Ruhig, klar, offen und direkt führt Pamela Pott künftig als neue Langenbrücker Revierleiterin die Kraichgauer Polizei
Pamela Pott. Das klingt irgendwie nach der Heldin aus einer Jugendbuchreihe, finden Sie nicht? Ich kann die Titel direkt vor mir sehen: „Pamela Pott und das Rätsel der alten Mühle“ oder „Pamela Pott auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“. Okay, okay, letzteres habe ich aus dem Film mit Michael Douglas und Kathleen Turner geklaut. Aber ganz so abwegig ist der Gedankengang dann auch wieder nicht, denn tatsächlich waren es Krimis, die Pamela Pott quasi der Polizei in die damals noch grünbeärmelten Arme trieben. Besonders angetan hat es ihr die „Queen of Crime“ Agatha Christie höchstpersönlich, Schöpferin großer fiktiver Detektive wie Hercules Poirot und Miss Marple. By the way, Agatha Christie wurde 1890 geboren, Pamela Pott 1980. Ein zu schönes Detail, um es unter den Tisch fallen zu lassen.
Falls Ihnen der Name Pamela Pott nichts sagen sollte, ist das nicht weiter verwunderlich, schließlich ist sie ganz neu bei uns im Kraichgauer Hügelland, hat erst vor wenigen Tagen die Leitung des Polizeireviers Bad Schönborn übernommen, das sich immerhin verantwortlich zeichnet für u.a. Östringen, Kraichtal, Ubstadt-Weiher und Bad Schönborn.
Falls Ihnen der Name aber doch etwas sagt, sind Sie möglicherweise schon einmal mit dem Gesetz in Karlsruhe, Bruchsal oder andernorts in Konflikt geraten, denn das Polizeirevier in Langenbrücken ist keineswegs Pamela Potts erste Station. Vielleicht kennen Sie sie aus dem Polizeirevier Bruchsal, wo sie 2006 nach dem Studium an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen ihren ersten Dienst antrat. Vielleicht aber auch aus ihrer Zeit bei der Schutzpolizeidirektion in der Karlsruher Südweststadt oder als Dienstgruppenleiterin im Revier Marktplatz Karlsruhe. Eventuell war es aber auch bei einer der vielen Stationen, die Pamela Pott im Zuge ihres Einstiegs in den höheren Dienst in einer Art „Speed-Dating-Modus“ durchlaufen hat – darunter auch Gastspiele im Führungs- und Einsatzstab oder im Innenministerium. „Es ist ein Erfahrungsberuf, je mehr Lebenserfahrung man mitbringt, desto besser“, findet die heute 45-Jährige, erste Polizeihauptkommissarin, die in Bad Schönborn die Nachfolge von Gerald Gack angetreten hat, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Das Zeug dazu hat sie ohne jeden Zweifel, trug sie doch zuvor die Verantwortung über das Einsatzgeschehen des gesamten Polizeipräsidiums Karlsruhe.

Wirklich viele Gemeinsamkeiten haben die beiden Kraichgauer Sheriffs, abseits von Beruf und Rang, eher nicht. Mal abgesehen von den offensichtlichen Kontrasten – Geschlecht und zwei Dekaden Altersdifferenz – sind die beiden EPHK recht verschieden. Gerald Gack, der Archetyp des rauen Kraichgauer Ordnungshüters: hart und herzlich, etwas kantig, mit stahlblauen Augen, die keine Ausreden zulassen, tief drinnen ein Herz für seine Region und für seine Mannschaft. Nicht ohne Grund hat man die kleine Laube hinter dem Polizeirevier, in der im Sommer bestimmt die eine oder andere gemütliche Zusammenkunft stattgefunden hat, nach ihm als „Gerald-Gack-Platz“ benannt.
