Alles auf Rot

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Seit 125 Jahren schützt und wacht die Freiwillige Feuerwehr über ihr Gondelsheim. Wie dankbar ihr das Dorf dafür ist, das zeigte es bei einer Jubiläumsfeier, wie es sie so noch nie gegeben hat.

Was ist eigentlich ein Held?

In der Antike war das ein Krieger von übermenschlicher Kraft und Tapferkeit, nicht selten auch göttlicher Herkunft. Heute wird das Wort recht inflationär benutzt; wir Hügelhelden beispielsweise sind keine wirklichen Helden, uns hat bei der Namensfindung nur die Alliteration gefallen.

Aber was macht heutzutage einen Helden aus? Im Wesentlichen altruistisches Handeln – nicht um seiner selbst willen, sondern für andere. Bei Rettungskräften wird sehr gerne von Helden gesprochen. Das mag für manche vielleicht ein bisschen übertrieben klingen, aber im Grunde trifft das doch den Kern.

Die Feuerwehr zum Beispiel ist durchaus eine Truppe von Alltagshelden. Es sind zwar keine Superhelden, keine Krieger, keine Kämpfer, aber es sind Menschen, die sich selbstlos für andere einbringen. Die ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Stärke und ihr Wissen darauf verwenden, anderen aus misslichen Lagen, aus der Not heraus zu helfen. Das machen sie, ohne etwas dafür zu wollen, ohne etwas zu verlangen. Sie handeln ehrenamtlich, freiwillig und das im Grunde rund um die Uhr.

Egal zu welcher Zeit der Alarm erklingt: Sie denken nicht lange darüber nach, sondern machen sich auf den Weg. Sie lassen alles stehen und liegen, ob sie bei der Arbeit sind, beim Abendessen oder sonst wo. Sie wissen nie, was sie erwartet, doch sie wissen genau, dass jeder Einsatz anders ist und der Ausgang immer ungewiss.

Die Anfänge im Gasthaus Adler

In Gondelsheim gründeten sich diese Helden im Jahr 1901 – nicht als gesellige Truppe, kein gefälliger Männerverein, sondern als Institution, die sich aus der puren Notwendigkeit heraus gebildet hatte. Keine 1000 Menschen wohnten damals im Ort, doch das Dorf bestand aus dicht beieinander liegenden Höfen, allesamt mit hölzernen Scheunen, trockenem Stroh und reichlich brennbarem Material erbaut.

Vor diesem Zeitpunkt galt eine simple Grundregel: Im Falle eines Brandes solle sich jeder Bürger am Rathaus mit seinem Feuereimer einfinden – ein Regelwerk, das so ineffektiv war, wie es klingt. Also setzten sich im Sommer 1901 genau 22 engagierte Bürger zusammen, um im alten Gasthaus Adler die erste Gondelsheimer Feuerwehr aus der Taufe zu heben.

Welche bahnbrechende und existenzbewahrende Entscheidung dies damals war, hat sich in den vergangenen 125 Jahren immer und immer wieder gezeigt. Zuletzt bei einem Ereignis vor zwei Jahren, das Gondelsheim für immer verändert hat, wie Bürgermeister Markus Rupp zum Auftakt des Jubiläums in eindringlichen Worten in Erinnerung ruft:

„Es ist ein ganz normaler Sommertag in Gondelsheim. Viele verbringen den Tag im Freibad, andere auf der Terrasse, und die Kinder freuen sich über einen weiteren Ferientag. Niemand ahnte – niemand konnte ahnen –, dass sich unsere Gemeinde nur wenig später in einem noch nie dagewesenen Ausnahmezustand befinden würde. Innerhalb von zwei Stunden – den Gondelsheimerinnen und Gondelsheimern brauche ich das nicht zu sagen – fielen 155 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Saalbach erreichte einen Stand von 2,80 Metern – ein historischer Höchstwert, den es so noch nie gegeben hat. Straßen wurden zu reißenden Bächen, Schlamm drang in die Häuser ein, Keller liefen voll. Über 400 Haushalte in Gondelsheim waren von diesem Unwetter betroffen, bangten um ihr Hab und Gut und teilweise auch um ihr Leben. So hat sich dieser Tag für uns dargestellt. Und jetzt, liebe Festgemeinde, liebe Freunde, stellen wir uns für einen kurzen Moment einmal fiktiv vor: In dieser prekären Situation, in der wir uns befanden, wäre kein Martinshorn zu hören gewesen. Es wäre kein Blaulicht zu sehen gewesen, keine Feuerwehr, die ausrückt – weil es sie einfach nicht gäbe. Fiktiv gedacht: Wer hätte dann die Keller ausgepumpt? Wer hätte die Straßen gesichert? Wer hätte den Menschen geholfen, ihr Hab und Gut zu retten? Und wer hätte den Verzweifelten ein Stück weit Trost zugesprochen?“

Eine starke Rede, die vor allem zweierlei klarmacht: Gondelsheim wird diesen Tag niemals vergessen, aber auch nicht den Einsatz seiner Helden, seiner Freiwilligen Feuerwehr, die alles Menschenmögliche getan hat, um ihrem Auftrag und ihrer Selbstverpflichtung nachzukommen – so wie sie von ihren Ahnen vor 125 Jahren beschlossen wurde.

