Beim Steffen geht immer was

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Konzerte, Halloween-Feten, Maislabyrinthe, Demos und mehr…. Jung-Landwirt Steffen Hofmann brennt für seinen Beruf und seinen Hof und hat eine glasklare Botschaft an uns.

Über Steffen und den Milchhof seiner Familie bei Flehingen, haben wir hier auf hügelhelden.de schon oft berichtet. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen gibt es in Steffens Fall immer etwas zu berichten. Egal ob der umtriebige Endzwanziger gerade eine Traktor-Demonstration in Stuttgart oder Berlin schultert, ein neues Labyrinth in sein Maisfeld fräst, eine Horror-Nacht oder ein Konzert auf die Beine stellt… Steffen hat immer Pläne, die es wert sind, über sie zu berichten. Zum anderen – das dürft ihr uns durchaus als egoistisch auslegen – macht es Spaß mit Steffen zu schaffen. Er ist ein klasse Kerl, verfügt über die perfekte Mischung aus Fröhlichkeit und Pragmatismus, ist immer am Start, wenn man ihn braucht und steht – unserer untrüglichen Meinung nach – für all das, was die Landwirtschaft in Zukunft braucht, um weiter bestehen zu können.

Ein voller Erfolg: Die erste Horror-Nacht im Maislabyrinth 2019

Steffen hat immer etwas am laufen, bei Steffen geht immer etwas. Am letzten Wochenende hat er einfach so ein großes Konzert auf seinem Hof auf die Beine gestellt. Bei “Rock die Weide” kamen unzählige Besucher auf den Milchof, um die mit Steffen befreundeten Jungs und Mädels von “7 Dice” live und unter freiem Himmel zu erleben. Organisiert hat Steffen das ganze, wie zuvor schon die Horror-Nacht in seinem Maislabyrinth oder Demonstrationen bis nach Stuttgart oder Berlin, ganz nebenbei während der Arbeit. Soll heißen, während er mit dem Trecker die Ernte einbringt oder die Kühe füttert, telefoniert er mit dem Headset im Ohr, organisiert, stellt auf die Beine, regelt und tütet ein. Das ist nicht wenig Arbeit, wer schon einmal ein Konzert organisiert hat weiß das genau, zumal Corona die Angelegenheit nicht einfacher gemacht hat. Steffen aber macht das gerne, das gibt er freimütig zu. Unterstützt durch seine Familie, seine Freundin und seinen besten Freund Patrick wuppt er jede Herausforderung, die er sich selbst setzt. Das hat sich schon längst herumgesprochen, sogar das Fernsehen war schon mehrfach auf dem Milchhof um über den Tausendsassa von Flehingen zu berichten.

Doch um was geht es dem umtriebigen 28-Jährigen, dessen Familie seit Generationen in der Landwirtschaft tätig ist? Ums Geld? Vielleicht ein bisschen, aber nicht ausschließlich. Etwas zusätzliches Einkommen würde dem Milchhof in jedem Fall gut tun, die politischen Rahmenbedingungen für Landwirte sind in den letzten Jahren gravierend schlechter geworden, besonders kleine Bauern fürchten vielerorts um ihre Existenz. Tatsächlich aber geht es Steffen darum zu vermitteln, die Menschen und die Landwirtschaft wieder zueinander zu bringen, Nähe zu schaffen. Die Entfremdung von Landwirtschaft und Gesellschaft will Steffen einfach nicht länger hinnehmen, schließlich gibt es kaum noch Berührungspunkte. Ein jeder konsumiert tagtäglich die Produkte, die es ohne Bauern schlicht nicht gäbe. Milch, Getreide, Obst, Gemüse und auch Fleisch. Abgepackt im Supermarkt, geben sie ihren Käufern kaum noch Aufschluss darüber, von wem sie erzeugt, mit wessen Händen, Fleisch, Schweiß und Blut sie erschaffen wurden. Steffen will sie einladen, will sie auf seinem Hof begrüßen, will Ihnen dieses uralte Handwerk näherbringen “Do sin Jüngere dabei, die noch nie in em Stall gstonne sind, die noch nie a Kuh gsehn hän” sagt Steffen. Ihm geht es darum ein Bewusstsein für den Beruf, aber auch für dessen Wert und vor allem den Wert seiner Erzeugnisse zu schaffen. “Net in de Aldi renne un nur uff billig gugge” – für Steffen sind Lebensmittel nicht nur Spekulationsobjekte, keine Ramschware die es billig zu produzieren und noch billiger zu verkaufen gilt.

Steffen und sein Vater im Kuhstall des Milchhofes

Um den Menschen die Augen hierfür zu öffnen und Bewusstsein und Wertschätzung zu fördern, will er sie mit den vielen Veranstaltungen dazu ermuntern, das Hofleben aus nächster Nähe kennenzulernen. Dass die Politik vor allem besagte Wertschätzung zwar als Lippenbekenntnis formuliert aber nach einer Auffassung nicht lebt, macht den Junglandwirt wütend. Die Preise für Milchprodukte sind weiterhin historisch niedrig, eine Trendwende nicht zu erkennen. Die Preise für die Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Betriebes hingegen, steigen unaufhörlich. Alleine die Energiekosten um die Maschinen, die Heizung im Stall, die Traktoren am Laufen zu halten, schnüren vielen Landwirten langsam aber sicher die Luft zum Atmen ab.

Aufgeben aber, das ist Steffens Sache nicht. Er liebt seinen Beruf, will den großelterlichen Hof weiterführen, komme was wolle. Er kann aber auch verstehen, wenn viele Kollegen hinschmeißen, einfach nicht mehr weiter können. “Ich sag meine Lehrlinge immer: Iwwerlegt Euch gut, ob ihr den Beruf mache wollt” und fügt traurig hinzu: “Eigentlich könntsch heule bei so enem Satz”. Für Steffen aber, gibt es nur eine Richtung: Nach vorne. Mit Herzblut arbeiten, ordentlich schaffe, andere begeistern. Am Planen ist er ohnehin die ganze Zeit, gerade in diesen Stunden dürfte er sich Gedanken über die nächste Ausgabe der Horror-Nacht in seinem langsam welkenden Maislabyrinth machen. Wenn alles gut geht, ist es Anfang Oktober wieder soweit. Wir halten euch natürlich wie immer auf dem Laufenden.

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3 Gedanken zu „Beim Steffen geht immer was“

  1. Super gute Geschichte. Vielen Dank. Ärgerlich für die Landwirte dürfte auch sein, daß landwirtschaftliche Flächen zum Spekulationsobjekt geworden sind. Das geht nun mal gar nicht.Die Sonntagsreden unserer Volksvertreter sind hinreichend bekannt. Ändern tut sich allerdings nichts. Und vor den Wahlen legt man gerne noch ein Schippe drauf und besucht auch mal ganz Publikumswirksam einen Hof. Das alles bringt dür die Menschen, die diesem Beruf nachgehen überhaupt nichts.

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