Pamela Pott ist in ihrer Art und ihrem Wesen deutlich feiner und leiser – und das im besten Sinne. Sie strahlt eine absolut klare Präsenz aus, die fast physisch greifbar scheint. Die Attribute leise und bedacht dürfen in diesem Zusammenhang nicht als Zurückhaltung fehlinterpretiert werden, denn in Zurückhaltung wird sich Pamela Pott definitiv nicht üben. Sie hat vor, Dinge zu benennen, die benannt werden müssen, Dinge anzupacken, die angepackt werden müssen – auch wenn es wehtut. „Ehrlichkeit ist das erste Kapitel im Buch der Weisheit“, sagte Thomas Jefferson, und so wie es aussieht, auch die rote Linie im Buch von Pamela Pott, ob nun in der Phantasie-Variante als Romanheldin oder in persona. Was aber keineswegs bedeutet, dass sie dem Team gegenüber gnadenlos auftreten wird, ganz im Gegenteil. Das „du“ hat sie bereits allen angeboten, freut sich auf gemeinsame Momente, gemeinsame Mittagessen und einen offenen und bedingungslos ehrlichen Austausch. „Ich muss mich, was die Abläufe betrifft hier einarbeiten, aber die Empathie (die eine Führungskraft braucht) bringe ich mit.“ so Pamela Pott zu ihrem Start in Bad Schönborn.
Ihr Fokus ist bei alledem beeindruckend. Während unseres gesamten Interviews schenkt sie mir ihre volle Aufmerksamkeit, nicht 90%, sondern immer 100, ganz ohne Kompromisse. Egal, ob auf dem Flur ein paar Kollegen vorbeigehen oder das Funkgerät im Eck quäkt. Bevor sie auf meine Fragen antwortet, wandert der Blick ihrer blauen Augen nachdenklich nach oben, während sie die Antwort überschlägt. Aber nicht, um danach irgendeine substanzlose Unverfänglichkeit zu formulieren, jenen pseudo-diplomatischen Pudding, den man nicht an die Wand nageln kann, sondern eine klare, offene und ehrliche Antwort, die alles widerspiegelt, nur keine Angst. Diese Mischung aus innerer Ruhe, Klarheit und unerschütterlicher Ehrlichkeit macht sie in meinen Augen zu einer Führungsperson, die Kraft und Bedacht auf perfekte Weise vereint.
Und wie gefällt es ihr nun so, auf ihrem neuen Posten im ruhigen Bad Schönborn? „Die Tätigkeit im Revier zu leiten ist für mich eine neue Herausforderung und ich muss mich da noch reinfinden, aber das reizt mich“, sagt sie, aber dabei hängt noch ein leises „Aber“ im Raum. Ein „Aber“, mit dem ich nach etwas Nachbohren tatsächlich nicht gerechnet hätte. Was Pamela Pott noch nicht so ganz schmeckt, sind die geregelten Arbeitszeiten, der Dienst über Tage, den sich andere vermutlich sehnlichst wünschen würden. „Ja, aber ich habe vorher recht viel Arbeitszeit nachts erbracht und war dann eben an den Bereitschaftstagen oder freien Tagen zu Hause“, gibt sie zu bedenken. „Und jetzt bin ich eben nicht da, wenn die Kinder morgens zur Schule gehen, und auch am Nachmittag nicht, wenn sie aus der Schule kommen.“
Aber daran wird sie sich anpassen, so wie sie sich bisher mit Elan an alle neuen Herausforderungen angepasst hat. Apropos neue Herausforderungen und apropos ruhiges Bad Schönborn: Während wir draußen noch ein paar Fotos machen, bereiten sich ein paar Kolleginnen und Kollegen gerade eilends mit schwerer Kampfausrüstung auf einen möglicherweise schwierigen Einsatz vor. „Das gab es auch nicht so oft, als wir noch grün getragen haben“, seufzt Pamela Pott. Doch auch dieser Fall wird sich irgendwie lösen lassen, denn das ist schließlich die Aufgabe einer guten Detektivin.

Na hoffentlich reicht hier die Macht der leisen Töne!
Ein toller Text! Viel Erfolg und immer das richtige Händchen!