Östringer Innenstadt im Check: Mehr Aufenthaltsqualität tut not

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Analyse der Östringer Innenstadt identifiziert klare Defizite

Von Wolfgang Braunecker / Stadt Östringen

In Östringen stellten Bürgermeister Felix Geider und Innenstadtberater Michael Rausch von der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe (IHK) bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die Ergebnisse einer in den zurückliegenden Monaten ausgearbeiteten Studie zur Einzelhandelsstruktur sowie zur Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum im Bereich des Ortszentrums vor.

Wie Rausch informierte, unterzogen sich bislang in Baden-Württemberg insgesamt 135 Kommunen dem sogenannten „Innenstadt-Check“, der maßgeblich aus Mitteln der Förderkulisse „Handel 2030“ des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg finanziert wird. Beim Innenstadt-Check, der im ganzen Land nach einheitlichen Kriterien durchgeführt wird und daher eine gewisse Vergleichbarkeit ermöglicht, handelt es sich um eine vertiefte fachliche Begutachtung der jeweiligen Standortfaktoren. IHK-Repräsentant Rausch legte bei der Berichterstattung im Gemeinderat dar, dass es bei dem landesweiten Programm unter anderem um neue Impulse zu einer Belebung der Einkaufsstraßen gehe, aber auch um die konzeptionellen Ansätze zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität, um die Steigerung der digitalen Sichtbarkeit der Geschäfte sowie um die Erreichbarkeit der zentralen Lagen mit den diversen verfügbaren Verkehrsmitteln.

„Die Östringer Innenstadt erfüllt ihre grundlegenden Funktionen in ausreichender Weise, strahlt darüber hinaus aber keine weitergehende Anziehungskraft aus“, fasste Michael Rausch die Auswertung der Ergebnisse der Untersuchung jetzt zusammen, die insbesondere den Abschnitt der Hauptstraße zwischen den Einmündungen der Ludwigstraße und der Rettigheimer Straße in den Blick genommen hat. Der IHK-Experte konnte dabei in seinem Fazit den Zuhörerinnen und Zuhörern einen Wermutstropfen mit recht bitterem Nachgeschmack nicht ersparen: „Unter 135 bislang in Baden-Württemberg beim Innenstadt-Check untersuchten Kommunen trägt Östringen momentan die rote Laterne“.

Wertvolle Ansatzpunkte für deutliche Verbesserungen ergeben sich allerdings bereits unmittelbar aus den Resultaten der IHK-Untersuchung, auch darauf verwies Rausch bei der Gemeinderatssitzung ausdrücklich.

Während die Analyse, die unter anderem auch eine Passanten- und eine Online-Befragung umfasste, in Bezug auf den vorhandenen Branchenmix, öffentliche Einrichtungen, das Stadtmarketing, publikumswirksame Veranstaltungen und die Erreichbarkeit mit verschiedenen Verkehrs- und Fortbewegungsmitteln zumindest befriedigende, teilweise aber auch explizit positive Einschätzungen lieferte, ist in der Wahrnehmung der Einheimischen und der auswärtigen Gäste die Aufenthaltsqualität im Östringer Stadtzentrum ein sehr großes Manko. Deutliche „Minuspunkte“ gab es insoweit für die Anzahl und Ausprägung der dort vorhandenen öffentlichen Flächen und deren Möblierung, aber daneben unter anderem auch für die vergleichsweise geringe Dichte und die Außengestaltung der ansässigen  Gastronomiebetriebe. Sehr positiv beurteilt wurde von den Befragten demgegenüber die Etablierung eines Wochenmarkts auf dem Leibergplatz.

Bei seinen Schlussfolgerungen zu den Ergebnissen des Innenstadt-Checks legte IHK-Berater Rausch den Mitgliedern des Gemeinderats und der Verwaltung nun nahe, zunächst einmal mit einem Beschluss des Stadtparlaments ein klares Zielbild für künftige Entwicklungen vorzugeben. „Östringen fehlt es im Stadtzentrum weniger am Angebot als an einer ansprechenden Atmosphäre und einer höheren Aufenthaltsqualität“, brachte es Rausch auf den Punkt und empfahl diesbezüglich unter anderem die gezielte Entwicklung eines zentralen Begegnungsorts und verkehrsberuhigter Bereiche, außerdem die aktive Ansprache von Café- und Gastronomiekonzepten und schließlich den Ausbau von Grünbereichen, die im einen oder anderen Fall mit Spiel- und Bewegungszonen kombiniert werden könnten. Als politischer Auftrag für den Gemeinderat und die Stadtverwaltung kommt für den IHK-Berater außerdem in Betracht, die historische Identität der Stadt noch besser sichtbar zu machen. Darüber hinaus gehe es darum, unter dem Motto „Nicht mehr Geschäfte, sondern die richtigen Geschäfte“ verstärkt die Kontakte mit den Eigentümern von Immobilien im Zentrum zu pflegen, um dort beispielsweise Impulse zum weiteren Ausbau einer guten Nahversorgung in der Innenstadt zu setzen.

Zur Bündelung dementsprechender Überlegungen und ihrer Priorisierung äußerte IHK-Berater Rausch den Vorschlag zur Bildung eines Ortsmittenbeirats, dem beispielsweise Ratsmitglieder, die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung und Vertreter von Handel und Gewerbe, aber auch sonstige interessierte Einwohnerinnen und Einwohner angehören könnten.

Die von der Industrie- und Handelskammer koordinierte Analyse des Östringer Stadtzentrums umfasste jetzt unter anderem auch kostenlose Informationsveranstaltungen für Einzelhandelsbetriebe zum gezielten Ausbau ihrer digitalen Angebote sowie darüber hinaus auch einen professionellen Schaufenster-Check.

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