Blutiger Teufelspeter

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Mit dem gefleckten Schierling blüht gerade eine der giftigsten Pflanzen unserer Heimat

Der Kraichgau, unsere schöne, friedliche Heimat. Harmlos und arglos von der Flora bis zur Fauna, hier kann uns nichts geschehen. Ja, denkste. Wer sich gerade ganz bewusst in unserer vor Kraft strotzenden und blühenden Natur umsieht, stößt durchaus auf ein paar Gewächse, die es in jeglicher Hinsicht in sich haben. Gerade blüht zum Beispiel auf Brachen und entlang vieler Wege ein besonders heimtückisches Kraut, das auf den lateinischen Namen Conium maculatum hört. Unsere Vorfahren haben dem gefleckten Schierling aber ein paar weitaus düsterere Namen verpasst: Blutpeterlein, Teufelspeterling, Wüterich oder Wogeltod sind nur ein paar der Spitznamen des fatalten Doldenblütlers. Diese Namen hat der Gefleckte Schierling nicht ohne Grund aufs Auge gedrückt bekommen, schließlich handelt es sich dabei um eine der giftigsten Pflanzen, die in Europa vorkommen. Er enthält das Pseudoalkaloid Coniin, von welchem nur etwa ein halbes Gramm bis ein Gramm ausreichend ist um einen Erwachsenen ins Jenseits zu befördern. Im äußersten Falle kann das Gift die Lunge vollständig lähmen, so dass der Vergiftete bei vollem Bewusstsein erstickt. Kein schöner Gedanke, oder?

Um diese, doch recht unerfreuliche Form des Ablebens zu vermeiden, gilt es den Gegner zu kennen und ihn nicht fatalerweise mit einem harmlosen Doppelgänger zu verwechseln. Der Gefleckte Schierling sieht nämlich der friedliebenden Petersilie oder dem Wiesenkerbel recht ähnlich, auch mit Schafgarbe lässt er sich unter Umständen verwechseln. Sie erkennen ihn recht gut an seinem lilafarbenen Stängel und an den roten Flecken in dessen unterem Bereich. Die Blätter des Schierlings sind fein gerippt und erinnern ein bisschen an Federn, zudem riecht der ganze Aparillo recht streng, am ehesten vergleichbar mit Mäuseurin. Wenn Sie diesen Burschen am Wegesrand stehen sehen, rühren Sie ihn am besten gar nicht erst an – schon beim Anfassen können schwere Hautreizungen und Vergiftungssymptome auftreten.

Dass der Gefleckte Schierling ein besonders fieses Kraut ist, wissen die Menschen übrigens schon seit geraumer Zeit. In der Antike wurde die Pflanze zur Herstellung eines tödlichen Cocktails verwendet, der gerne bei Hinrichtungen zum Einsatz kam. Schon 400 bis 500 Jahre vor Christi Geburt war diese Art der Tötung im alten Athen höchst gebräuchlich. Das prominenteste Opfer war der Philosoph Sokrates, welcher ebenfalls durch den sogenannten Schierlingsbecher zu Tode gekommen sein soll.

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