Wenn Mordors Kinder tanzen

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Wenn der Schicksalsberg seine Jünger ruft, dann kommen sie in Massen zum Anti Fruschd nach Oberacker.

Schicksalsberg – so tauften die Macher vom Jugendzentrum Pfiff diese staubige Scholle Land vor den Toren Oberackers. Ein Hügel, auf dem seit Menschengedenken Jahr für Jahr der Gegenentwurf zur Provinz-Langeweile zelebriert wird: das Anti Fruschd. Niemals hat der Name für dessen Schauplatz so sehr gepasst, denn durch die schreckliche Dürre, unter der das Hügelland seit Wochen ächzt, hat sich der „Rasen“ auf dem Schicksalsberg tatsächlich in eine apokalyptische Steppe verwandelt, wie sie dem Ödland von Mordor würdig wäre. Aber keine Sorge, so braun das Gras auch aussehen mag, nach ein paar ordentlichen Regenfällen erholt es sich meist von alleine – ein Phänomen, das jeder Gartenbesitzer vermutlich mit Erstaunen kennt.

Rocken gegen den Kraichtaler Fruschd

Doch genug von Trocken, widmen wir uns dem Rocken… um die Messlatte für peinlich-miese Wortwitze noch ein paar Laschen tiefer zu hängen. Das Line-up für 2026 war mal wieder vom Feinsten. Den musikalischen Fassanstich übernahm am Freitagabend Stikkie, gefolgt von The Lions’ Rage und Oases. Später dann, als Oberacker im Tal zu Füßen des Lavaberges längst das Trottoir hochgeklappt hat, als Highlight des Abends schließlich beste Hardcore-Cover-Mucke im Stile von Rammstein, in diesem Fall aber von Randstein.

Doch um den bekanntlich stets tief sitzenden Kraichtaler Fruschd nachhaltig zu vertreiben, braucht es mehr als nur einen Abend. Nach dem Freitag hat der Herrgott schließlich noch den Samstag gesetzt, der zweite Festivaltag und, wenn Sie mich fragen, dem Vortag mindestens ebenbürtig. Am Samstag geht es bereits um die Mittagszeit los, nicht gerade ein klassischer Open-Air-Moment bei Temperaturen jenseits der 30 Grad, aber heyho, it’s always time for Rock ’n‘ Roll. Y-Not springt zuerst als genialer Opener in die Bresche, dicht gefolgt von New Vintage, Tiny Mountains, The Fuckers und Charlys Blowjob. Und weil sich die Bands beim Anti Fruschd die Klinke in die Hand geben, sollte es das auch noch längst nicht gewesen sein. Der Abend nahm seinen Lauf mit Up in the Gallery, den Red Cool Chili Peppers sowie den allseits bekannten Allroundern von Neun.Live zum späten Abschluss. Wie immer eine keineswegs zufällig ausgewählte Mischung aus Newcomern – made im Ländle – sowie erprobten Schlachtrössern mit eingewachsenen Bühnenspreiseln im Fußbett.

Tradition seit 1969

Es dürfte zwar mittlerweile hinlänglich bekannt sein, die Geschichte ist aber so faszinierend, dass wir sie trotzdem jedes Jahr erzählen müssen. Das Anti Fruschd ist nämlich keineswegs eine Erfindung der Neuzeit, sondern eine Tradition, die in Kraichtal innerhalb der Pfiff-Familie von Generation zu Generation weitergereicht wird. Seit 1969 gibt es das Jugendzentrum bereits. Die Mission: ein Angebot für die ansonsten nicht gerade mit multiplen Freizeitgestaltungsoptionen zugedeckten Kraichtaler Jugendlichen zu schaffen.

Oberacker aka Rock Metal County

Das Filetstück dieses Repertoires ist besagtes Festival in Oberacker, das jedes Jahr Tausende Fans in das nicht einmal 800 Seelen starke Oberacker lockt, um gemeinsam den Berg wackeln zu lassen. Das Beste daran: freier Eintritt, freie Sicht auf Oberacker, freie Liebe, allerdings keine Freigetränke… Von irgendwas muss die Sause ja auch bezahlt werden.

Dank an die Macher

So lasst den stets in Gelb und Schwarz gekleideten pfiffigen Kindern Mordors doch bitte ein Lob da, dankt ihnen schön, bringt euch ein, macht mit, erweist ihnen euren Respekt, spendet vielleicht auch den einen oder anderen Heller, so ihr ihn erübrigen könnt, für diese nunmehr 1.500. Ausgabe (grobe Schätzung) des Anti Fruschd zu Oberacker.

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