Die im Jahre 1961 gegründeten „Starboys“ aus Forst gelten als älteste Musikformation der Region
65 Jahre Rock und Pop Classics
von Hans-Joachim Of
Sie sind steinalt und sogar älter als die Rolling Stones. Als sich die englischen Urgesteine im Jahre 1962 in London gründeten, waren die „Starboys“ aus Forst bereits ein Jahr früher am Start. Während ein gewisser Bob Dylan 1961 seine Weltkarriere in Angriff nahm, fühlten sich die „Starboys“ bodenständiger und blieben stets der Region verbunden. „Wir hatten alle unsere Wurzeln beim Musikverein Forst, trafen uns bei mir daheim in der Küche und beschlossen in der aufkommenden Beat-Ära, künftig als ‚Tanz- und Showband Starboys‘ den Menschen Freude zu bereiten“, eröffnet das noch immer aktive Gründungsmitglied Josef „Seppl“ Schmidt.
Jetzt kann die bis weit über die Region hinaus bekannte Formation bereits auf eine 65-jährige Geschichte zurückblicken. Am Sonntag, 19. Juli, soll dies im Rahmen der Kirmes in Forst, wo die fünfköpfige Gruppe in der Zeit von 12.30 Uhr bis 14 Uhr auf der Eventbühne bei der Waldseehalle Forst auftritt und mit bekannten Songs an die „gute, alte Zeit“ anknüpft, auch offiziell gefeiert werden. Ein weiterer Auftritt in der Region ist am 8. August terminiert. Die Formation, die in den 60er-Jahren sogar einen Vertrag mit dem Karlsruher Starclub hatte und in dieser Zeit mit namhaften Kapellen aus dem In- und Ausland gemeinsam auf der Bühne stand, spielt an diesem besonderen Tag in der Besetzung, die jetzt schon einige Jahre „auf dem Buckel“ hat.

Der Rückblick: Der heute 79-jährige Josef „Seppl“ Schmidt, früherer Oberstudienrat am Bruchsaler Schönborn-Gymnasium, war damals zusammen mit Heinz Margrander, Günter Rudolf, Manfred Veith und Manfred Szwideruk mit einem heute nicht denkbaren Instrumentarium – drei Klarinetten, einer Posaune, einer Gitarre – angetreten. „Wir spielten zunächst deutsche Lieder wie ‚Heißer Sand‘, ‚Ich schau den weißen Wolken nach‘ oder auch den ‚Schneewalzer’“, lässt Schmidt, der als Frontmann immer noch den Ton angibt, Gitarre und Saxophon beherrscht, wissen. Der erste öffentliche Auftritt? „Das war eine Jugendtanzveranstaltung an einem Sonntagnachmittag des Jahres 1962 in der örtlichen Jahnhalle, zu der sogar unser Bürgermeister gekommen war“. Ihre Gage? „Fünf Mark pro Mann und ein Schnitzel“. Überhaupt: Die Forster Jahnhalle ist untrennbar mit dem Namen „Starboys“ verbunden. Dort begann die musikalische Karriere der heute „Ältesten Beatband und Boygroup“ Baden-Württembergs, vielleicht sogar Deutschlands. Dort feierte man legendäre, runde Geburtstage mit viel Prominenz sowie alten und neuen Fans.
Die Gruppe hat sich im Laufe der Zeit natürlich verändert und trat in wechselnden Besetzungen auf, wobei neben den etwa 30 „Boys“ auch mal drei „Girls“ in der Formation mitmischten. Ein besonderes Erlebnis aus früheren Zeiten erzählt Josef Schmidt (der von 1986 bis 1995 an der Europäischen Schule in Karlsruhe Mathematik und Physik unterrichtete) immer wieder gerne: „1965 hatten wir zwei Auftritte im legendären Karlsruher Starclub, zusammen mit der damals sehr bekannten Beatband ‚Casey Jones & The Govenors‘, die mit dem Hit ‚Dont’t Ha Ha‘ Geschichte schrieben“. Die „Starboys“ seien mit Beifall überschüttet worden und man bot ihnen an, für die traumhafte Monatsgage von 1.000 Mark pro Mann dort jeden Abend zu spielen, sowie auf eine anschließende Starclub-Tour durch Deutschland zu gehen. Vorausgegangen war ein Kapellen-Wettstreit in Bruchsal, den die Band gegen namhafte Konkurrenz wie die ebenfalls bekannten „Florett“ gewann. „Wir standen damals schon im Berufsleben oder haben studiert. Deshalb lehnten wir dankend ab“, so Schmidt, der im Rückblick trotzdem von „einem Highlight im Musikerleben“ spricht. Sein Lieblingssong? Neben zahlreichen Beatles-Stücken mag Schmidt auch „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd.
Heute ist die Band, die „weit über 200 Songs im Repertoire“ hat, neben Josef Schmidt in folgender Besetzung am Start: Hans-Albert Graf (75)) aus Odenheim spielt Bass, Trompete und Gitarre, war früher Postbeamter und macht „seit fast 60 Jahren in verschiedenen Bands“ Musik. Reinhard Nagel (67) aus Forst spielt Lead-Gitarre und hat vor einiger Zeit den langjährigen Gitarristen Alois Wiedemann in der Band abgelöst. Rainer Kneis (72) aus Karlsdorf, früher Lehrer am Bruchsaler Gymnasium St. Paulusheim, ist der Mann an den Keyboards und mag „alles von den Beatles“. Karl-Heinz Epli aus Forst ist mit 66 Jahren der „Jungspund“, seit knapp 30 Jahren dabei, probt mit allen anderen „Jungs“ jede Woche im Übungsraum einer örtlichen Firma in Forst und ist leidenschaftlicher Drummer bei einer Kapelle, die damals auch in Konkurrenz zur „Dancing Show Band“ (den späteren Flippers!) stand. Dass alle fünf Vollblutmusiker auch singen können, ist selbstredend.
Übrigens: Für zwei Keyboarder waren die „Starboys“ das Sprungbrett für musikalische Karrieren. Rainer Kneis griff bei den „Markees“ (ganz früh mit Edo Zanki im Line-up) und später auch bei der bekannten Phil Collins/Genesis-Coverband „PHIL“ etliche Jahre lang in die Tasten. Alfred Kritzer, der in Forst geboren wurde und heute in Mannheim lebt, setzte zum ganz großen Sprung an. Bei einer zufälligen Begegnung in Edo und Vilko Zanki’s „Kangaroo-Tonstudio“ in Karlsdorf lernte er Herbert Grönemeyer kennen. „Herby“ holte ihn in seine Band, wo er seit 1982 als Keyboarder, Akkordeonspieler und Backgroundsänger bei allen Studio- und Live-Produktionen mitwirkt. Kritzer war zuletzt mit seinen alten Freunden beim Bandjubiläum im Jahre 2017 zusammen und spielte mit ihnen in der Jahnhalle Forst ein begeistert aufgenommenes Konzert. „Wir möchten unsere Fangemeinde wie seit Jahr und Tag mit toller Livemusik verwöhnen und durch besondere, ausgesuchte Titel aus dem gesamten Rock- und Pop-Universum für Begeisterung und Tanzvergnügen sorgen“, heißt es aus dem Bandlager der „Starboys“.