Bruzzeln für Bretten

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Bei Reco holt sich halb Bretten seinen herrlich-schrägen Mix aus Döner und Currywurst: die Seniorenclique mit Rollator, Fans von außerhalb und sogar der Oberbürgermeister.

Ein bisschen skeptisch bin ich schon, als Reco anfängt, seinen Spezialteller für mich anzurichten. Zuerst die Pommes und die Currywurst, darüber eine dunkelrot-glasige Sauce wie aus dem Lehrbuch. Soweit so klassisch. Doch dann kommt on top noch das Fleisch von seinem Dönerspieß, erdacht und komponiert von Reco selbst – bestehend aus 99 % Kalbfleisch, wie er versichert, und der Rest aus seiner selbst gemachten Gewürzmischung. Jetzt verteilt er großzügig Knoblauchsauce, nicht mit Wasser gestreckt, sondern volle Lotte, und dazu noch ein paar Spritzer von Aneas Jalapeño-Sauce.

Anea ist Recos Frau, kommt ursprünglich aus Polen und unterstützt den gebürtigen Brettener mit türkischen Wurzeln nicht nur mit ihrer scharfen Sauce, sondern auch mit aufwändigen Kuchen und Torten, die zum alles andere als gewöhnlichen Portfolio des Bruzzel Wagon dazukommen. Besagter Bruzzel Wagon, Name und Logo übrigens selbst erdacht und patentiert, steht in einer eher ruhigen Ecke von Bretten. Gelegen im Südwesten der Stadt, am Fuße des Rechbergs, wo eigentlich kaum Laufkundschaft unterwegs sein dürfte. Hier im Brückle finden sich soziale Einrichtungen, ein Seniorenheim, Häuser und Wohnungen. Etwas weiter weg ein paar größere Firmen wie zum Beispiel Seeburger oder das gebeutelte Neff-Gelände. Ganz augenfällig ist es nicht die Art von Standort, die unmittelbar mit einer Erfolgsgarantie für einen Imbiss verknüpft sein dürfte; solche finden sich eher in dicht frequentierten Gewerbe- oder Industriegebieten.

Der Anfang war tatsächlich auch schwer, erzählt Reco. Die ersten Jahre stand sein Neubeginn als Imbisskoch auf der Kippe. Besagter Anfang war im Herbst 2021, also vor bald fünf Jahren. Corona war noch ein großes Thema, die Zurückhaltung der Menschen in jeglicher Hinsicht spürbar. Doch all das liegt glücklicherweise schon lange zurück. Zwischenzeitlich bruzzelt Reco in seinem Wagon auf höchster Flamme. Sein Geheimnis? Den Kunden ernst nehmen, das Produkt ernst nehmen, auf Qualität setzen. Alles, was nur irgendwie geht, machen Reco und Anea selbst: die Saucen, die Würzmischung für das Fleisch, das Brot. Die Kundschaft honoriert das, insbesondere die Bewertungen auf Google lassen aufhorchen. Über 350 Rezensenten vergeben im Schnitt 4,9 von 5 Sternen. Wenn man von den obligatorischen Hatern absieht, ist das im Grunde Bestnote.

Das sind Zahlen, die für mich absolut nachvollziehbar scheinen, denn das Crossover aus Currywurst und Döner – beide zumindest in der heutigen Form Berliner Erfindungen – funktioniert erstaunlich gut. Fusion-Küche aus ganz neuer Perspektive, besonders der Mix aus den unterschiedlichen Saucen, kombiniert mit dem leicht krossen und vor allem sehr aromatischen Fleisch, weiß wirklich zu überzeugen.

Während wir uns unterhalten, klingelt immer wieder eines von Recos Handys. Teilweise erkennt er bereits an der Stimme, wer dort kurzfristig etwas vorbestellen möchte. Das Publikum ist wirklich bunt gemischt, lacht Reco. Aus dem betreuten Wohnen gegenüber käme regelmäßig eine Clique älterer Damen, die dann mit ihren Rollatoren vor seinem Wagon kein Kaffeekränzchen, aber ein Döner-Kränzchen abhalten. Sogar der Oberbürgermeister war schon da, erzählt er stolz und zeigt mir auf seinem Smartphone ein Bild, auf dem tatsächlich Nico Morast vor der Theke in die Kamera lächelt.

Die Leidenschaft für das Kochen hat Reco schon vor vielen Jahren an sich entdeckt. Seine große Passion ist dabei Sushi. Autodidaktisch hat er sich die Kunst des „Sushi-zume“ beigebracht, hat auch mit dem Gedanken gespielt, in Bretten ein Sushirestaurant auf die Beine zu stellen. Aber ein japanisch-türkischer Laden wäre dann vielleicht doch zu viel des Guten gewesen, schmunzelt Reco: „Sushi sollen die asiatischen Kollegen machen“, sagt er und lacht brummend.

Aber so wie es ist, so passt es für Reco, den seine Freunde seit Berufsschulzeiten auch Reco-Baba nennen. Hier in seinem Bretten, auch an seinem Standort im Brückle, fühlt er sich richtig wohl. Die Kundschaft hat mittlerweile begriffen, wo er zu finden ist, kommt teilweise auch von außerhalb, um bei ihm eine seiner Spezialitäten zu probieren, wie beispielsweise den Adem-Spezial-Yufka mit Rinderschinken, Currysauce und Schmelzkäse darauf. Auch die Burger, deren Hackfleisch Reco selbst durch den Fleischwolf dreht, erfreuen sich seiner Aussage nach großer Beliebtheit – stehen somit bereits auf meiner To-do-Liste.

Wie es weitergehen soll? Naja, es ist wie bei der Eisenbahn: Ein Wagon kommt selten allein. Bereits jetzt tüftelt Reco an einem zweiten, mobilen Bruzzel Wagon, mit dem er dann beispielsweise auf Festen und Feiern auffahren möchte. Wenn das gut funktioniert, kann er sich vorstellen, dieses Geschäft noch weiter auszubauen. Eilig hat er es aber nicht – ganz gemütlich vorwärts, und bis dahin: Bruzzeln für Bredde. Was sonst?

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8 Kommentare zu „Bruzzeln für Bretten“

  1. Die Bilder von den Tellern sehen krass aus. Ich habe letzte Woche selbst dort gegessen und es schmeckt sehr gut lecker

  2. Alles in Maßen 😉 Ab und zu darf man sich auch etwas gönnen. Zum Glück gehört Genuss auch zur Lebensqualität. Und wer danach noch einen Spaziergang durch Bretten macht, hat die Kalorien schnell wieder verbrannt – und Bretten bleibt trotzdem lecker.

  3. Stimme dem Artikel voll und ganz zu! Seit Beginn ist die Qualität und der Geschmack auf höchstem Niveau :)
    Immer wieder gerne :))

  4. Sehr leckerer Döner und wirklich freundlicher Service. Man merkt auch, dass auf Sauberkeit und Qualität geachtet wird. Ich war sehr zufrieden und komme gerne wieder. Weiterhin viel Erfolg!

    :) :) :)

  5. da schmeckts echt bombe, kaum wartezeit und keine park probleme, dazu richtig leckeres essen, sowas ist in bretten echt selten

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