Mit Strom für den Artenschutz 

|

Wie Elektrobefischung bedrohten Amphibien zugutekommt

Einen nicht alltäglichen Anblick gab es Mitte Juni in Eschelbach: Auf den Teichen im Hochwasserrückhaltebecken am Herrenbach wurde unter Einsatz von elektrischem Strom ein Teil des Fischbestandes abgefischt.

von Melanie Wricke – Stadtverwaltung Sinsheim

Bei der sogenannten Elektrobefischung wird von einem Boot aus per Knopfdruck im Gewässer ein elektrisches Feld erzeugt. Die Fische werden dadurch kurzzeitig betäubt und wie magnetisch zu einem speziellen Kescher gezogen, der den Pluspol bildet. Hierbei handelt es sich um eine besonders schonende Fangmethode, bei der die Fische keinerlei Schaden nehmen. Durchgeführt werden darf eine solche Maßnahme nur von fachkundigen Personen und mit einer behördlichen Genehmigung. Die Stadt Sinsheim hat das Fario-Büro von Dr. Jörg Sareyka aus Heidelberg beauftragt, der umfangreiche Erfahrung in Sachen Elektrobefischung vorzuweisen hat. Gefangen wurden unter anderem zahlreiche große Karpfen und mehrere Zander.

Die Teiche wurden in den 80er-Jahren auf Initiative des Bund für Vogelschutz Kraichgau e. V. von der Stadt Sinsheim angelegt. Damals befand sich in diesem Bereich laut Unterlagen des Vereins „das bedeutendste Vorkommen des Grasfrosches im Bereich von Sinsheim“. Auch in Feuchtgebieten lebende Vogelarten, wie der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Kiebitz, waren anzutreffen.

Fische sind in einem solchen Gewässer sehr problematisch, da sie den Laich und Larven von Kleinfischen und heimischen Lurchen, wie Fröschen, Kröten oder Molchen, fressen. Dies gilt besonders für die in großer Zahl abgefangenen Sonnenbarsche. Diese sehen zwar durchaus hübsch aus, sind aber nicht heimisch und gelten daher als invasiv. Sie stellen durch ihr aggressives Fressverhalten eine Bedrohung für die heimischen Amphibien dar, deren Bestände in den vergangenen Jahren durch Klimaerwärmung und Erkrankungen ohnehin stark abgenommen haben. Daher besteht für Sonnenbarsche Entnahmepflicht, sie dürfen nicht in andere Gewässer umgesetzt werden. Alle anderen Fische wurden in ein geeignetes Angelgewässer des ASV Steinsfurt eingesetzt. Das kühle Regenwetter an diesem Tag kam gelegen – bei hohen Temperaturen kann eine solche Maßnahme nicht durchgeführt werden, da die abgefangenen Tiere während des Transportes sonst Schaden nehmen würden. Heimische Kleinfische, wie die auf der Roten Liste stehende Rotfeder, wurden im Gewässer belassen, da sie das ökologische Gleichgewicht nicht gefährden.

Die Elektrobefischung wird in diesem Jahr weitere zwei Mal wiederholt, um die verbliebenen Fische und im Sommer schlüpfenden Jungfische entnehmen zu können. Und auch in den kommenden Jahren sollte eine jährliche Befischung stattfinden, damit die Amphibienteiche ihren ursprünglichen Zweck wieder erfüllen können. Die Erfolgschancen an den Teichen in Eschelbach stehen gut, da die Wasserqualität ausgezeichnet ist und die direkte Umgebung optimale Lebensraumbedingungen für viele Arten bietet.

Anzeige

1 Kommentar zu „Mit Strom für den Artenschutz “

Schreibe einen Kommentar

Liebe Leser/innen, bevor Sie nun Ihren Kommentar absetzen, hier noch ein paar kurze Hinweise: Unsere Kommentarspalte ist nicht die Bruddelecke. Konstruktive und reflektierte Meinungen sind uns willkommen, Gemotze ohne Substanz dagegen nicht. Bleiben Sie fair, bleiben sie freundlich. Beleidigungen, Herabwürdigungen, überzogene Polemik oder unbelegte Behauptungen / Unterstellungen werden von uns weder veröffentlicht noch gibt es eine Diskussion darüber. Danke! Zum Datenschutz: Wir speichern über die von Ihnen übermittelten Angaben weder personenbezogene Daten oder IP-Adressen, noch werden Cookies gesetzt. Weitere Informationen finden sie in unserer Datenschutzerklärung