Als der Gameboy in den Kraichgau kam

Weihnachten 1990 in Eppingen. Das erste Jahr der schrillen 90er war schon fast Geschichte.  Die Wiedervereinigung war nur wenige Wochen alt, wir waren süchtig nach der tumorfüßigen Diddl-Maus und – ach ja, Deutschland war Fußballweltmeister. Wer glaubt das waren viele „war“´s – es geht erst richtig los 🙂 Optisch war (!) im Kraichgau noch alles wie in den guten, alten 80ern. Dauerwelle, Schnurrbart und Slipper prägten die modische Erscheinung des Eppinger Mannes, (und auch mancher Frau ;-)) Der Döner kostete in der Bahnhofsstraße runde 5 Mark und wer Matthias Reims „Verdammt ich lieb dich“ auf Kassette wollte, der legte bei Radio-Tüx in der Brettener Straße noch ein kleines Vermögen auf den Tisch – Amazon gabs noch nicht!

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Warten auf den Gameboy……

gameboyFür mich war das Weihnachtsfest 1990 mitunter das Beste meines Lebens – der Beginn einer technik- und gadget-affinen Laufbahn. Unter dem Weihnachtsbaum lag, von meinem scheidungsbedingt abwesenden Vater, ein nagelneuer Gameboy von Nintendo. Wunderschön sah er aus mit seinem grünen Display und seiner cremeweißen Plastikhülle. Als Spiel lag das legendäre erste „Super Mario World“ mit dabei. Ein Heidenspaß, der mich den ganzen Winter über zum Stubenhocker mutieren ließ. Ein Steroiden-Pilz hier, eine Schieß-Blume da und dazu den besten Soundtrack der Welt.

Bis in die Nacht hinein, habe ich das Spiel unter der Bettdecke gezockt – bis die Batterien den Geist aufgegeben haben, was leider häufig der Fall war. Irgendwann war der Endgegner aber vernichtet, Mario war mit Daisy vereint und ich brauchte dringend Nachschub. Also auf zum Kaufhaus Gelbarth in die Brettener Straße. Mein ganzes Taschengeld von drei Mark mit im Gepäck – was soll so eine kleine Plastik-Kartusche schon mehr kosten..?!

Dann der Schock: Egal welches Spiel ich mir aus der Vitrine zeigen ließ – keines schlug mit weniger als 35 Mark zu Buche. Das wäre ja das Taschengeld von über einem Jahr gewesen – unbezahlbar. Also zähneknirschend nach Hause und „Willkommen zurück im Super-Mario-Land“. Und heute? Fast ein viertel Jahrhundert später? Jedes Smartphone hat eine Million Mal mehr Rechenpower als der gute alte Gameboy. Spiele gibts dafür sogar gratis….!
Und dennoch hole ich ihn manchmal hervor, den lieben Gameboy. Einfach nur um mich an eine Zeit zu erinnern, in der nicht alles besser, aber vieles einfacher war. Das Internet, Handys, 5000 TV-Programme und Miley Cyrus gabs noch nicht, zum telefonieren mit der ersten Freundin habe ich noch die Telefonzelle am Karlsplatz aufgesucht und das Eis beim Sole d´Oro kostete 30 Pfennig pro Kugel. Die Stadtbahn war in Gölshausen in unerreichbarer Ferne und wer im Sommer Spaß wollte, der hat sich in das 4 Meter lange Becken auf der Kolping-Anlage geworfen…  Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss mal wieder Daisy aus den Klauen der Bestie befreien…wenn die Batterien nicht schlapp machen 😉

Alles Liebe aus der Nostalgie-Schublade

Euer Stephan

 

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