„Wir feiern heute 125 Jahre Geschichte. Aber wir schreiben auch die ersten Zeilen der nächsten 125 Jahre“, so Kommandant Tim Eisenhut bei seinem Grußwort. „Ich bin so stolz auf diese Wehr und ich bin stolz darauf, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Immer dem Motto nach: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“

Nichts daran ist selbstverständlich

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich hoffe, Sie sehen mir nach, dass ich diesen Artikel nicht ganz so aufgezogen habe, wie Sie ihn vielleicht erwartet haben. Er hätte auch eine Aneinanderreihung von Fakten und Informationen sein können: Namen, Jahreszahlen, Eckdaten, all das. Sie wissen schon: ausgesprochene Ehrungen, Gäste aus den Partnerstädten und befordertene Wehren, Ehrengäste aus der Politik, Beförderungen, Abzeichen, historische Abläufe.

Am Ende wollte ich mich dann aber doch lieber auf das Wesentliche konzentrieren: auf den Umstand, dass in jeder Stadt, in jeder Gemeinde, in jedem Dorf die Feuerwehr zu einer Art Selbstverständlichkeit geworden ist. Zu einer Institution, die immer greifbar, immer erreichbar ist – nur drei kleine Zahlen auf dem Telefon entfernt.

Doch hinter dieser Gewissheit liegt kein Automatismus, sondern eine stille, verlässliche Bereitwilligkeit. Eine Wehr existiert nur dort, wo Menschen bereit sind, die eigene Komfortzone schlagartig gegen Gefahr und Ungewissheit zu tauschen – wo das Wohl des Nächsten über den eigenen Feierabend gestellt wird. Dass wir ruhig schlafen können, verdanken wir diesem selbstlosen Versprechen. Für dieses unerschütterliche Rückgrat unserer Heimat gebührt euch tiefster Respekt und ein aufrichtiges Dankeschön. Danke für euer Engagement, eure Haltung und euren unschätzbaren Dienst an unserer Gemeinschaft!

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gondelsheim

Chronologie der Feuerwehr Gondelsheim

1776
Erste namentliche Erwähnung des Brandschutzes in Gemeindedokumenten (Bürger mussten mit Feuereimern am Wathaus erscheinen).
1901
Offizielle Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Gondelsheim durch 22 Männer im Gasthaus „Zum Adler“. Zeitgleich erfolgt die Mitbegründung einer Feuerwehrkapelle. Erster Kommandant wird Karl Mösner.
1913
Nachholung des 10-jährigen Jubiläums mit zweijähriger Verspätung (aufgrund von Führungsdisputen).
1927
25-jähriges Jubiläum unter Kommandant Friedrich Vielhauer. In diesem Zuge trennt sich die Feuerwehrkapelle ab und wird als „Musikverein Harmonie Gondelsheim“ eigenständig.
1944
Im November erfolgte ein Großeinsatz bei der Rettung eines von Jagdbombern angegriffenen Munitionszugs auf der Strecke Gondelsheim–Helmsheim.
1956
Andreas Heck wird Kommandant (1961 übernimmt er zudem das Amt des Bürgermeisters und führt beide Ämter in Personalunion).
1964
Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses im Februar. Anschaffung des ersten Löschfahrzeugs (LF 8) und einer Motorspritze im November.
1970/1971
Beschaffung eines Tanklöschfahrzeugs (TLF 16). Gondelsheim wird zur Stützpunktwehr für Neibsheim, Helmsheim und Oberacker ernannt.
1976
Großes 75-jähriges Jubiläum.
1977
Rudi Fessler übernimmt das Kommandantenamt von Andreas Heck. Aufbau der Partnerschaften nach Droué (Frankreich) und Gondelsheim (Eifel).
1983–1988
Modernisierung des Gerätehauses (1983) sowie Indienststellung eines neuen LF 8 (1988).
1992
Manfred Meisenhelder wird neuer Kommandant.
2001
100-jähriges Jubiläum mit Großem Zapfenstreich. Beschaffung eines LF 16/12 (Übergabe im Januar 2002).
2002
Wolfgang Heck wird neuer Kommandant.
2007
Gründung der Jugendfeuerwehr Gondelsheim.
2019–2020
Spatenstich (2019) und Einzug (2020) in das neue Feuerwehrgerätehaus in der Gewerbestraße.
2022
Führungswechsel nach 20 Jahren: Tim Eisenhut übernimmt das Amt des Kommandanten.

Größter Einsatz der letzten Jahre: Die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2024

Am 13. August 2024 überfluteten Sturzregen und aufgestaute Wassermassen große Teile von Gondelsheim. Innerhalb von knapp zwei Stunden prasselten 150 Liter Pro Quadratmeter herab. Unzählige Rettungskräfte, darunter die gesamte Feuerwehr Gondelsheim, waren tagelang unermüdlich im Einsatz.

Festwochenende August 2026

Das Jubiläumswochenende startete am Samstag, den 1. August mit einer öffentlichen Jahreshauptversammlung mit Ehrenabend und anschließendem Empfang unter musikalischer Begleitung. Geehrt wurden im Beisein der Landtagsabgeordneten Ansgar Mayr und Pascal Haggenmüller, dem ersten Landesbeamten Knut Bühler, hochrangigen Vertretern des Kreisfeuerwehrverbandes Karlsruhe und Gästen aus Verwaltung und Feuerwehr der französischen Partnerstadt Droué mehrere Kameradinnen und Kameraden für bis zu 40 Jahre Zugehörigkeit. Der BGV überreichte anlässlich des Jubiläums eine mobile Motorpumpe als Geschenk.

Am Sonntag, den 2. August 2026 bewegte sich ein großer Festumzug mit rund 40 teilnehmenden Gruppen durch Gondelsheim. Zu sehen waren verschiedene Feuerwehrfahrzeuge, historische Spritzenwagen, Musikgruppen, Vertreter anderer Wehren, befreundete Feuerwehrleute aus Gondelsheim in der Eifel sowie aus Droué in Frankreich und viele Vereine.

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