eine solche Impfung nicht möglich. Die Impfung selbst darf zwar auch durch Hilfskräfte durchgeführt werden, eine Impfberatung bzw. Aufklärung durch einen approbierten Arzt bleibt aber unerlässlich.

Minus 70 Grad – knapp 7000 Kilometer Transportweg

Die Vakzine müssen bis zu ihrem Einsatz bei extrem kalten Temperaturen von minus 70 Grad gehalten werden. Produziert werden die allem Anschein nach zuerst in Deutschland eingesetzten Präparate von biontech, im US-Bundesstaat Michigan – immerhin 6861 Kilometer von Heidelsheim entfernt. Angesichts dieser Distanz, kann sich jeder den logistischen Aufwand vorstellen, der mit einer unterbrechungsfreien Kühlkette einhergeht. Entspannung zeichnet sich hier aber bereits ab, zahlreiche weitere, kommende Impfstoffe werden deutlich leichter zu handhaben sein.

Wie läuft die Impfung ab?

In beiden Kreisimpfzentrem im Kraichgau laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Sobald der Impfstoff in der EU verfügbar wird, soll die großangelegte Impfaktion unverzüglich beginnen. Als Zeitpunkt nennt das Sozialministerium Baden-Württemberg aktuell den 15. Januar, die tatsächliche Verfügbarkeit der Vakzine natürlich vorausgesetzt.

Anmeldungen für die Impfung sind demnächst unter der Behördenrufnummer 116 117 möglich, zudem sind Termine auch über eine entsprechende App erhältlich. Zwischen 7 und 21 Uhr sollen in den Impfzentren jeden Tag rund 800 Dosen des Impfstoffes verabreicht werden können.

Sowohl in Sulzfeld als auch in Bruchsal stehen für Menschen die sich impfen lassen wollen genügend Parkplätze direkt vor dem Objekt zur Verfügung, zudem sollen eigens hierfür Haltestellen für den ÖPNV errichtet werden. Wer nicht zur Impfung erscheinen kann, wird bei entsprechendem Bedarf und Voraussetzung von einem der mobilen Impfteams besucht. Es gibt übrigens keine feste Zuordnung der Städte und Gemeinden zu den einzelnen Impfzentren, so können beispielsweise auch Eppinger ihre Impfung in Sulzfeld erhalten, Bruchsaler z.b. in Mannheim.

Insgesamt zwei Injektionen im Abstand von etwa 28 Tagen sind nötig, um einen entsprechenden Schutz aufzubauen. Das Prinzip “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” greift hier selbstredend nicht, die Priorisierung für die Abgabe des Impfstoffes nimmt der Bund auf Grundlage der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Ethikkommission vor. Es ist aber selbstredend davon auszugehen, dass zuerst insbesondere die Risikogruppen als auch Angehörige der Gesundheitsbranche und der Pflegebranche geimpft werden.

Der Betrieb der Impfzentren ist zunächst bis zum 21 Juni 2021 geplant, danach werden aber weiterhin Impfungen über die bisher bekannten Wege möglich sein.

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