Das geteilte Dorf

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Durch das bayerische Dorf Mödlareuth verlief einst die Grenze zwischen BRD und DDR

60 Jahre Mauerbau

Ein weiterer, schöner Sommertag im Land der 1000 Hügel. Stellen Sie sich einmal vor ihre Kinder könnten heute Nachmittag nicht einfach so zu Oma und Opa zum Mittagessen auf die andere Seite des Dorfes laufen. Nicht weil die Großeltern keine Zeit hätten, sondern weil der Weg durch eine mit Schusswaffen, Antipersonenminen und Soldaten gesicherte Grenze durchschnitten wird.

Es mag zwar noch manches geben, was uns Kraichgauer voneinander trennt… die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Kommunen, Landkreisen und sogar Landesteilen.. echte Grenzen mussten und müssen wir aber nie überwinden um zueinander zu finden. Die Menschen im Nordosten Deutschlands, die durch den sogenannten “antifaschistischen Schutzwall” über Jahrzehnte hinweg voneinander getrennt waren, hatten dieses Glück nicht.

Heute vor genau 60 Jahren begann das DDR Regime mit dem Bau der Mauer und zerriss damit Bekanntschaften, Freundschaften und sogar Familienbanden. Noch heute gibt es mit Mödlareuth einen Ort, an dem diese Teilung – die sich nicht nur in der Stadt sondern auch auf dem Land vollzog – spürbar, greifbar und erlebbar geblieben ist. Wir haben diesen Ort mit der Kamera besucht.

Von 1952 bis 1989 durchlief die innerdeutsche Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR das bayerische Dorf Mödlareuth, dort wo Bayern und Thüringen aufeinandertreffen. Mit Stacheldraht und Beton, gesichert durch Wachtürme, Grenzsoldaten, Hunde und Selbstschussanlagen, wurde nicht nur Mödlareuth, sondern ganz Deutschland über 40 Jahre lang in zwei Hälften zerschnitten. Erst am 9. November 1989 fiel diese Mauer zwischen Ost und West und das dunkle Kapitel der deutschen Teilung war endlich beendet. Der historische Tag des Mauerfalls jährte sich an diesem Wochenende nun zum 30. Mal und wurde in ganz Deutschland, insbesondere natürlich in Berlin, aber auch im bayerischen Mödlareuth gefeiert.

Ein Teil der Grenzanlagen, die das 40 Seelen-Dorf jahrzehntelang spalteten, kann hier immer noch betrachtet werden. Die Anlage ist Teil des deutsch-deutschen Museums, das bereits 1990 gegründet wurde. Nicht nur der originale und fast unveränderte Schauplatz des innerdörflichen Grenzgebietes auf den weitläufigen Freianlagen kann hier besichtigt, sondern auch die gesamte Geschichte der deutschen Teilung in einer aufwendigen Ausstellung erlebt werden. Von der Festsetzung der Besatzungszonen 1945 bis hin zur friedlichen Revolution 1989, hat das Museum diese bewegten Jahrzehnte in einer bewegenden Dauerausstellung eingänglich aufgearbeitet. Unzählige Exponate die die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Grenze selbst aufzeigen, sowie multimediale Augenzeugenberichte vermitteln ein eindrückliches Bild jener Epoche, die dieses Land über so lange Zeit prägte.

Die Geschichte des geteilten Mödlareuth, wurde übrigens auch in der teilweise auf historischen Tatsachen, teilweise aber auch fiktiven Fernsehserie Tannbach nacherzählt.

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