Jap is on the road again

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Einmal noch will es das Brusler Urgestein und die Rockfabrik-Legende Altmeister Jap wissen und mit seinem Bataillon an Bikern in die Welt hinausziehen – vielleicht ja diesmal tatsächlich zum letzten Mal.

Stolz zeigt er mir seine alten Flyer, die mit der Hand gezeichneten Routen unendlich vieler Ausfahrten mit dem Motorrad in alle vier Himmelsrichtungen. Die ersten davon datieren bereits auf die frühen Achtzigerjahre und lassen mir als Vertreter der Generation X vor lauter Nostalgie das Herz höherschlagen. Nehmen wir zum Beispiel die Ausfahrt 1986 – von Bruchsal über Bretten nach Bodman am Bodensee. Inklusive Übernachtung auf dem Zeltplatz, reichlich Steaks und Grillwürsten, Bier und Asbach. Unkostenbeitrag: lächerliche zehn Mark für die „Boys“, die Hälfte für die „Girls“. Unnötig zu erwähnen, dass man dafür heute nicht mal mehr ein Blondes auf den Deckel geknallt bekommt.

Ein Name wie ein Markenzeichen

Vieles mag sich in den letzten 45 Jahren verändert haben, doch er führt die jährlichen Biketrecks immer noch an: Altmeister Jap, der eigentlich Josef heißt. Ein Name, an den er sich selbst kaum noch erinnert, denn seit er zurückdenken kann, ist er einfach nur Jap – was Gott und die Welt salopp als „Tschäpp“ ausspricht.

Wer Jap nicht kennt, kann kein echter Brusler sein. Alle, die in dieser Stadt irgendwann einmal jung waren, haben sein Gesicht mit Sicherheit längst verinnerlicht, als Galionsfigur der Fabrik, die früher einmal Rockfabrik hieß. Er mag zwar nicht der Herr dieser Institution sein, aber sicherlich das Hirn. Logistik, Personal, Einkauf – alles, was es für den Betrieb einer Disco braucht, fällt in Japs Ressort, und das bereits seit 1981.

Seit fast einem halben Jahrhundert hinter den Kulissen

Himmelherrgott, 1981 – gefühlt vorgestern, tatsächlich aber schon fast ein halbes Jahrhundert in der Vergangenheit. Wissen Sie noch? NATO-Doppelbeschluss, Start der Columbia, Pink Floyd veröffentlichen „The Wall“… in Sinsheim eröffnet das Technik Museum und in Bruchsal die Rockfabrik – zwei Institutionen, die es Gott sei Dank noch heute gibt. Und Jap? Der vollzieht mit rund 25 Jahren seinen ersten großen Jobwechsel, aus der Lagerlogistik in die Discobranche. Die Fabrik wird zu seiner Leidenschaft, die Nacht zu seinem Tag und manchmal – dann, wenn das Wetter schön und die Luft frisch ist – die Straße zu seinem Zuhause. Denn Jap ist leidenschaftlicher Biker, so oft es nur geht mit seiner 57er Suzi mit Rennsatz unterwegs. Jap geht ab, und zwar wie das Zäpfle.

Fast zeitgleich mit seiner Liebe zur Diskothek beginnt seine Karriere als Tourmanager einer Art temporären „Bikergang“. Nur Freunde, nur Bekannte, nur erfahrene Biker, die wissen, wie man die Maschine beherrscht und im Konvoi fährt, gehören in diese Bubble – und das seit jeher. Am Anfang ist es nur eine Handvoll, in manchen Jahren sind es beinahe einhundert von ihnen, die bei Japs handverlesenen Touren dabei sind. Das Konzept ist immer recht ähnlich: Früh morgens trifft man sich an der Fabrik, die erste Station ist ein deftiges Frühstück in der Umgebung, dann irgendwo ein Mittagessen und abends Einkehr und geselliges Zusammensein samt Übernachtungen auf dem Zeltplatz. Dazwischen: die Straße und die Schönheit unserer Heimat zu beiden Seiten.

Die unendliche Abschiedstournee

Wenn man sich die Flyer anschaut, bemerkt man zwei Auffälligkeiten. Zum einen kann man, wenn man sie wie ein Daumenkino durch die Finger rattern lässt, Jap auf dem Cover beim Älterwerden zusehen. Von Mitte 20 bis heute – kein Witz – stolze 70 ist er mittlerweile. Er ist weiterhin „on the road“, den Titel Altmeister trägt er deswegen völlig zu Recht. Stundenlanges Sitzen auf dem Bock, Schlafen im Zelt – keine Selbstverständlichkeit für einen Biker-Oldie. Weshalb man sich die Frage durchaus stellen darf, ob Jap nicht irgendwann mal von Biketrip auf Kaffeefahrt umrüsten möchte? Die Frage hat er sich insgeheim auch schon ein paarmal gestellt, das Ergebnis ist schon fast ein Running Gag: Schon vor Jahren hat Jap seine allerletzte Ausfahrt angekündigt, stattdessen kam jedes Jahr eine weitere dazu, auch 2026 ist hier keine Ausnahme.

Ob er so ein bisschen ist wie die Rolling Stones, möchte ich von ihm wissen – „Last Tour ever“ in der Endlosschleife? Da muss er lachen, voll erwischt. Aber es „isch halt oifach viel zu schee um uffzuhöre. …man trifft sich ja nur dann einmal im Jahr. Und dann verteilt sich das wieder. Und dann ist es wieder so ein Zusammentreff, wo auch viel Gaudi und Spaß ist.“

Recht hat er, Alter ist nur eine Zahl. Und auch wenn er diese Zahl durchaus in den Knochen spürt, macht es ihm einfach immer noch viel zu viel Freude. Ob 2026 diesmal wirklich seine aller-aller-allerletzte Tour wird? Wenig wahrscheinlich. Eher wird Jap eines Tages samt seinem Trike unter der Tanzfläche der Fabrik beigesetzt. Aber das liegt noch Jahrzehnte in der Zukunft, denn was konserviert besser als Benzin im Blut und Disconebel in der Lunge?

1 Kommentar zu „Jap is on the road again“

  1. Ja, das Alter ist nur eine Zahl. Früher dachte ich Menschen über 70 sind alt. Heute gehöre ich mit meinen 73 Jährchen auch dazu. Ehrlich gesagt fühle ich mich noch nicht so alt.
    Ich glaube nicht, dass er das mit dem Motorrad fahren lassen kann, wenn man damit einmal infiziert wurde. Spontan fällt mir Herbert Schek ein, der seit zig Jahren mit einer Geländemaschine von BMW bei Enduro Veranstaltungen unterwegs ist.

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