Das Flüstern des Windes

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Genug von Gerüchten und Hörensagen. Wie sieht es tatsächlich aus, wenn sich Windräder im Wald drehen? Wir haben es uns einfach aus der Nähe angesehen.

In wenigen Tagen wird Bruchsal bei einem Bürgerentscheid darüber befinden, ob im Süden der Stadt städtische Grundstücke für die Errichtung von Windrädern genutzt werden dürfen. Der Windpark selbst kann dadurch nicht verhindert werden, da private Grundstücke nicht betroffen sind. Dennoch lohnt es sich, gut vorbereitet an die Frage heranzugehen – zum Beispiel mit einem Besuch dort, wo bereits seit Jahren Windkraftanlagen in Betrieb sind. Machen Sie mit uns einen kleinen Ausflug in den Pfälzer Wald.

Es ist eiskalt auf dem Höhenzug bei Hermeskeil. Auf rund 600 Metern Höhe zeigt das Thermometer knackige -6 °C. Die Luft ist so klar, dass man sie trotz der Kälte tief einatmen möchte. Mit jedem Atemzug wird der Kopf klarer, die Sinne feiner, sie scheinen sich auszubreiten in alle Richtungen. Ich höre das Flüstern des Windes in den Baumwipfeln, das Rauschen der nahen Autobahn – aber nicht die vielen riesigen Windräder, die sich hier um mich herum drehen. Ein gutes Dutzend ist sichtbar, sie alle gehören zum Windpark Hinzert-Pölert-Rascheid-Reinsfeld, der in Teilen schon fast 25 Jahre alt ist. Hier stehen mehrere Windkraftanlagen vom Typ Südwind S70 und Vensys 77. Die Türme sind etwa hundert Meter hoch, die Rotoren rund 70 Meter im Durchmesser.

Im Vergleich zu den Anlagen, die rund um Bruchsal entstehen sollen, wirken diese Modelle wie Zwerge. Der Projektierer JUWI aus Wörrstadt plant für den Windpark Ost acht Windräder der 7-Megawatt-Klasse. Sie haben einen Rotordurchmesser von 180 Metern und erreichen eine Gesamthöhe von bis zu 290 Metern – zum Vergleich: Der Kölner Dom ist keine 160 Meter hoch.

Bevor man nun die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, lohnt ein Blick auf die physikalische Realität: Der Lärm, vor dem viele Menschen bei Windanlagen Angst haben, entsteht an den Blattspitzen. Bei größeren Anlagen liegt dieser weit über unseren Köpfen.

Während ich die Notizen für diesen Artikel zusammenstelle, stehe ich direkt am Turm einer älteren Anlage bei Hermeskeil. Die Turmhöhe beträgt gut 100 Meter, der Rotordurchmesser 70 Meter – die Blattspitze passiert mich also etwa 30 Meter über mir. Dennoch ist nichts zu hören. Absolut nichts. Allenfalls ein leises Säuseln, während das Rascheln meines Notizblocks lauter ist.

Ich laufe durch die riesige Anlage, die über Waldwege gut zu erkunden ist. Immer wieder halte ich inne, schließe die Augen, lausche – und höre nur den Verkehr von der benachbarten Autobahn. Die Rotoren selbst sind kaum wahrnehmbar, egal, wo ich stehe. Die Waldbewohner scheinen sich ebenfalls nicht stören zu lassen: Auf einer Lichtung stehen mehrere Rehe direkt unter einem der Räder und stöbern entspannt im frostweißen Laub.

Vielleicht kommt jetzt der Einwand: „Und was ist mit dem Infraschall?“ Tatsächlich ist das ein komplexes, aber überhöht dargestelltes Thema. Infraschall ist nichts Exotisches – er ist überall um uns herum: auf Straßen, in Zügen, in Haushaltsgeräten und sogar am Meer. Windräder erzeugen davon deutlich weniger als viele alltägliche Quellen. Wenn Infraschall wirklich gefährlich wäre, müssten Küstenbewohner, Pendler oder Menschen mit einer laufenden Waschmaschine längst Probleme haben. Tun sie aber nicht.

Irritierend sind eher die rasenden Schatten der Rotoren, die über Bäume, Wege und Wiesen gleiten. An einem sonnigen Tag kann sich der Schattenschlag der verschiedenen Räder teilweise überlappend ausbreiten. Schädlich ist das nicht, aber irritierend. Ein solcher Effekt tritt nur auf, wenn die Sonne tief steht und scheint – und ist damit zeitlich stark begrenzt.

VIDEO: Windräder im Wald bei Schwäbisch Hall

Manche Eindrücke muss man selbst erleben. Das Beste ist, sich eine solche Anlage vor Ort anzusehen. Planen Sie einen Sonntagsausflug dorthin, wo sich die stillen Riesen drehen, und nehmen Sie mit Ihren eigenen Sinnen wahr, wie es ist, diese Technik aus der Nähe zu erfahren.

VIDEO: Windräder im Wald bei Hermeskeil

Das Rauschen im Video entstammt ausschließlich der direkt nebenan verlaufenden Autobahn

Gehen Sie hin. Sehen Sie sich die Anlagen an, hören Sie die Umgebung, spüren Sie den Ort selbst. Mein Eindruck: Die Windräder fügen sich gut in die Landschaft ein, sind kaum wahrnehmbar, und die Natur zeigt keine auffälligen Schäden. Tote Vögel oder dramatische Folgen, wie sie oft behauptet werden, konnte ich nicht entdecken. Das ist meine Erfahrung – und genau darauf kommt es an: Ihre eigenen Eindrücke zählen.

Lassen Sie sich nicht von Halbwahrheiten, aufgeregten Schlagzeilen oder der Meinung anderer leiten. Prüfen Sie selbst, hören Sie auf Ihre Sinne und auf Ihr Bauchgefühl. Nur so können Sie eine Entscheidung treffen, die wirklich Ihrer eigenen Einschätzung entspricht. Denn egal bei welchem Bürgerentscheid oder welcher Abstimmung: Am Ende zählt allein Ihr eigenes Urteil – bewusst, aufmerksam und mit offenen Augen getroffen.

Mehr zum Bürgerentscheid, finden Sie auf der Webseite der Stadt Bruchsal

11 Kommentare zu „Das Flüstern des Windes“

  1. Im Kinzigtal im Schwarzwald stehen einige von den Rädern einfach mal
    inne halten und nach spüren. Und wo der lohnende Wind her kommen soll , ist mir jedes Mal ein Rätsel. Ein Beispiel steht zwischen Weingarten und Durlach , wunderbar zu sehen, bzw. nix zu sehen 😜

  2. Danke für diesen Bericht. Genau das habe ich gemacht, mir vor Ort Windkraftanlagen angeschaut und angehört. Greiner Eck (Neckar- Odenwald).
    Auch die , die dort stehen, sind nicht zu hören und man sieht sie oft nur, wenn man kurz vor ihnen ist.
    Vieles, was man über Windkraftanlagen ließt und hört, ist echte Panikmache.
    Hat sich jemand schon mal Sorgen um Mitbürger, die unter dem Lärm von Durchgangsverkehr leiden, gemacht?
    Ja, gehen wir mit offenen Augen und Ohren an Entscheidungen heran.

  3. Vielen Dank für den tollen Bericht. Das kann man nur unterstreichen ! Und unabhängig machen die Dinger auch noch. Von russischen Despoten und amerikanischen …äh sorry, da fällt mir nix ein…und ihrem dreckigen Gas. Dann bleibt das Geld hier im Ländle und das Städtle kann seine Schulden abtragen. Oder wenn die Abstimmung schief läuft zumindest ein Landbesitzer seine Porschesammlung ausbauen. An der Küste erwirtschaftet manche Bürgergenossenschaft mit ihren Windanlagen gutes Geld und freut sich wenn die eingebildeten Südländer sich selbst blockieren. Unabhängigkeit ist das Gebot !
    Der Bürgerwindpark Reußenköge betreibt mittlerweile ein eigenes Netz, ein Umspannwerk und zwei Batteriegrossspeicher. Als Nächstes ist eine Wasserstoff- und Methanolproduktion geplant ! So groß muss es ja nicht werden, aber nix machen geht nicht!

  4. Genau das ist erforderlich ! Windmühlen zur Stromversorgung ! Nach dem man sich für eine Deindustrialsierung entschieden hat. Großer Vorteil, die Luft wird sauberer und die CO2 – Belastung sinkt. Die Arbeitslosenquote steigt – aber was macht das schon. bekannte Firmen gehen ins Ausland dadurch sinken die Steuereinnahmen. Alles das sind Aufzählungen was grüne Politik macht. KEIN Gemotze ohne Substanz. Aber zu viel Wahrheit auf einmal.

  5. Deindustrialisierung wegen Windrädern? Komm schon. Kein einziger Betrieb macht dicht, nur weil sich irgendwo ein Rotor dreht.

    Erneuerbare drücken langfristig die Stromkosten und stabilisieren die Versorgung. Wenn man das ignoriert, klingt natürlich alles nach Weltuntergang. Ist aber einfach nur ein bequemes Narrativ – mehr nicht.

  6. EE drücken langfristig die Stromkosten ?
    Nach Merit Order bestimmt immer der Erzeuger mit den höchsten Produktionskosten den Preis, und das sind Gaskraftwerke ?
    Die braucht man unbedingt um das Netz stabil zu halten.
    Ausserdem ist für den Fall Dunkelflaute, ein Backup-System vorzuhalten.

  7. Stimmt schon, das Merit‑Order‑System ist ein Relikt aus einer Zeit, als Erneuerbare noch keine Rolle gespielt haben. Heute verzerren kurzfristige Preisspitzen durch Gas oder Kohle die Rechnung – aber langfristig ist klar: Wer massiv in Wind, Sonne und Speicher investiert, drückt die Kosten und reduziert Abhängigkeiten. Das alte System hinkt einfach hinterher.

  8. Sowohl kurz- als auch langfristig ist klar, dass EE Frequenzregelung nicht können.

    Bei Dunkelflauten ist die Produktion NULL, auch dann wenn die installierte EE-Leistung 10.000 GW beträgt.

  9. Klar, bei Dunkelflauten liefern Wind und Sonne null. Aber das gleiche gilt für Kohle oder Gas, wenn Brennstoffe knapp sind, politisch blockiert oder aus Umweltsicht nicht mehr tragbar. Kein Kraftwerk der Welt ist da „immer einsatzbereit“ – Backup und Speicher sind Pflicht, egal welche Energiequelle. Aber ja, Dunkelflauten sind real, aber selten, und die Energieversorgung ist heute so aufgestellt, dass sie kurzfristig überbrückt werden können.

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